Alles beginnt auf einer LAN-Party. Gabriel ist 14, zockt mit Freunden – dann zeigt ihm jemand einen Porno. Es löst etwas aus, das ihn acht Jahre lang nicht mehr loslässt.
Die Videos stillen ein inneres Bedürfnis – und Gabriel kann nicht mehr aufhören. Oft schaut er stundenlang, immer auf der Suche nach dem nächsten Kick, der perfekteren Szene.
Heute weiß er: Pornografie wirkt auf zwei Ebenen. Zum einen körperlich – sie aktiviert das Belohnungssystem und verstärkt den Wunsch nach Wiederholung. Entscheidender ist für ihn jedoch die psychische Wirkung.
Pornos vermitteln ihm eine Welt, in der er begehrt wird, in der alles funktioniert. Es geht um mehr als Befriedigung – es geht um das Gefühl, wertvoll zu sein.
„In Pornos war ich jemand. Da läuft eine Geschichte ab, in der ich der Held bin.“
Diese inneren „Skripte“ prägen sich ein. Ein Grund, warum er immer weiterschaut. Gleichzeitig wächst die Scham – mit jedem Video.
Während er als Jugendreferent von Gott und erfüllter Sexualität spricht, konsumiert er weiter Pornografie.
Ich habe ein Doppelleben geführt
erzählt Gabriel im Podcast HOFFNUNGSMENSCH. Auch nach seiner Hochzeit hält er daran fest.
„Meine Frau hat gemerkt, dass etwas nicht stimmt, und mich darauf angesprochen – ich habe sie jedes Mal angelogen.“
In der Beratung geht es Gabriel nicht zuerst um Verbote, sondern um Verstehen:
Warum greife ich zu Pornografie – was suche ich dahinter?
Er will Räume schaffen, in denen Menschen offen sprechen können – ohne Bewertung. Denn Veränderung beginnt selten mit Druck, sondern mit Ehrlichkeit.
Diese Offenheit fehlt oft schon viel früher. Nicht nur bei Pornografie, sondern generell, wenn es um Sexualität geht.
Viele junge Menschen werden mit Inhalten konfrontiert, haben aber keine Sprache dafür. Sie wissen vieles, können es aber nicht einordnen.
Kinder sollten auch beim Thema Sexualität Fragen stellen dürfen – und ehrliche, altersgerechte Antworten bekommen. Deshalb spricht Gabriel offen mit seinen eigenen Kindern, um eine gute Grundlage zu legen.
Dabei erlebt er, wie Vertrauen wächst. Dieses Vertrauen entscheidet später, ob Jugendliche auch schwierige Themen ansprechen.
Kinder, die ihren Körper kennen und ihre Grenzen benennen können, sind besser vor sexualisierter Gewalt geschützt. Sie können ausdrücken, was ihnen unangenehm ist – und holen sich eher Hilfe.
Für Gabriel beginnt Prävention deshalb ganz praktisch: mit Aufklärung im Alltag.
Auch im Glauben plädiert Gabriel für eine neue Perspektive.
Oft werde Sexualität vor allem mit Regeln verbunden. Viele junge Menschen kennen die Warnungen – aber ihnen fehlt eine positive Orientierung.
„Die sehen die Warnschilder – aber wissen nicht, wohin.“
Ein Beispiel ist die sogenannte „Purity Culture“, die vor allem in den USA viele geprägt hat: Enthaltsamkeit bis zur Ehe als Ideal. Für Gabriel steckt darin ein nachvollziehbarer Schutzgedanke.
Gleichzeitig habe diese Haltung oft Druck erzeugt. Sexualität werde schnell mit Schuld verknüpft – mit Folgen bis ins Erwachsenenleben.
Für ihn geht es deshalb nicht zuerst um Grenzen, sondern um eine Vision:
Wie sehen gute Beziehungen aus? Was macht Sexualität aus, wenn sie von Vertrauen getragen ist?
Denn eines ist ihm wichtig:
„Lustloser Sex ist kein biblisches Konzept. Sex ist ein göttliches Geschenk.“