von Dominik Mildner
Wer das Café Klostergarten der Caritas in Bensheim betritt, steht nicht in einem klassischen Veranstaltungsraum. Es ist ein Ort mit einer kleinen Bar, gemütlichen Hockern in einer Sitzecke und mehreren Tischgruppen. Und genau hier spielt in der Diskutier-Bar die Musik.
Die Idee der Diskutier-Bar ist schnell erklärt: Menschen kommen in moderierten Tischrunden zusammen, bringen Themen mit und entscheiden gemeinsam, worüber gesprochen wird. „Wir haben das so geplant, dass pro Tisch ein Thema diskutiert wird“, erklärt Anne Meilicke vom Verein „Fabian Salars Erbe“, einem der Kooperationspartner hinter dem Projekt. Wer möchte, kann auch den Tisch wechseln, etwa „wenn ein Gespräch langweilig wird.“
Hinter dem Format steht eine größere Frage: Wie wollen wir künftig gemeinsam leben und wie gelingt ein Gespräch in einer Zeit, in der viele Diskussionen online stattfinden und schnell polarisieren? Die Diskutier-Bar versteht sich dazu als Gegenentwurf: „Gib Bots und Algorithmen keine Chance – rede mit Menschen!“, heißt es im Konzept.
Vorbild für das Format ist die Kampagne #VerständigungsOrte der EKD, die Dialogmöglichkeiten schaffen will, um sich über gesellschaftliche Krisen und Konflikte auszutauschen. Sie zielt darauf ab, eine breite Bewegung anzustoßen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Laut einer Studie von midi, der Zukunftswerkstatt von Diakonie und evangelischer Kirche, nehmen 80 Prozent der Menschen in Deutschland eine gesellschaftliche Spaltung wahr, gleichzeitig ist nur knapp die Hälfte mit der Demokratie zufrieden. Das Format will keinen direkten Gegenbeweis liefern, aber einen Raum öffnen, in dem wieder gesprochen statt kommentiert wird.