Gesellschaft

Handbike fahren: Lucas macht Radsport mit den Armen

Im Rollstuhl zum Radrennen?
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Tempo, Technik, Leidenschaft: All das ist Handbike fahren. Lucas fährt seit vielen Jahren wieder ein Rennen. Mit Muskelkraft und Ehrgeiz kämpft er sich ins Ziel.

⬆️ Die erste Folge von „Wheel Life“ geht am 14. April um 18 Uhr online. Du kannst sie auf YouTube und direkt hier auf der Website anschauen – und Lucas dabei begleiten, wie er nach Jahren wieder an den Start eines Handbike-Rennens geht. ⬆️

Lucas pumpt noch schnell die drei Reifen seines Handbikes auf und zieht sich fix sein Rennshirt an. Der Start des Handbike-Rennens in Tübingen steht kurz bevor. Für die Web-Serie „Wheel Life“ geht Lucas zum ersten Mal seit einigen Jahren wieder bei einem Rennen an den Start.  

Auf YouTube zeigt Lucas, wie sein Alltag im Rollstuhl wirklich aussieht. In mehreren Folgen begleitet dich „Wheel Life“ durch seinen Alltag – von Mobilität bis Freizeit. Die erste Folge in Tübingen zeigt, welche Rolle Sport, Community und Selbstbestimmung spielen.

Ich bin wirklich gespannt und habe auch ein bisschen Bammel“, sagt er. „Eigentlich habe ich heute schon gewonnen, einfach dadurch, dass ich hier bin und dass ich wieder mitfahren kann.“

Lucas auf seinem Handbike in Rennmontur
indeon.de/Wheel Life
Beim Handbike-Sport werden dreirädrige Fahrräder mittels Handkurbeln angetrieben, gelenkt und gebremst.

In seinem Handbike liegt Lucas Zehnle ziemlich dicht über der Straße, wodurch er deutlich windschnittiger unterwegs ist als Fahrer eines klassischen Fahrrads. All das, was beim Fahrrad im hinteren Bereich verbaut ist, befindet sich beim Handbike vorne – inklusive Lenkung. 

Lucas Handbike steht im Garten. Es hat einen orangenen Rahmen.
indeon.de/Wheel Life

Das Bike hat eine Schaltung mit 27 Gängen, zwei Bremsen und eine Kurbel, mit der Lucas Gas gibt. „Ich habe beim Fahrrad natürlich den größeren Muskel zur Verfügung. Hier strample ich mich mit den Armen ab“, erklärt er. 

Lucas ist ein „richtiger Geschwindigkeitsjunkie“, gibt er zu. „Ich liebe Motorsport. Ich würde am liebsten jede Achterbahn fahren.“ Beim Handbiken gelte natürlich auch: Wer bremst, verliert. 

Was kostet ein Handbike?

Für die Rennen nutzt Lucas ein eigenes Renn-Handbike. Die Kosten dafür liegen bei rund 10.000 Euro. Die Anschaffung hat er selbst gezahlt, denn die Krankenkassen übernehmen meist nur Modelle für den Alltag

Mit einem zusätzlichen Vorderrad kann er seinen Rollstuhl in wenigen Griffen umrüsten. So bleibt er auch im Alltag flexibel und kann beispielsweise einkaufen fahren. 

Handbike fahren lernen: So gelingt der Einstieg

Lucas hat hier drei wichtige Tipps, wie du auch einmal Handbike ausprobieren kannst: 

  • Wende dich an die örtliche Krankenkasse.
  • Suche nach dem nächsten Rollstuhlsportverein in deiner Nähe.
  • Frage bei den Kliniken der Berufsgenossenschaften nach. Diese sind gut mit Rollstuhlsportarten vernetzt. 

Handbike-Rennen in Tübingen: Lucas gibt Vollgas

Geschichte des Handbikes

Handbikes sind übrigens viel älter als das zweirädrige Fahrrad. Bereits um 1655 entwickelte Stephan Farfler eine erste Version in Nürnberg. Das klassische Fahrrad, wie wir es heute kennen, kam erst im 19. Jahrhundert auf.

Am Morgen des 21. Septembers lädt Lucas das Handbike ins Auto und fährt nach Tübingen. Dort bereitet sich die Stadt auf die BG Handbike Challenge vor. Bereits zum achten Mal findet sie im Rahmen des Erbelaufs statt. 

