Gegen Hass und Hetze

Tipps: Wie gehe ich mit Rechtspopulisten um?

Deine Strategie gegen rechte Sprüche
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Deine Strategie gegen rechte Sprüche

Mit Hass und Hetze möchten rechtspopulistische Menschen kulturelle Veränderungen stoppen. Aber wie begegne ich Rechtspopulisten und Rechtspopulistinnen? Und wie entlarve ich deren falsche Behauptungen?

Hörst du auch hin und wieder sexistische, rassistische oder einfach nur menschenverachtende Aussagen? Und du willst nicht einfach nur schweigend dastehen und dich insgeheim ärgern?

Hier habe ich Tipps für dich, wie du auf Stammtischsprüche reagieren kannst. Dazu habe ich mit Matthias Blöser gesprochen. Er ist Fachmann, wenn es um den Umgang mit Rechtspopulisten und Rechtspopulistinnen geht und arbeitet im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Rechtspopulismus?

Rechtspopulismus bezeichnet eine politische Strategie, die autoritäre Vorstellungen vertritt und rassistische Vorurteile ausnutzt. Rechtspopulistinnen und Rechtspopulisten machen häufig eine sogenannte korrupte Elite für politische und gesellschaftliche Probleme verantwortlich.

Dort leitet er Projekte rund um die Themen Demokratie und Vielfalt. In seiner Arbeit beschäftigt er sich intensiv mit Rechtsextremismus und Rechtspopulismus.

Typische Aussagen - und wie du darauf am besten reagierst: 

„Als Frau kann ich nachts nicht mehr auf die Straße gehen!“. Dieser Satz fällt nicht erst nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015 in Köln. Nicht direkt ausgesprochen, aber darauf angespielt wird dabei, dass Menschen mit Migrationshintergrund eine nächtliche Bedrohung für Frauen darstellten. „Die Täter damals in Köln waren junge Männer vornehmlich aus dem nordafrikaischen und arabischen Raum", erklärt Blöser. 

Sein Antwort-Tipp: "Hier würde ich respektvoll nachfragen, warum und seit wann dieses Gefühl besteht. Welche Unterstützung die Person sich wünscht. Wenn wir befreundet sind, kann ich vorschlagen, gemeinsam an als gefährlich wahrgenommene Orte zu gehen. Die Frage ist, ob es sich um eine diffuse Angst oder begründete Vorsicht aufgrund einer selbst gemachten Erfahrung handelt. Jede Frau hat das Recht auf Schutz vor Sexismus. Wenn wir das Problem jedoch diskriminierend auf eine Gruppe reduzieren, anstatt es umfassend zu analysieren, finden wir keine Lösung. Sollte rassistisch argumentiert werden, dass die Bedrohung ausschließlich von "den Flüchtlingen" oder "den Migranten" ausgehe, weise ich darauf hin, dass wir als Gesellschaft gegen jede Form von Frauenverachtung, Diskriminierung und sexualisierter Gewalt kämpfen müssen."

privat
Matthias Blöser vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung (ZGV)

„Man weiß ja nicht, was ein Moslem wirklich will!“ Bei diesem Satz spielen Rechtspopulisten und Rechtspopulistinnen, so Blöser, auf terroristische Anschläge Mitte der 2010er in Deutschland und weltweit an, die von Personen verübt wurden, die der terroristischen Miliz Islamischer Staat (IS) angehörten oder mit ihnen sympathisierten.

Sein Antwort-Tipp: "Ich kann eine Gegenfrage stellen: Von wem wissen wir ohne Gespräch, was er oder sie will? "Ein Moslem" an sich ist eine Kategorisierung, die mit Stereotypen und oft Abwertung einher geht. Ich kann fragen: Wie hört es sich für dich an, wenn ich sage "Man weiß ja nicht, was ein Christ wirklich will" oder "Man weiß ja nicht, was eine Atheistin wirklich will?". Es ist interessant, darauf zu achten, welchem Menschen Individualität zugestanden wird und wer in eine Gruppenidentität gesteckt wird, ohne zu fragen, ob diese Person sich selbst überhaupt so sieht."

„Wir sind die neuen Juden. Die Angriffe sind wie die 'Reichskristallnacht' gewesen.“  Rechtspopulisten und Rechtspopulistinnen gerieren sich oftmals als Opfer, wie beispielweise Heinz-Christian Strache, ehemaliger Parteivorsitzender der rechtspopulistischen Partei FPÖ in Österreich. Er verglich sich 2012 mit Opfern der Nationalsozialisten. Von ihm stammt das obige Zitat.  Rechtspopulisten würden sich so mit ermordeten Juden während des Zweiten Weltkriegs auf eine Stufe stellen und diese Verbrechen verharmlosen, kritisiert Blöser.

Sein Antwort-Tipp: "Wer eine solche Aussage trifft, muss sich seines Antisemitismus bewusst sein. Wer dies nicht wahrhaben will, muss klar in die Schranken gewiesen werden. Wenn sich auf eine vermeintliche verwehrte Meinungsfreiheit bezogen wird, würde ich klarstellen, dass Meinungsfreiheit zunächst ein Freiheitsrecht gegenüber dem Staat ist. Sie bedeutet nicht, dass ich antisemitische oder sonstige menschenverachtende Aussagen treffen kann, ohne dafür kritisiert zu werden." 

Welche Aussagen wirklich überzeugte Weltbilder rechtspopulistischer Menschen wiedergeben und welche gelogen sind, um andere bewusst zu manipulieren, ist dabei nicht immer klar. Blöser meint dazu:Beides ist problematisch für die Demokratie, da sie ein gemeinsames Verständnis von Fakten und Realität benötigt, über die man politisch streiten kann.“                                  

Vetreter von Kirchengemeinden sind zum Gespräch mit "Querdenkern" bereit - aber die Atmosphäre ist frostig.
Dagmar Jährling
Auf "Querdenker-Demos" tauchen häufig Menschen mit rechtspopulistischen Ansichten auf.

Grundlegende Tipps:

Begegnest du jemanden, der diskriminierende Dinge sagt, ist es außerdem wichtig, auf Augenhöhe mit der Person zu sein: „Zeig eine klare Haltung, aber verurteile die Person für ihre Aussage nicht.“

Und auch ein Perspektivwechsel ist hilfreich: „Hinterfrage die Person, die rechtspopulistisch ist. Ob sie negative Erfahrungen mit Menschen anderer Herkunft, Orientierung oder Kultur gemacht hat. Diskutiere mit ihr, aber bleibe vor allem freundlich."

Fange als Erstes bei Dir selbst an

Matthias Blöser findet, dass alle Menschen, unabhängig davon, welcher politischen Richtung sie angehören, ihre eigenen Einstellungen hinterfragen sollten:

Als Staatsbürger und Staatsbürgerinnen müssen wir uns an die eigene Nase fassen und schauen, wo wir selbst eigentlich Vorurteile haben. Denn die hat jeder von uns. Wir brauchen sie vielleicht auch ein Stück weit, um uns in einer komplexen Welt zu orientieren. Deshalb ist auch der Rechtspopulismus Teil der Demokratie und Teil der Auseinandersetzung. Aber wir müssen genau schauen und differenzieren, wo eine Grenze überschritten wird und wo es tatsächlich antidemokratisch und menschenverachtend wird. So kommen wir hoffentlich alle in eine couragierte, gerechtere Gesellschaft.“