Gesellschaft

Kryokonservierung: 200.000 Euro gegen den Tod

Stahltanks zur Lagerung der Verstorbenen
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Ein Toter erwacht wieder zum Leben: Was Jesus vor 2000 Jahren geschafft hat, soll künftig jedem möglich sein. Das verspricht zumindest ein Berliner Start-up.

Es wirkt wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film. In einer unterirdischen Anlage in der Schweiz stehen riesige Stahltanks mit flüssigem Stickstoff. Bei Minus 196 Grad Celsius warten dort etwa 30 menschliche Körper darauf, eines Tages wiederbelebt zu werden.

Berliner Start-up will den Tod überwinden

Kryokonservierung (von altgriechisch krýos = Kälte und lateinisch conservare = bewahren) nennt sich dieses Verfahren, das die Berliner Firma Tomorrow Biostasis als einziges Unternehmen in Deutschland anbietet.

Die Idee dahinter: Krankheiten, die heute noch ein Todesurteil sind, könnten irgendwann geheilt werden. Bis es soweit ist, lässt man sich einfrieren. Wobei es „einfrieren” nicht ganz trifft, erklärt Firmenchef Emil Kendziorra: 

Wir wollen unter allen Umständen verhindern, dass sich Eiskristalle bilden.

Denn dadurch könnte das Gewebe Schaden nehmen.

Medizinisches Personal in Schutzanzügen
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Das medizinische Team muss sich schnell um die Verstorbenen kümmern

So funktioniert die Kryokonservierung

Für die Kryokonservierung wird der Körper nach dem rechtlich festgestellten Tod möglichst schnell gekühlt, um biologische Abbauprozesse zu verlangsamen. Anschließend werden Blut und Körperflüssigkeiten weitgehend durch eine Art Frostschutzmittel ersetzt. Das soll die Bildung von Eiskristallen verhindern. 

Danach wird der Körper schrittweise auf etwa −196 °C abgekühlt und in flüssigem Stickstoff langfristig gelagert. ABER: Eine Wiederbelebung kryokonservierter Menschen ist nach heutigem Stand der Medizin nicht möglich. 

Die Firma von Emil Kendziorra, der früher in der Krebsforschung gearbeitet hat, will das ändern. Das Ganze ist eine Art wissenschaftliches Experiment, für das man der Firma seinen toten Körper zur Verfügung stellt.

Emil Kendziorra forscht zur Kryokonservierung
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Emil Kendziorra forscht zur Kryokonservierung

Kryo statt Krematorium 

Für Kendziorra ist es eine Wette auf die Zukunft, deren Gewinnchancen zumindest höher als Null sind. „Wenn du dich nach deinem Tod kremieren lässt, ist die Chance definitiv geringer.”

Etwa 1000 Kunden, die sich bei seiner Firma kryokonservieren lassen wollen, sehen das auch so. Rund 30 Menschen haben Tatsachen geschaffen und lagern bereits tiefgefroren in einem Stahltank.

Stahltank für die Kryokonservierung
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Stahltank für die Kryokonservierung

Kryokonservierung kostet rund 200.000 Euro

Eine Kryokonservierung kostet die Kunden etwa 200.000 Euro. Meistens finanzieren sie diesen Betrag über eine Lebensversicherung, erklärt Emil Kendziorra. Der Wissenschaftler betont aber, dass es nicht am Geld scheitern soll. Deshalb kann der Betrag, je nach Finanzsituation, deutlich reduziert werden.

Anders als man vielleicht denkt, sind die Kunden also keine superreichen Freaks, sondern ziemlich normale Leute.

Warum Alexander länger leben will

Alexander Tietz-Latza zum Beispiel, 45, Jurist, Frohnatur. Auf die Frage, warum er sich kryokonservieren lassen will, antwortet er schlicht: 

Ich lebe einfach sehr, sehr gerne!

Alexander wünscht sich mehr Lebenszeit. Zeit für Karneval, Freunde, Ehemann, Beruf. Geprägt hat ihn auch der frühe Verlust seines Vaters. Er ist mit Ende 40 gestorben. Alexander war damals 12 Jahre alt. Deshalb hat er sich schon früh mit dem eigenen Tod auseinandergesetzt. Etwas, das in unserer Gesellschaft viel zu wenig gemacht wird, findet er.

Irgendwann hat er beschlossen, dass die Kryokonservierung die Antwort auf seine Fragen bietet. Und damit ist er nicht allein in seinem Umfeld:

Mein bester Freund will sich kryokonservieren lassen und meine 106-jährige Großmutter auch!

Neugier auf die Zukunft 

Alexander will sich nicht mit der eigenen Vergänglichkeit abfinden. 

Was ihn antreibt, ist aber vor allem die Neugier auf die Zukunft. Er hofft, dass es irgendwann möglich ist, wiederbelebt zu werden und dass er sich dann – in dieser nahen oder fernen Zukunft – zurechtfinden wird.

So wie andere auf ein ewiges Leben im Himmel hoffen, setzt er seine Hoffnung auf die Wissenschaft. Er will nicht akzeptieren, dass das Leben endlich ist.

Der Tod schränkt meine Freiheit ein!

Würdest du dich kryokonservieren lassen? Was hältst du von der Methode? 

Um das Thema Kryokonservierung geht es auch in der ersten Folge des fünfteiligen Podcasts „Geheimnisse der Unsterblichkeit“.