Soziales

Hope's Angel helfen Eltern von Sternenkindern

Birgit Rutz zu Gast im Hoffnungsmensch Podcast
Kira Geiss

Birgit Rutz begleitet mit ihrem Verein Hope's Angle Frauen bei Fehl- und Totgeburten.

Es ist das Jahr 1997, als Birgit Rutz wegen Blutungen und anhaltenden Krämpfen ihren Frauenarzt aufsucht. Ihr Mann, Soldat bei der Bundeswehr, ist zu dieser Zeit in Amerika stationiert. Birgit ist mit dem zweijährigen Sohn bei ihm in den Staaten. In der Arztpraxis bekommt die junge Mutter eine unerwartete Diagnose: Blutungen aufgrund eines Schwangerschaftsverlusts. „Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass ich schwanger war“, erinnert sie sich. Doch es bleibt nicht bei diesem einen Schwangerschaftsverlust. Betroffenen sprechen häufig von „Sternenkindern“ oder einer „stillen Geburt“. In den darauffolgenden Jahren erleidet Birgit Rutz vier weitere Fehlgeburten. Damit macht sie eine Erfahrung, die laut Bundesfamilienministerium etwa jede dritte Frau mindestens einmal erlebt. Scham und Einsamkeit spielen bei Fehlgeburten häufig eine große Rolle. 

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Fünf Kinder im Mutterleib verloren

Birgit Rutz steht vor einer Pflanze und lächelt in die Kamera
Kira Geiss
Birgit hilft Eltern von Sternenkindern

„Der Bauch ist für ein Baby der sicherste Ort der Welt. Als Mamas sind wir dafür verantwortlich, dass es unseren Kindern an diesem Ort gut geht“, sagt Birgit. Stirbt ein Kind noch im Mutterleib, drängt sich für viele Frauen die quälende Frage auf: Habe ich etwas falsch gemacht? Bin ich schuld am Tod meines Kindes? Auch Birgit beschäftigten diese Gedanken. Nach ihrer fünften Fehlgeburt fragte sie sich, was mit ihr und ihrem Körper nicht stimmt. Mittlerweile arbeitet sie als Geburts- und Trauerberaterin und weiß, dass diese Selbstvorwürfe unbegründet sind. „Sich schuldig zu fühlen und Schuld zu haben sind zwei unterschiedliche Dinge“, betont sie mit Nachdruck. 

Wie spreche ich mit Eltern von Sternenkindern?

Auf diese Sätze solltest du eher verzichten:

  • „Ihr müsst jetzt stark sein“
  • „Die Zeit heilt alle Wunden“
  • „Wenigstens wisst ihr jetzt, dass ihr schwanger werden könnt“

Das kann wirklich helfen:

  • Das Kind mit Namen ansprechen
  • Ehrlich sagen, wenn du nicht weißt, was du sagen oder machen sollst
  • Drücke dein Mitleid aus
  • Biete praktische Hilfe an (Einkäufe erledigen, Essen kochen, im Haushalt helfen), da die Betroffenen oft kraftlos sind

So hilft du Eltern von Sternenkindern

Statt Eltern nach dem Verlust eines Kindes ein schlechtes Gewissen zu machen, oder vorschnelle Ratschläge zu geben, brauche es in einer solchen Ausnahmesituation vor allem ein Umfeld, das auffängt. Dieses ist in vielen Fällen jedoch nicht gegeben. Deshalb gründet sie den Verein „Hope‘s Angel“, der vom Namen ihrer verstorbenen Tochter Hope (Hoffnung) inspiriert ist. 

Anlaufstelle für Eltern von Sternenkindern

Seit 27 Jahren begleitet Birgit gemeinsam mit ihrem rund 30-köpfigen Team Frauen und Paare bei Totgeburten, Schwangerschaftsabbrüchen und beim Umgang mit dem Verlust eines Kindes. „Hope‘s Angel“ ist für solche Situationen Anlaufstelle. Keine einfache Arbeitet findet Birgit, aber eine überaus wichtige. „Natürlich beschäftigt es mich, wenn ich dabei bin, wenn ein Kind tot zur Welt kommt, aber ich muss in diesem Moment professionelle Nähe wahren“, erklärt die Leiterin des Vereins und ergänzt lächelnd: „Würde mir das nicht gelingen, wäre ich schon lange in der Psychiatrie.“ Im Durchschnitt betreuen Birgit und ihr Team zwei Familien pro Woche. Dabei sei es zum einen wichtig, Orientierung und Halt zu geben, zum anderen aber auch, darüber aufzuklären, was beispielsweise bei einer Totgeburt passiert. „Wissen bedeutet Orientierung und das wiederum gibt am Ende Sicherheit. Und Sicherheit ist das, was Menschen in so einer Situation dringend brauchen.“ 

Eltern können ihr Sternenkind kennenlernen

Birgit und ihrem Team ist es wichtig, Eltern in dieser absoluten Ausnahmesituation und trotz allem eine schöne Geburt zu ermöglichen, bei der sie ihr Kind kennenlernen können, auch, wenn es ohne die üblichen Schreie die Welt erblickt. Birgit ist es besonders wichtig, dass dabei alle Gefühle Platz haben. „Wut, Trauer, Liebe – wenn man ein Kind tot gebärt oder verliert, ist es wichtig, alles davon zuzulassen“ 

Würdevoller Abschied vom Sternenkind

Können Eltern keinen Abschied von ihrem Kind nehmen, weil ihnen die Kraft dazu fehlt, übernehmen Birgit und ihr Team diese Aufgabe. „Wir zünden dann zum Beispiel eine Kerze für dieses tote Kind an, um es würdig zu verabschieden“. Außerdem werden die Sternekinder nach ihrer Geburt fotografiert und angekleidet. Denn für Rutz und ihr Team hat es etwas mit Würde zu tun, ein Kind anzuziehen, dass tot zur Welt gekommen ist. 

So hat Birgit Frieden mit dem Tod ihrer Kinder gefunden

Der Verlust ihrer fünf Kinder wird Birgit ihr Leben lang begleiten. Dennoch hat die Leiterin von „Hope‘s Angel“ ihren Frieden mit dem Erlebten gefunden. Rückblickend empfindet sie große Dankbarkeit für die Tiefe, die ihr Leben durch all ihre Erfahrungen gewonnen habe. Diese Erfahrungen haben auch ihr Verständnis von Mutterschaft geprägt. 

Eine Mutter ist eine Mutter, sobald es einen positiven Schwangerschaftstest gibt 

betont sie. Deshalb antwortet sie auf die Frage, wie viele Kinder sie hat, stets mit derselben Zahl: sieben. Fünf im Himmel, zwei auf der Erde.