Soziales

Flughafenseelsorge: Constantin hilft, bevor der Flieger abhebt

Constantin, ein junger Mann mit Warnweste, steht auf einem Flughafen. Der Text auf Deutsch lautet: „Keiner kennt den Flughafen so gut wie er.“
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Constantin kennt sich am Frankfurter Flughafen aus, wie kein Zweiter. Er hilft zwischen Gate und Gepäckband. Obwohl er gar kein Geld dafür bekommt.

Die Sohlen deiner Sneaker quietschen auf dem Steinboden, als du durch die Gänge des Frankfurter Flughafens rennst. Das Gate hat sich geändert. Auf deiner Stirn stehen Schweißperlen, die Träger deines Rucksacks rutschen von den Schultern. So hast du dir den Start in den Urlaub nicht vorgestellt.

Täglich reisen rund 170.000 Menschen über den Frankfurter Flughafen. Wenn du dich verirrst oder in eine Notsituation gerätst, begegnest du mit etwas Glück Constantin Braun. Mit Warnweste und Wasserflasche steht er dann vor dir. Für ihn sind solche Momente Alltag. 

„Die Probleme am Flughafen sind genauso vielfältig wie die Menschen, die sie haben“, sagt Constantin. Der 19-Jährige ist Flughafenseelsorger, Psychologiestudent und Airport-Nerd. „Für mich ist diese Arbeit das perfekte Ehrenamt“, sagt er. Ihn begeistert vor allem der Kontakt mit Menschen aus der ganzen Welt und Arbeiten am Terminal. „Ich reise eigentlich gar nicht so gerne, mag es aber trotzdem am Flughafen zu sein.“ 

Constantin entspannt es, wenn er den Menschen bei ihren Reisen zuschaut: „Ich bin kein Teil von ihrer Hektik. Das bringt mich irgendwie runter.“ 

Seit 1972 gibt es die evangelische Flughafenseelsorge am Frankfurter Flughafen. Zu den Aufgaben von Constantin und seinem Team aus 25 Ehrenamtlichen gehören:

  • die Betreuung der Kapellen und Gebetsräume am Flughafen
  • Passagier*innen bei Problemen helfen
  • Gespräche führen, zuhören
  • Menschen in Notsituationen auffangen
Porträt von Constantin Braun, Mitarbeiter der Flughafenseelsorge, in der Abflughalle eines Flughafens. Er trägt ein hellblaues Poloshirt, eine gelbe Warnweste mit Namensschild und lächelt in die Kamera. Im Hintergrund sind unscharf Check-in-Bereiche zu sehen.
Selina Groß/ Jörn von Lutzau
Constantin kennt sich am Frankfurter Flughafen aus, wie kein Zweiter.

Probleme im Gepäck

Konkret bedeutet das: Mit Warnweste und Wasserflasche ausgerüstet, läuft Constantin einmal die Woche acht Stunden lang durch die Abflughallen. Er scannt seine Umgebung aufmerksam und achtet auf Menschen, die erschöpft am Rand sitzen oder hektisch umherirren. Oft genug sprechen ihn Reisende aber auch direkt an.

„Where can I drop off my luggage?“ „¿Por dónde voy?“ „Wo ist die Toilette?“ Constantin kann Fragen nach dem Gepäck, der richtigen Richtung oder den Sanitätsanlagen sofort beantworten. Seitdem er 18 ist, engagiert er sich bei der Flughafenseelsorge. Schon als Schüler hat Constantin im Flughafen gejobbt, dadurch kennt er sich auf dem riesigen Gelände (2160 Hektar) sehr gut aus. 

Am Flughafen ist Englisch sprechen können sehr wichtig. Dass Constantin auch Spanisch spricht, erleichtere ihm die Arbeit zusätzlich, sagt er. „Sehr oft sind es kleine Dinge, bei denen ich sofort helfen kann“, erzählt Constantin. „Das ist erfüllend, weil ich den Leuten schnell den Stress nehme.“

Trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen Constantin mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen und auch unter Druck einen kühlen Kopf bewahren muss. „Mir sind letztens zwei Männer aufgefallen, die orientierungslos herumgeirrt sind.“ Sie seien hektisch zwischen den Schaltern hin und her gelaufen und schauten verwirrt zwischen den Schildern und ihren Handys hin und her.  

Sie stammen von der Elfenbeinküste. Wegen einer Verspätung haben sie ihren Anschluss fast verpasst.  „Wir hatten nur noch 20 Minuten.“

Am Flughafen zählt manchmal jede Minute

Während Constantin die Fluggäste im Laufschritt zum Flugsteig begleitet, telefoniert er parallel mit der Fluggesellschaft. „Es ging darum, dass die Crew auf die zwei Männer wartet und das Gate offen bleibt.“

Sie erreichen den Flugsteig im letzten Moment. Mit einem breiten Lächeln sieht Constantin zu, wie die Männer die Ticketkontrolle passieren und einsteigen. „Das ist das Beste an meinem Ehrenamt: Wenn ich weiß, ich habe dabei geholfen, dass die Leute weiterreisen können und nach Hause kommen.“

Eine Frau mit einem Koffer gestikuliert, während sie im Check-in-Bereich mit Constantin in Warnweste spricht.
Selina Groß / Jörn von Lutzau
Mit Warnweste und Wasserflasche steht Constantin vor dir, wenn du am, Flughafen lost bist. Für ihn sind solche Momente Alltag.

Empathie für Menschen am Flughafen im Minutentakt

Constantin hat nicht nur Einsätze, bei denen jede Sekunde zählt. Gerne nimmt er sich bewusst Zeit:  „Bei einigen Menschen muss ich mir Mühe geben, mich in sie hineinzuversetzen, bei anderen weiß ich sofort, wie sie sich fühlen.“

Vor allem, wenn junge Reisende Probleme haben, wird Constantin gerne von älteren Kollegen dazu geholt. „Hier ist auch schon mal ein Teenager allein am Flughafen gestrandet“, erinnert er sich. Das Mädchen sei von zu Hause weggelaufen und habe sich Constantin anvertraut.

„Wir haben sie der Polizei übergeben“, erinnert er sich. Aber danach habe er nichts mehr von ihr gehört.Ich glaube, dass es ihr in der Situation geholfen hat, dass wir geredet haben und ich ihr zugehört habe.“ Genauso definiert er den Begriff Seelsorge: sich Zeit nehmen und Empathie zeigen.

Wenn Constantin mitten unter der großen Anzeigetafel in der Abflughalle steht, vergeht keine Minute ohne dass er angesprochen wird. Sein Blick ruht dabei immer auf der Person, die seine Hilfe braucht. „Einfach den Gang runter und dann rechts“, sagt er. Mit den Armen deutet er den Weg. 

 

Kannst du dir ein Ehrenamt wie dieses vorstellen? Oder hast du selbst schon einmal Hilfe von der Flughafenseelsorge erhalten? Wir freuen uns auf deine Erfahrungen in den Kommentaren oder auf unseren Social-Media-Kanälen.

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