Politik-Debakel

CDU sorgt mit „Lifestyle-Teilzeit“ für Aufruhr

Emily Nowak
Kommentar von Emily Nowak

Millionen Menschen arbeiten in Teilzeit, um gesund zu bleiben und produktive Arbeit zu leisten. Warum will die Politik ihnen genau dieses Recht nehmen?

Die Bundesregierung plant weitreichende Sozialreformen, doch in welche Richtung soll sich Deutschland entwickeln? Kurz vor dem CDU-Parteitag im Februar sorgen der Wirtschaftsrat der Regierungspartei sowie die Mittelstands- und Wirtschaftsunion für Schlagzeilen

  • Kürzungen bei den Sozialleistungen
  • Mütterrente und Rente mit 63 abschaffen
  • einschneidende Arbeitsmarktreformen

Ein Aufreger folgt dem nächsten: Besonders empört hat mich der Vorschlag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion: ein Rechtsanspruch auf Teilzeit nur noch bei „besonderer Begründung“. Wer also keine Betreuungspflichten habe, solle die Arbeitsstunden nicht einfach so reduzieren können. 

Moderne Arbeitswelt? Von wegen!

Und das obwohl Teilzeit heutzutage normal ist. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben in Deutschland 2025 etwa 40,1 Prozent in Teilzeit gearbeitet. Das sind rund 17 Millionen Menschen

Wie kann es also sein, dass eine regierende Partei ernsthaft darüber nachdenkt, diesen Menschen ihre Normalität und die Rechtsgrundlage zu nehmen?

Für die Gesundheit Teilzeit einschränken?

Wenige Wochen zuvor hat Bundeskanzler Merz den Krankenstand in Deutschland kritisiert. Er findet: Menschen müssen im Job mehr leisten, damit die Wirtschaft wächst.

Aber überlange Arbeitszeiten erhöhen das Risiko für Krankheit und Überlastung. Das zeigt eine Studie des Hugo Sinzheimer Instituts für Arbeitsrecht (HSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Und genau das möchte Merz doch eigentlich verhindern, oder doch nicht?

„Teilzeit ist für ganze Branchen eine Notwendigkeit.“

Stimmen aus der Pflege, aber auch aus Schulen und Gewerkschaften, kritisieren den Vorschlag scharf. 

Wenn Pflegekräfte in Teilzeit arbeiten, ist das kein Luxus-Lifestyle. Die Arbeitsbedingungen werden in der Pflege nicht gerade besser. Hohe Belastung und Überstunden sind Alltag. Auch in anderen Berufen, etwa im Grundschulbereich, arbeiten viele Menschen in Teilzeit. 

Die steigende Teilzeitquote ist daher oft keine Komfortentscheidung. Vielmehr dient Teilzeitarbeit als Selbstschutz

Mehr Arbeitszeit ≠ mehr Leistung

Fakten des Arbeitsmarktes sprechen ebenfalls gegen den Vorschlag. Das zeigt eine Analyse des Arbeitsmarktexperten Hartmut Seifert vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftsinstitut (WSI). Demnach weisen Länder mit kurzen Arbeitszeiten, wie Belgien, Frankreich oder eben auch Deutschland, eine deutlich höhere Arbeitsproduktivität auf als süd- und osteuropäische EU-Staaten.

Die Rechnung wäre also ganz einfach: 

  • Menschen, die viel und lange arbeiten werden krank
  • Menschen, die weniger arbeiten sind effektiver und erhöhen die Wirtschaftsleistung

Ein einfacher Merksatz könnte lauten: Mehr Arbeitszeit bedeutet nicht, dass die Menschen mehr leisten. 

Teilzeit ist weder minderwertig noch Lifestyle

Jeder Mensch, der es sich hier in Deutschland leisten kann Vollzeit zu arbeiten, tut das auch. Und das hat gute Gründe.

Wie siehst du das? Diskutiere mit uns auf unseren Social-Media-Kanälen:

Instagram

Facebook

Genauso wie es Gründe gibt, sich als Mensch dazu zu entscheiden „nur“ in Teilzeit zu arbeiten

Teilzeit darf keinesfalls als minderwertig gelten. Im Gegenteil: Sie ist häufiger gesünder, meist produktiver und vor allem ein Ausdruck von Selbstbestimmung.

In einer freien Gesellschaft sollte also die Entscheidung darüber bei den Menschen selbst liegen – und nicht bei der Politik!