Protokolle aus der Redaktion

6 erste Male, die nichts mit Sex zu tun haben

Erinnerungen an unsere ersten Male...
privat

Es gibt immer ein erstes Mal! Und oft vergessen wir es nie wieder. So geht es auch unserer Redaktion, die sich an „erste Male“ zurückerinnert.

Nicht nur in Liebe und Partnerschaft gibt es unzählige erste Male. Die erste eigene Wohnung, die ersten Male als Mutter oder Vater, die ersten Erfahrungen im Job… Es gibt mindestens so viele erste Male, wie es Wendepunkte im Leben gibt. Oft erleben wir sie ganz unbewusst, hin und wieder aber doch gant bewusst. Wir erzählen dir hier von unseren ersten Male, die uns verändert haben. 

Der erste Atemzug - Renate taucht zum ersten Mal

Auf Sardinien ist Renate Haller das erste Mal richtig getaucht.
esz/Jürgen Damm
Auf Sardinien ist Renate Haller das erste Mal richtig getaucht.

Mein damaliger Freund war begeistert: Eine ganz neue Welt! Nie gesehene Formen, bezaubernde Farben, verblüffende Schwerelosigkeit und dazu diese grandiose Stille. Puh, seiner Faszination vom Tauchen war schwer etwas entgegenzusetzen.

Ich versuchte es mit „das ist nicht unser Element, wir sind Säugetiere und müssen atmen“, oder mit einem so profanen Argument wie „ich habe weder Zeit noch Geld für einen Tauchkurs“. Vergeblich. Nie hatte ich ihn so hartnäckig erlebt. Und so fand ich mich eines schönen Septembertages in einer wunderbaren Bucht nahe des Capo Galera auf Sardinien im Wasser wieder.

Das war an sich kein Problem. Ich schwimme sehr gerne und sehr oft, aber hier ging es leider nicht ums Schwimmen. Erst durften die beiden anderen Tauchschülerinnen und ich ein wenig durch die Bucht schnorcheln. Wir lernten, in der Hüfte abzuknicken und steil nach unten zu tauchen, wir übten den ruhigen, aber effektiven Flossenschlag und waren insgesamt guter Dinge. Bis Hans, unser Tauchlehrer, uns die Pressluftflaschen auf den Rücken schnallte und uns ein Mundstück dazu gab. „Abtauchen auf vier Meter, auf den Boden setzen, ruhig atmen.“

Die Anweisung war knapp, aber klar. Das Problem: So ein Mundstück ist nicht gerade klein und gibt seiner Trägerin das Gefühl, dass der Mund sperrangelweit offensteht. Und wie, bitteschön, soll ich mit geöffnetem Mund abtauchen? Und atmen? Panikwellen durchfluteten mich. Bei jedem Versuch gab mein Hirn den Befehl: Nase über Wasser, sofort! Es war entwürdigend.

Die anderen waren auf dem Grund der Bucht schon fast eingeschlafen, ich kämpfte an der Wasseroberfläche mit mir selbst.

Die anderen waren auf dem Grund der Bucht schon fast eingeschlafen, ich kämpfte an der Wasseroberfläche mit mir selbst. Innerlich hatte ich mich bereits von dem Tauchkurs verabschiedet und erwog, das auch umgehend von meinem Freund zu tun. Hans muss es gespürt haben und erbarmte sich meiner. „Lege erst mal nur das Gesicht aufs Wasser und versuche zu atmen.“ Das war der Durchbruch.

Mit der Sicherheit, im Ernstfall nur den Kopf heben zu müssen, schaffte ich meinen ersten Atemzug unter Wasser. Genial. Im Laufe der Jahre sollten es ungezählte Atemzüge werden. Wir waren an vielen Orten unterwegs, waren begeistert von der Welt, die wir uns mit unserem Hobby erschlossen hatten.

Nur was mein damaliger Freund und heutiger Ehemann mit der Stille unter Wasser meinte, werde ich nie verstehen. Tauchern rauscht jeder Atemzug in den Ohren. Stille hört sich anders an.

Uncoole Mutter - Steffi hat die erste Mathearbeit als Mutter

Redakteurin Steffi sitzt vor vielen Arbeitsblättern der Mathematik.
privat
Eigentlich hat Steffi mit Mathe schon abgeschlossen... Und dann kam die große Mathearbeit ihres Sohnes.

