Corona-Hochzeitstrends

Destination-Weddings oder Heiraten im kleinen Kreis?

XXL-Hochzeiten im Ausland
Schroeder

Eine große Hochzeit, gerne im Ausland - das war in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Wegen Corona feiern viele nach wie vor im kleinen Kreis.

Türkisblaues Wasser, weißer Sandstrand. Theresia und Martin haben sich in der Paulusbucht auf der griechischen Insel Rhodos das "Ja-Wort" gegeben. Und das mitten in der Corona-Pandemie, im Sommer vergangenen Jahres.

Gäste sind eingeflogen

Rund 30 Gäste waren dabei. Mehr als erwartet, wie Theresia erzählt. Denn offiziell eingeladen war niemand, wie sie betont. Ihr Mann und sie wollten niemanden drängen, ins Ausland zu reisen. Trotzdem kamen Familie und Freunde. Im Winter wurde dann noch einmal groß gefeiert - mit rund 100 Gästen, wie die 32-jährige Flugbegleiterin aus Biebergemünd im Main-Kinzig-Kreisfreudig erzählt. 

So viel geben Paare für ihre Hochzeit aus

Nach Angaben des Online-Ratgebers "Hochzeitsportal24" geben Paare in Deutschland aktuell im Durchschnitt geschätzt etwa 13.000 Euro für ihre Hochzeit aus. Laut einer Umfrage zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 liegen 13 Prozent der Hochzeiten mit Ausgaben von 15.000 bis 20.000 Euro sogar über diesem Budget.

Trend: "Destination-Weddings"

"Destination-Weddings" wie die von Theresia und Martin auf Rhodos waren vor der Corona-Pandemie ein großer Trend, wie das Frankfurter Zukunftsinstitut analysiert hat. Bereits 2013 prognostizierten die Experten: Der Aufwand für Hochzeiten werde immer größer. Der Trend gehe zur Eventhochzeit. Medienformate wie die TV-Sendung "4 Hochzeiten und eine Traumreise" setzten die Maßstäbe hoch.

Statistik: 2021 weniger Hochzeiten 

Doch dann kam Corona. Und obwohl die Ehe laut einer repräsentativen Umfrage des Opaschowski Instituts für Zukunftsfragen für eine Mehrheit der jungen Deutschen nach wie vor das erstrebenswerte Ideal für ihr Leben darstellt: Fast noch nie haben in Deutschland so wenige Paare geheiratet wie 2021. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. "Die Zahl der Eheschließungen in Deutschland ist im Jahr 2021 auf einen neuen historischen Tiefstand gesunken", schreibt die Behörde.

Wir wollten das nicht mitmachen, dieses Sich-Überbieten, wer die noch fettere Hochzeit feiert.

"Tiny Weddings": Hochzeit im kleinen Kreis

Matthias Braun und seine Freundin wollten nicht warten und haben 2020 trotz Corona standesamtlich geheiratet. Die Einschränkungen machten den beiden nicht viel aus. Sie wollten bewusst im kleinen Kreis und ohne viel Aufwand Hochzeit feiern, wie der Mainzer Jugendpfarrer erzählt: "Wir wollten das nicht mitmachen, dieses Sich-Überbieten, wer die noch fettere Hochzeit feiert."

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Traumhochzeit während Corona
epd-bild/Tim Wegner
Theresia und Martin haben sich im Ausland das Ja-Wort gegeben.

Svenja Schirk, Sprecherin des Bundes der deutschen Hochzeitsplaner, sieht kleinere, individuellere Hochzeiten im Kommen: "Wir beobachten, dass Brautpaare ihre persönlichen Wünsche festlegen und mehr differenzieren als vor einigen Jahren. Es werden mehr ‚tiny weddings‘ gefeiert - klein und fein mit hübschen, ausgesuchten Details und viel Liebe zu Kleinigkeiten.

Blumenhochzeiten sind beliebt

Als Beispiele nennt die Hochzeitsplanerin Mottofeiern wie 20er Jahre, Blumenhochzeit oder Black‘n’White. In den USA und Großbritannien sei das längst Standard. Schirk ist sicher: "Paare heiraten kleiner - aber nicht minder aufwendig."

Paare heiraten kleiner - aber nicht minder aufwendig.

Nachhaltigkeit als neuer Trend?

Das Hochzeitsforum "wir-sagen-ja.com", hinter dem ein großer Brautausstatter aus Norddeutschland steht, will sich da noch nicht festlegen: "Durch die Pandemie hat sich das Verhalten gezwungenermaßen verändert und es bleibt noch abzuwarten, ob sich dadurch auch ein langfristiges Umdenken bezüglich Nachhaltigkeit entwickeln wird oder ob die Eventisierung wieder aufleben wird", heißt es von dort.

Brautpaare geben 13.000 Euro aus

Nach Angaben des Online-Ratgebers "Hochzeitsportal24" geben Paare in Deutschland aktuell im Durchschnitt geschätzt etwa 13.000 Euro für ihre Hochzeit aus. Laut einer Umfrage zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 liegen 13 Prozent der Hochzeiten mit Ausgaben von 15.000 bis 20.000 Euro sogar über diesem Budget.

Ein Blick in die sozialen Netzwerke zeigt: Der Druck ist groß auf Pärchen. Influencerinnen wie die Kölnerin Farina Opoku alias "novalanalove" posten Bilder und Videos von ihren pompösen Hochzeiten auf Inseln wie Ibiza. Zahlreiche Accounts wie "liebezurhochzeit" und "hochzeitswahn" mit jeweils mehr als 70.000 Followern, zeigen, was alles möglich ist. Hochzeitsplaner-Apps wie "The Big Day" helfen Paaren beim Organisieren ihrer Traumhochzeit.

Tipps der Deutschen Knigge-Gesellschaft

  1. Tretet jederzeit ehrlich gegenüber dem Brautpaar auf
  2. Sucht das persönliche Gespräch 
  3. Das Brautpaar sollte neben dem teuren Hotel auch eine günstige Alternative anbieten, Fahrgemeinschaften oder Gruppenbuchungen für die Reise organisieren und den Dresscode etwas lockerer auslegen

Tipps von Knigge-Experten

Die oftmals in letzte Details geplanten Feiern kosten viel Geld - auch für die Gäste. Wer sich neue Kleidung, die Anreise oder Hotelübernachtung eigentlich nicht leisten kann, steht vor einem Problem: Wie sage ich, dass das Fest die eigenen Finanzen übersteigt?

Die deutsche Knigge-Gesellschaft rät: Gäste sollten jederzeit ehrlich gegenüber dem Brautpaar auftreten. Man sei schließlich befreundet oder sogar verwandt und wisse um die Möglichkeiten des jeweils anderen. Man solle in jedem Fall das persönliche Gespräch suchen.

Brautpaar soll Alternativen anbieten

Aber auch das Brautpaar sei gefragt: "Organisatorisch kann man unterstützend wirken indem man neben dem teuren Hotel auch eine günstige Alternative anbietet, Fahrgemeinschaften oder Gruppenbuchungen für die Reise organisiert oder den Dresscode etwas lockerer auslegt."

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