Am 11. März 2009 erschüttert ein Amoklauf die Albertville-Realschule in Winnenden bei Stuttgart. 16 Menschen sterben an diesem Tag, darunter Ulrikes Lehrerin, Freunde und Mitschüler. Ulrike erzählt 17 Jahre später im Podcast HOFFNUNGSMENSCH, wie sie mit der Tat lebt und wie sie dem Mörder vergeben konnte.
Der Mittwoch beginnt für Ulrike wie gewohnt: Chemie in der dritten Stunde, letzte Reihe. Plötzlich hören sie seltsame Geräusche. „Es klang, als ob jemand auf eine Heizung klopfen würde.“ Doch die Geräusche wiederholen sich.
Ulrike blickt aus dem Fenster. Auf der Feuerleiter des Nachbargebäudes stehen Mitschüler – mit versteinerten, angstvollen Gesichtern. Da begreift sie: Hier geschieht etwas Schreckliches.
Ihr Lehrer öffnet kurz die Tür zum Flur, schließt sie sofort wieder. „Er muss den Amokläufer gesehen haben“, sagt Ulrike. Ihr Glück: Die Tür des Chemiesaals lässt sich nur von innen öffnen.
Die Klasse flieht in den Nebenraum, einen engen Raum voller Reagenzgläser. Der Täter schießt währenddessen zweimal durch die Tür des Chemiesaals. „Das Furchtbare ist, dass er zweimal getroffen hat.“ Eine Mitschülerin wird verletzt, die junge Referendarin tödlich getroffen. Ulrike begreift das in diesem Moment nicht.
Im Nebenraum weinen die Schüler, einige beten, andere singen leise „Der Herr segne dich“. Ein Mitschüler sagt: „Jetzt hilft nur noch beten.“ Ulrike betet. Seit einem Jahr ist sie Christin. Inmitten des Chaos spürt sie plötzlich tiefen Frieden.
Dann erlebt sie zwei Schlüsselmomente. Der erste geschieht in einem Gottesdienst. Auf die Rückseite eines Puzzleteils sollen die Teilnehmer den Namen einer Person schreiben, mit der sie ein Problem haben. Ulrike schreibt den Namen des Täters. Die Pfarrerin sagt: „Gott liebt auch diesen Menschen und will, dass er Teil seines großen Puzzles wird.“ Ulrike bricht innerlich zusammen. Gott liebt den Amokläufer? Wie kann das sein?
Nach dem Gottesdienst rät die Pfarrerin ihr, sich den Täter als kleinen, unschuldigen Jungen vorzustellen, der im Sandkasten spielt. Es fällt Ulrike schwer, doch das Bild hilft ihr.
Ich vergebe dir.
Der zweite Moment kommt beim Lesen des Buches „Die Hütte”. Darin begegnet ein Vater, dessen Tochter ermordet wurde, Gott. Ulrike liest den Satz: „Du musst vergeben.“ Es fühlt sich an, als würde Gott direkt zu ihr sprechen. Doch sie wehrt sich: „Gott, das ist nicht dein Ernst!“