Vermisst habe ich die Mathematik nicht. Ganz und gar nicht. Dabei war ich keine schlechte Schülerin, doch vor Mathe hatte ich großen Respekt. Ziemlich großen sogar. Kündigte der Lehrer eine Mathearbeit an, lernte ich tagelang unterbrochen. Einmal habe ich sogar meine Mathebücher im Rucksack mit auf die Skipiste genommen - für das Gefühl und um mittags auf der Hütte ein wenig zu lernen. Verrückt, ich weiß. In der Nacht vor der Arbeit bekam ich grundsätzlich kein Auge zu.

Mit dem Abitur habe ich mich feierlich von der Mathematik verabschiedet. Bis sie eines Tages mit voller Wucht zurück in mein Leben drängte. Genau genommen mit der Einschulung meines Sohnes. Anfangs kam sie harmlos daher, bis zu dem einen Tag im zweiten Schuljahr, als im Hausaufgabenheft fett geschrieben und mit drei Ausrufezeichen markiert stand: Mathearbeit nächste Woche Dienstag.

Meine erste Mathearbeit als Mutter. Ich gestehe, mein Schock war um einiges größer als der meines Sohnes. Während er schon längst zum Playmobilspielen übergegangen war, blätterte ich noch durch Mathebuch und Schulheft, um abzuschätzen, was wir – ja WIR – die kommenden Tage lernen müssen. 

Meine Aufregung wuchs mit jedem Tag. Ebenso mein Wunsch, fleißig zu lernen. Etwas, das Grundschüler ziemlich uncool und vor allem ziemlich unnötig finden. Diese Diskrepanz machte mich innerlich wahnsinnig, nach außen war ich natürlich die lockere, motivierende Mutter. „Komm, lass uns noch ein bisschen lernen, macht doch auch Spaß.“ Für mich ist Lernen das beste Mittel, die Nerven zu beruhigen.

Meine Aufregung wuchs mit jedem Tag!

Die Nacht vor der Arbeit lag einer von uns beiden wach: Ich natürlich. Am Vormittag nervte ich meine Kolleginnen mit meiner Nervosität. Die nächsten Tage verbrachte ich damit, nach der Schule im Gesicht meines Kindes zu lesen und unauffällig in den Schulranzen zu schauen.

Mittlerweile haben wir ein paar Mathearbeiten hinter uns gebracht. Lieben werde ich sie wohl nie. Im Gegensatz zu meinem Sohn!

Landei goes Berlin - Seba lebt das erste Mal in der Großstadt

Hofeinfahrt eines Hauses in Kreuzberg.
privat
Seba in der Toreinfahrt seiner Wohnung in Kreuzberg. Höhere Auflösungen existierten 2002 noch nicht...

Ich bin fertig mit Zähneputzen und schaue mich im Spiegel an. „Was mach ich eigentlich hier?“ schießt es mir durch den Kopf - und ich bin kurz vorm Heulen. Es ist der Morgen des 3. Januar 2002 und ich bin zum ersten Mal wirklich weg von daheim: Drei Monate Praktikum in Berlin.

Gestern haben mich zwei Freunde mit einer Pkw-Ladung voller Habseligkeiten an die Spree gefahren. Auf dem Weg haben wir übrigens zum ersten Mal in Euro bezahlt - das war seit vorgestern möglich. Zusammen haben wir dann unsere jeweils erste Nacht in Berlin verbracht. Mittlerweile sind meine Freunde wieder weg - und ich fühle mich zum ersten Mal im Leben richtig allein.

384 Kilometer Luftlinie trennen mein Heimatdorf im hessischen Hinterland und meine Zwischenmiete-Bude, Reichenberger Straße, Berlin. Es könnten auch 384.000 Kilometer sein, das würde für mich keinen Unterschied machen. Ich möchte wieder heim, zu meinen Freunden, meiner Family und allem, was ich kenne und in knapp 20 Jahren Lebenszeit liebgewonnen habe.

Drei Monate?!? In einer Wohnung, in der man im Hocken in der Badewanne duschen muss, in einem Stadtteil, der von der Wiedervereinigung noch zu wenig hatte, in einer Stadt, die bei uns Landeiern als Sündenpfuhl gilt? Was um alles in der Welt hat mich geritten, dass ich das jetzt unbedingt angehen musste?

Es ist ein Sprung in kaltes Wasser, der mich an so vielen Stellen zu ersten Malen zwingt: In diesem ersten Quartal 2002 führe ich mein erstes Interview, wasche meine Wäsche allein, fülle den Kühlschrank. Versinke manchmal in Selbstmitleid und habe zum ersten Mal niemanden zum Anlehnen.