32 Teilnehmende gehen in diesem Jahr an den Start - so viele wie noch nie. Lucas ist einer von ihnen. Vier Kilometer geht es durch enge Gassen, Kopfsteinpflaster, Kurven

Kurz vor dem Start steigt die Spannung. „Die Stimmung hier ist echt mega familiär“, sagt Lucas. „Das ist wie ein großes Wiedersehen.“ Entlang der Strecke stehen Zuschauende - sie klatschen, rufen, feuern an. Unter den Teilnehmenden sind Breitensportler, aber auch ehemalige Nationalspieler und erfahrene Para-Athleten, wie Johannes Hänle. Er ist einer der stärksten Fahrer im Feld, zuletzt Fünfter bei der Para-Radsport-WM. 

Die 32 Teilnehmenden an der Startlinie, vor ihnen ein blaues Maskottchen, am Rand Zuschauer.
indeon.de/Wheel Life

Um 10 Uhr fällt der Startschuss. Lucas beschleunigt, überholt die ersten Kontrahenten und findet seinen Rhythmus auf dem Tübinger Asphalt. Zwischen Tempo und Erschöpfung kippt für ihn das Rennen kurz: Zur Hälfte denkt er, der Akku sei leer, das Rennen vorbei. Doch er fährt weiter. Zieht durch, bis ins Ziel. „Dass ich das durchgezogen habe, war schon richtig gut“, sagt er später.  

Die BG Handbike Challenge versteht sich nicht nur als sportlicher Wettbewerb. Sie will zeigen, was möglich ist und was oft übersehen wird: Teilhabe durch Bewegung, durch Sport, durch Gemeinschaft. Für Lucas steht nach diesem Tag fest: Das war nicht das letzte Rennen.

Parasport: Kann man vom Handbike leben?

Johannes im Gespräch mit Lucas nach seinem Sieg.
indeon.de/Wheel Life
Johannes Hänle gehört zum Team Deutschland im Para-Radsport.

Die Begeisterung für den Sport ist groß, die Bedingungen sind schwierig. Johannes Hänle hat das Rennen gewonnen und betreibt Handbiken als Leistungssport. Bei der Para-Radsport-Weltmeisterschaft belegte er im Zeitfahren Platz fünf. Vom Sport allein leben kann er trotzdem nicht. Neben einem Vollzeitjob trainiert er bis zu 15 Stunden pro Woche. Leistungssport, organisiert im Alltag. „Das ist durchaus hart“, sagt er.

Finanziell bleibt der Spielraum eng: Wer es in einen WM-Kader schafft, kann mit rund 700 Euro monatlicher Förderung rechnen.

Kurz vor den Winter-Paralympics machten 196 deutsche Para-Athletinnen und Athleten öffentlich Druck. In einer gemeinsamen Erklärung fordern sie mehr Unterstützung und verlässliche Strukturen. Ihr Ziel: mindestens 200 Förderplätze. Aktuell gibt es laut der Athletenvertretung „Athleten Deutschland“ 168 solcher Stellen – bei gleichzeitig rund 200 deutschen Teilnehmenden an Sommer- und Winter-Paralympics.

Die Lücke zwischen Leistung und Absicherung bleibt. Und mit ihr die Frage: Wie viel ist paralympischer Sport der Gesellschaft wert?

Lucas auf einer Rennstrecke - er trainiert für das Rennen.
indeon.de/Wheel Life
Lucas beim Training

Handbike-Community: Mehr als nur Sport

Lucas fühlt sich beim Handbiken als „Teil einer Community“. Sein Renn-Fazit: „Wenn ich hier bestehen kann, dann schaffe ich auch die anderen Herausforderungen des Alltags. Der Radsport gehört zu mir. Er gibt meinem Leben Struktur.“ 

Welcher Moment aus Folge 1 unserer Serie „Wheel Life“ ist dir in Erinnerung geblieben? Jeden Dienstag erscheint eine neue Episode auf unserem YouTube-Kanal. Wir freuen uns über deine Eindrücke und Gedanken - gerne auch in unseren Social-Media-Kanälen:

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„Wheel Life“ ist eine sechsteilige Web-Serie von indeon.de über Lucas' Alltag im Rollstuhl – mit neuen Folgen jeden Dienstag. Viel Spaß beim Zuschauen.