1.000 Todestag von Erkanbald

Mainzer Erzbischof hatte kaputte Wirbelsäule

Wissenschaftler:innen rund um das Grab
EKHN/Volker Rahn

2019 war ein Sarkophag in der St. Johanniskirche in Mainz geöffnet worden. Nach einem halben Jahr Forschung war klar: In ihm liegt Erzbischof Erkanbald. Inzwischen wissen wir: Der arme Bischof hatte Rückenschmerzen und Fußgicht.

Der vor 1.000 Jahren in einem Sarkophag in der Johanniskirche bestattete Mainzer Erzbischof Erkanbald baute während seiner Amtszeit offenbar gleichzeitig an zwei Mainzer Domkirchen.

Neue bauhistorische Untersuchungen in der heute evangelischen Johanniskirche hätten gezeigt, dass deren Ostchor zu Lebzeiten Erkanbalds erheblich umgestaltet worden sei, sagte der wissenschaftliche Forschungsleiter Guido Faccani am Donnerstag in Mainz. Der Erzbischof, über dessen letzte Ruhestätte bis zu einer spektakulären Sarkophag-Öffnung im Sommer 2019 spekuliert worden war, sei durchaus auch als Bauherr in Erscheinung getreten.

"Erkanbald gilt immer als graue Maus", sagte Faccani, "aber es ist nicht so, dass er nur dasaß und sein Amt versah." In Mainz habe es zu Erkanbalds Amtszeit offenbar einen kirchlichen Bauboom gegeben, der die Stadt zu einer Großbaustelle gemacht habe. Der von seinem Vorgänger Willigis erbaute, heute weltberühmte Mainzer Martinsdom war 1009 unmittelbar vor der Weihe abgebrannt. Parallel zum Wiederaufbau sei auch der alte Dom St. Johannis erweitert worden.

Der arme Erkanbald hatte Rücken

Faccani präsentierte auch die Ergebnisse der Untersuchungen von Gewebe- und Materialproben aus dem Sarkophag des Erzbischofs. Demnach steht nun fest, dass der im Alter von ungefähr 50 Jahren verstorbene Erkanbald bei einer für damalige Zeiten beachtlichen Körpergröße von 1,82 Metern und einem Gewicht von rund 70 Kilogramm eine recht athletische Figur aufwies, allerdings an ernsthaften Rücken- und Wirbelsäulenerkrankungen sowie an Fußgicht litt. "Er war im besten Alter, aber auch nicht mehr ganz jung", erklärte der Forscher.

Eine aufwendige DNA-Analyse durch ein Speziallabor in Bozen habe leider zu keinen neuen Erkenntnissen geführt. Bei der Bestattung waren die sterblichen Überreste des Erzbischofs mit Ätzkalk übergossen worden. Das Skelett befand sich zum Zeitpunkt der Graböffnung in einem extrem schlechten Erhaltungszustand.

Beisetzung im wiederverwendeten Sarkophag

Die Beisetzung des Erzbischofs in einem wiederverwendeten Sarkophag unbestimmbaren Alters lässt sich Faccani zufolge inzwischen dadurch erklären, dass dies wohl dem ausdrücklichen Willen des Verstorbenen entsprach: "Wahrscheinlich war es eine bewusste Wahl." Möglicherweise sei für Erkanbald der massive Steinsarkophag eines früheren christlichen Würdenträgers oder Märtyrers genutzt worden.

Archäologische Arbeiten seit 2013

In der Mainzer Johanniskirche fanden seit 2013 umfassende archäologische Arbeiten statt, bei denen der Nachweis erbracht werden konnte, dass es sich um die frühe Bischofskirche des Erzbistums Mainz und eine der ältesten erhaltenen Kirchen Deutschlands handelt. Teile des Mauerwerks konnten auf die Spätantike datiert werden. Mittlerweile gibt es auch Hinweise darauf, dass sich am heutigen Standort der Kirche ursprünglich nebeneinander zwei kleinere sakrale Gebäude befunden haben könnten. Im alten Mainzer Dom wurden 1002 mit Heinrich II. und 1024 mit Konrad II. auch zwei deutsche Könige gekrönt.

Führungen

Zum 1000. Todestag Erkanbalds organisiert das Dekanat Mainz am 21. August mehrere kostenlose Führungen in der bislang nur eingeschränkt zugänglichen Kirche. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.

Zukunft der Johanniskirche offen

Der Innenraum der Basilika gleicht bis heute einer Baustelle, über die Details der künftigen Nutzung und deren Finanzierung hat die evangelische Kirche noch nicht abschließend entschieden. Angesichts der historischen Bedeutung des Baus und seiner Vorgeschichte als frühe Mainzer Bischofskathedrale müsse die Zukunft von St. Johannis in jedem Fall "ökumenisch gedacht" werden, erklärte der evangelische Dekan Andreas Klodt.