In Berlin dachte ich mir: Ja, das könnte das sein, was ich beruflich machen will. Also die Produktionen, nicht die Verhaftungen.

Wandere zum ersten Mal die halbe Nacht durch Berlin, weil die S-Bahnen in dieser ach so tollen Großstadt ja gar nicht rund um die Uhr fahren! Ich erlebe zum ersten Mal eine Verhaftung in Sichtweite sowie Video- und Radioproduktionen und denke mir: Ja, das könnte das sein, was ich beruflich machen will. Also die Produktionen, nicht die Verhaftungen.

Schon anderthalb Jahre später, Ende 2003, lande ich im evangelischen Medienhaus in Frankfurt. Schon wieder weg aus Mittelhessen, aber diesmal in erträglicher Entfernung. Mittlerweile weiß ich, dass meine Berlin-Erfahrungen mit dazu beigetragen haben, hier einen ordentlichen Start hinzulegen. Und auch wenn ich im Herzen nach wie vor eher Landei bin: ein ganz kleiner Teil von mir erinnert sich immer an Berlin - die große, ferne Stadt meiner ersten Male.

Das Socken-Fiasko: Carina hat ihre erste gemeinsame Wohnung mit ihrem Freund

Carina und ihr Freund Clemens in der ersten gemeinsamen Wohnung.
privat
Carina und ihr Freund Clemens in der ersten gemeinsamen Wohnung.

Nachhause kommen, Tür zu, Hausschuhe an. Nur das Sofa und ich. Ich kann gut alleine sein und so hat es mir nie etwas ausgemacht, auch alleine zu wohnen. Dann kam Clemens. Wir haben uns im Sommer kennengelernt, im Winter sind wir zusammengezogen.

Ein unschlagbares Wohnungsangebot mitten in der Bad Homburger Innenstadt hat den Prozess beschleunigt. Alles ging ganz schnell. Eine Nacht Bedenkzeit, am übernächsten Tag haben wir den Mietvertrag unterschrieben. Mit zitternden Fingern, gebe ich zu. Tue ich das Richtige? Geht das nicht etwas zu schnell? Was, wenn es nicht funktioniert? Was werden Familie und Freunde sagen? Es folgen ein paar unruhige Nächte.

Kurz vor Weihnachten ziehen wir ein. Die ersten Tage ist es etwas ungewohnt. Wir sprechen uns noch ab, wer wann ins Bad geht. Meinen Lieblings-Schlafanzug mit den Sternchen lasse ich noch in der Schublade. So ganz loslassen – das geht noch nicht.

Aber dann, schon ein paar Tage später, läuft’s. Es klappt einfach. Ohne viele Absprachen, ohne große Streitigkeiten. Okay, abgesehen von den Socken. Die lässt mein Freund nämlich liebend gerne liegen. Immer. Und überall. Täglich finde ich ein neues Exemplar. Im Flurschrank, unterm Sofa, auf der Treppe. Sie sind überall. Es macht mich rasend.

Umgekehrt tobt er, wenn ich mal wieder nicht zur Ruhe komme und wild durch die Wohnung wusele – stets auf der Suche nach neuen To-Dos: wischen, saugen, Bett beziehen. Es gibt immer was zu tun.

Spätestens beim gemeinsamen Abendessen ist unsere kleine Welt wieder in Ordnung– zumindest, bis ich auf die nächste Socke unterm Tisch trete.

Er hört beim Kochen gerne Radio, ich habe dabei lieber meine Ruhe. Er mag es, mittags warm zu essen, ich abends. Er schläft mit Fenster zu, ich habe es lieber gekippt.

Es sind Kleinigkeiten. Und immer geht es um Kompromisse, miteinander reden, zuhören, den anderen verstehen.

Und auch, wenn ich mal wieder über eine seiner dämlichen Socken stolpere, weiß ich: Ein Zurück ist keine Option. Erst heute kommt mir mein Alltag von damals einsam vor. Spätestens beim gemeinsamen Abendessen ist unsere kleine Welt wieder in Ordnung – zumindest, bis ich auf die nächste Socke unterm Tisch trete.

Work and Travel - Fynn war das erste Mal alleine im Ausland

privat
In Kanada war Fynn das erste Mal so richtig alleine im Ausland unterwegs.

