von Vivian Mayr
Was passiert, wenn Kinder und Menschen mit Behinderung ihren Alltag gemeinsam verbringen? Auf dem Schlockerhof in Hattersheim wird genau das seit Anfang Mai gelebt.
„Dann hat die Kleine gewunken, ich habe zurückgewunken“, erzählt Gernot. Er wohnt im Wohnheim, das Mädchen geht dort in die Kita.
Seit Anfang Mai teilen sich die Kindertagesstätte und das Wohnangebot für Menschen mit Behinderung erstmals ein gemeinsames Gebäude auf dem Schlockerhof. Neu sind dabei weder die Kita noch das Wohnangebot. Die Kinder waren zuvor in einem Container auf dem Gelände untergebracht, die Bewohner*innen lebten in einem älteren Gebäude.
„Kinder haben keine Vorurteile“, sagt Kitaleiter Jeremias Köhler. Nach seiner Erfahrung gehen Kinder offen auf andere Menschen zu und stellen Fragen ganz selbstverständlich. Genau diese Offenheit möchte die Kita aufgreifen und begleiten.
Auch Nils Bayer, Leiter des EVIM-Wohnverbunds, sieht genau darin den Kern des Projekts. Wie sich das Zusammenleben entwickelt, werde sich erst mit der Zeit zeigen. Gerade deshalb seien die Erfahrungen im Alltag besonders wichtig.
Bewohner Gernot erlebt diese Begegnungen bereits selbst. Für ihn zeigen kleine Momente wie das Winken mit dem Mädchen, dass ein gemeinsames Miteinander bereits begonnen hat.
Noch steht das gemeinsame Leben am Schlockerhof am Anfang. Wie der gemeinsame Alltag künftig aussehen könnte, zeigt eine Idee von Nils Bayer. Er kann sich ein Hühnerprojekt vorstellen, bei dem Kinder und Bewohner*innen sich gemeinsam um die Tiere kümmern.
Auch im Haus muss sich vieles erst noch einspielen. Ein gemeinsamer Chor bringt Kinder und Bewohner*innen bereits regelmäßig zusammen. Das Angebot entstand bereits im vergangenen Advent. An den Chorproben nehmen im wechselnden Rhythmus jeweils zehn bis zwölf Kinder gemeinsam mit den Bewohner*innen teil. Auch ein Herbstfest oder ein Weihnachtsmarkt sind geplant.
Was die Kinder von den Bewohner*innen wissen möchten? „Wie sie heißen“, antworten zwei Kindergartenkinder ganz selbstverständlich. Von Berührungsängsten keine Spur. Sie begegnen den Bewohnerinnen offen und stellen Fragen, wenn sie etwas nicht verstehen.
Die Begegnung zwischen Gernot und dem kleinen Mädchen dauert nur wenige Augenblicke. Für die Beteiligten steht sie beispielhaft für das Ziel des Projekts. Auf dem Schlockerhof soll ein gemeinsamer Alltag entstehen, in dem Begegnungen ganz selbstverständlich ihren Platz finden.