Filmtipp aus der Medienzentrale

Filmtipp: „Timbuktu“ zeigt Gewalt in Mali

Der malische Regisseur Abderrahman Sissako zeigt in „Timbuktu“, was es heißt, der Macht von Terroristen ausgeliefert zu sein.
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Der malische Regisseur Abderrahman Sissako zeigt in „Timbuktu“, was es heißt, der Macht von Terroristen ausgeliefert zu sein.

Die Gefahr durch Terrorismus ist real. Das zeigt der Film „Timbuktu“ und bekommt durch die aktuelle Entwicklung in Afrika erneut Brisanz.

Mali erlebt seit Jahren immer wieder Gewalt und Anschläge. Terror-Gruppen und Menschenrechtsverletzungen gehören zur Tagesordnung. Die schlechte Sicherheitslage bedroht die Menschen vor Ort.

Der Spielfilm „Timbuktu“ von Abderrahman Sissako aus dem Jahr 2014 zeigt die Besetzung von Timbuktu durch die Terror-Gruppe Ansar Dine. Gerade vor dem Hintergrund des Rückzugs aus Afghanistan und einem Abzug internationaler Militärkräfte  aus Mali ein erschreckender und aktueller Film. 

Islamistischer Terror in Afrika

Bewaffnete Männer betreten zielstrebig die Moschee. Ruhig fragt der Imam: „Was führt euch hierher?“ „Wir haben Neuigkeiten“, ist die knappe Antwort. „Man betritt das Haus Gottes nicht mit Schuhen und Waffen, das ist nicht gut“, erklärt der Imam.

Wir können das. Wir machen den Dschihad.

„Und den wollt ihr hier machen, im Haus Gottes?

Wo liegt Timbuktu? Was ist Mali für ein Land?

Timbuktu ist eine Stadt in Mali. Sie liegt am Rande der Sahara im Westen Afrikas. Seit 2013 sind Soldat:innen der UN und der EU in Mali im Einsatz. Dort werden Angehörige der Streitkräfte ausgebildet, auch von der deutschen Bundeswehr. In der Region sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv. Einige von ihnen gehören zu den Terrorgruppen sogenannter Islamischer Staat (IS) oder Al-Kaida. Frankreich und weitere Partner wollen im Februar 2022 ihre Truppen abziehen, Deutschland entscheidet im Mai über den Bundeswehreinsatz in Mali.

In Timbuktu gilt, wer sich seiner Religion hingibt, macht das mit dem Kopf, nicht mit den Waffen“, kontert der Imam gelassen und bittet die Männer hinauszugehen. Für den Moment ist der Frieden gewahrt, die Männer verlassen die Moschee.

Doch diese Szene relativ am Anfang des Films lässt erahnen, dass dies nicht von Dauer sein wird.

Szenenwechsel: Amadou, der Fischer, wirft Netze aus, Kidane trinkt mit seiner Frau Satima und Tochter Toya im Beduinenzelt Tee – beschauliches Tagwerk rund um Timbuktu.

Mit den Dschihadisten kommen jedoch die Gewalt und die Angst in die Stadt. Plötzlich patrouillieren Männer mit Gewehren die Gassen, per Megafon werden die neuesten Verbote lautstark verkündet.

  • Kleidungsvorschriften für Frauen,
  • kein Fußball,
  • keine Musik,
  • kein Aufenthalt vor den Häusern.

Die Liste wird immer länger. Wer dagegen verstößt, dem drohen strenge Strafen, die gnadenlos ausgeführt werden.

Film-Infos: Timbuktu

Spielfilm

Regie: Abderrahman Sissako

Drehort: Frankreich 2014

Länge: 96 Minuten

Mehr Infos zu Timbuktu auf der Website von trigon-film

Auspeitschungen, Steinigungen als Spektakel. Doch die Menschen wehren sich, entlarven die Dschihadisten an vielen Stellen in ihrem scheinheiligen Gehabe. So sind Zigaretten verboten, aber jeder weiß, dass Abdelkrim, einer der Anführer, heimlich raucht. Und was sollen bei einer Fischverkäuferin wollene Handschuhe, die sie ihre Arbeit nicht ordentlich verrichten lassen?

Dschihadisten sind auch Menschen

Allerdings zeichnet Abderrahman Sissako die Dschihadisten nicht nur als eindimensionale Figuren, sondern lässt auch hier die Menschen in ihrer Komplexität erkennen. 

Das gewalttätige Klima breitet sich aus und macht selbst vor der gottesfürchtigen Hirtenfamilie keinen Halt.

Auf eine Tötung folgt im Dschihad die Hinrichtung.
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Kidane tötet bei einem Streit aus Versehen den Fischer Amadou. Er wird festgenommen und zum Tode verurteilt. Satima kommt kurz vor der Hinrichtung herbeigerannt, will zu ihrem Mann. Im entstehenden Tumult schießen die Dschihadisten, getroffen stürzen beide, im Tode vereint, in den Sand. 

Einer der bedeutendsten Filme des 21. Jahrhunderts

Auszeichnungen für Film „Timbuktu“

„Timbuktu“ hat zahlreiche Auszeichnungen gewonnen – unter anderem bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes und dem César Filmpreis. Bei einer Umfrage der BBC zu den 100 bedeutendsten Filmen des 21. Jahrhunderts belegte „Timbuktu“ Platz 36. 

Abderrahman Sissako hat einen poetischen Film voller großartiger Bilder und bewegender Musikakzente geschaffen. Der Sand mit seinen Farbschattierungen, die ockerfarbenen Lehmgebäude Timbuktus mit ihrer eigenen Architektur und in den Hügeln der Wüste, die Hirtenfamilie in ihrem einladenden Zelt.

Nuanciert entwickelt der Regisseur eine Geschichte von Gewalt und Widerstand mit starken Frauenfiguren. „Die Sprache der Bilder selbst wird zu einer Form des Widerstands“, schreibt die Jury der Evangelischen Filmarbeit in ihrer Begründung für die Auswahl zum Film des Monats im Dezember 2014.

„Wo fundamentalistische Herrschaft das Leben zu ersticken droht, da wird die Phantasie zu einer Quelle, die das Recht und die Vielfalt des Lebens verteidigt. Prägnante Dialoge und das ausdrucksvolle Mienenspiel der Schauspieler machen 'Timbuktu' zu einem eindrücklichen Dokument der Auseinandersetzung zwischen regionalen Kulturen und bewaffnetem Terror“, heißt es weiter.

„Timbuktu“ in der Evangelischen Medienzentrale Frankfurt ausleihen oder streamen

Du kannst den Film unter der Nummer DVD1279 in der Evangelischen Medienzentrale ausleihen. Du erreichst die Kolleg:innen unter dispo@medienzentrale-ekhn.de oder telefonisch unter 069/92107-100.

Öffnungszeiten: Mo, Di, Do von 9-12 Uhr und 13-16 Uhr

Du kannst die Filme aus der Medienzentrale auch online im Medienportal streamen.

Dieser Tipp ist Teil einer Kooperation zwischen der Evangelischen Medienzentrale Frankfurt und indeon.de

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