Vorsätze

Mein Vorsatz: Hündin Annie wird selbstbewusst

privat

Vorsätze sind blöd. Hält eh niemand. Aber jetzt habe ich mir doch etwas vorgenommen. Daran ist Corona schuld. Zumindest teilweise.

Was hatte ich mir noch mal vorgenommen für 2020? Weiß ich nicht mehr, ist auch egal. Es kam eh alles anders. Seit dem 16. März sitze ich im Homeoffice.

Urlaube, Feste, Vergnügungen aller Art sind abgesagt. Wir entschleunigen uns. Macht nix, Hauptsache Bewegung! Dafür sorgt schon unser Hund Johnny, drei Mal am Tag raus bei Wind und Wetter.

Er entpuppt sich als Lebensversicherung.


Doch dann stirbt Johnny – im Herbst, an einem Tumor, nicht operabel. Es folgt der Corona-Blues. Trübe Gedanken, keinen Schritt vor die Tür, komplette Lustlosigkeit.

Ein neuer Hund muss her. Einer, der raus sollte aus seinem tristen Dasein. Bald ist er beziehungsweise sie gefunden: eine Pudelmix-Dame aus dem Tierschutz in Ungarn.

Lücke im Zaun, weg ist sie

Annie kommt an einem Sonntag im November zu uns. Total verängstigt, anfassen lässt sie sich nicht, flieht in die äußerste Ecke. Draußen windet sie sich aus dem Halsband, findet eine Lücke im Zaun und ist weg.

Nach einem Tag erscheint sie auf unserer Terrasse, traut sich aber nicht ins Haus, liegt halb draußen, halb drinnen. Wir schlafen abwechselnd auf der Couch im Wohnzimmer, um Annie zu signalisieren: Wir sind da.

Das Revier bleibt der Garten

Dann lege ich eine Spur von Hühnerbrustwürfelchen bis in die Küche. Das ist so verführerisch, dass sich der Hund immer weiter vorschleckt. Mein Mann schließt die Terrassentür, Annie ist drin. Und jetzt?

Das Geschirr lässt sie sich nicht umlegen. Tüten von Leckerlis wandern in ihren Bauch. Drei Tage später ist es so weit: das Sicherheitsgeschirr sitzt. Unser Revier für die nächsten zwei Wochen: der Garten. Wir drehen Runde um Runde auf dem Rasen.

Inzwischen gehen wir richtig Gassi. Allerdings hat Annie vor allem Angst. Fahrräder, Autos, S-Bahn, andere Menschen, Regenschirme – alles gefährlich.

Das wird schon

Das sagen alle, auch die, die etwas davon verstehen. Deutliches Zeichen: Sie liegt immer eng bei uns, lässt sich ausgiebig streicheln.

Mein Projekt für 2021 (und vielleicht auch für 2022 und 2023 gleich mit): Annie soll ein Hund werden mit einem gesunden Selbstbewusstsein, freundlich zu allen und vor allem zu sich selbst.