Work and Travel in Kanada  - auf geht es zu neuen Ufern nach der langen Schulzeit. Also ab in den Flieger. Zehn Stunden später und 8.000 Kilometer weit entfernt von Zuhause komme ich in Vancouver an. Ich kenne hier niemanden, die Sprache reicht gerade so für das Nötigste. Im Gepäck: Viele Ängste. Wie finde ich einen Job? Wo soll ich wohnen? Wie eröffne ich ein Bankkonto? Und lerne ich überhaupt nette Menschen kennen?

Natürlich wusste ich schon vorher, was auf mich zukommen würde. Aber die Neugier ist einfach größer als die Bedenken.

In schwieriger Lage hilft nur eins: Ruhig bleiben und einen Schritt nach dem anderen gehen. Und richtig: Die Wohnung ist bald gefunden, ebenso wie ein Job. Und nette Leute lassen auch nicht lange auf sich warten. Mein Englisch wird immer besser. Ich fühle mich wohl in der anfangs so unbekannten Stadt. Nach drei Monaten aber entschließe ich mich, weiter zu ziehen. Ich möchte mir andere Städte in Kanada und dem Nachbarland USA anschauen. Es wird ein fast schon schwerer Abschied.

Was ich gelernt habe? Mit Herausforderungen umzugehen. Und ich verdanke meinem Auslandsjahr die Einsicht, dass es nicht möglich ist, alles zu planen. Manche Dinge muss man auf sich zukommen lassen. Erfahrungen kann ich nur selbst sammeln - andere Menschen können mir nur von ihren Erfahrungen erzählen.

Ich würde es jederzeit wiedermachen. Dann wäre es kein erstes Mal mehr, sondern ein zweites. Und würde sich wahrscheinlich völlig anders entwickeln.

Schneiden, bis die Finger bluten - Andrea das erste Mal an der Bandmaschine fürs Radio

Eine alte Bandmaschine von oben.
privat/Sabine Kahrstedt
Andrea musste früher noch an die Bandmaschine, um Radiotöne zu schneiden. Sie erinnert sich an ihr erstes Mal zurück...

Erster Tag beim Radio nach einem sechswöchigen Praktikum. „Kannst Du mal ein Stunden-Feature machen über Weihnachten 1946?“ Die Frage des Chefs erlaubt kein Nein. Ich schwirre ab mit dem Aufnahmegerät (für die Jüngeren: ein Kassettenrekorder) und befrage Zeitzeugen. Alle, wirklich alle, beginnen zu weinen, als sie sich an diese Zeit erinnern. Es muss schrecklich gewesen sein. Der Krieg war vorbei, Zerstörung, Hunger und Armut aber blieben.

Mit sehr viel Material und schwerem Herzen kehre ich in die Redaktion zurück. „Das ist üppig“, sagt der Chef zur Ausbeute. „Spiel mal um auf die Bandmaschine. Hier sind die Bobbys.“ So heißen die Spulen, auf die man die O-(riginal)Töne umspielt, die im professionellen Bereich verwendet werden.

Da ist kein Problem. Läuft! Und jetzt schneiden. Ritsche, ratsche: Es kommt weg, was überflüssig ist. „Jetzt hast du das B von Butter angeschnitten“, tönt es vorwurfsvoll von rechts. Die Butter brauche ich aber, mit vollem B allerdings. Denn die - wie so vieles andere - gab es in diesem Hungerwinter nicht. Wie komme ich denn jetzt wieder an diesen Hauch eines Bs? „Musste halt auf dem Boden suchen!“, sagt der Chef.

Am Ende des zweiten Tages sind meine Hände blutig.

Unter all den Schnipseln zu meinen Füßen ein angeschnittenes B herausklamüsern? Hätte ich nie gedacht, aber es funktioniert. Drankleben an den Rumpf und weiter geht’s. Der Berg zu meinen Füßen wächst und wächst. Das erzeugt ein unglaubliches Hochgefühl.

Im digitalen Zeitalter kann sich das wahrscheinlich niemand mehr vorstellen. Am Ende des zweiten Tages sind meine Hände blutig und die Töne rein. Schneiden kann ich jetzt, Winziges wiederfinden und fein kleben auch. Das Feature wird mir immer in Erinnerung bleiben – nicht nur deswegen.

Was sind deine Erinnerungen an erste Male?

Das erste Mal ist immer etwas Besonderes. Wann hast du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal getan? Was sind deine Erinnerungen daran? 🖋 Wir freuen uns über deine Erfahrungen. Schreibe uns gerne über unsere Social-Media-Kanäle auf

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