Soziales

Nach dem IS-Terror: Wie Benni mit einer Frisbeescheibe Brücken baut

Benni bei Frisbee-Training mit Jugendlichen
privat

Benni Splitt ist Entwicklungshelfer im Irak. Dort setzt er sich mit seiner Frisbee für Frieden und Verständigung ein.

Der Terror des sogenannten Islamischen Staates hat das Leben vieler Menschen im Nordirak für immer verändert. Tausende Jesiden mussten 2014 vor den IS-Milizen fliehen, Familien wurden auseinandergerissen, Dörfer zerstört. Bis heute wachsen viele Kinder und Jugendliche in Flüchtlingscamps auf. 

Mitten in dieser Region arbeitet Benni Splitt. Der Sozialarbeiter und Entwicklungshelfer bringt Jugendliche zusammen, die sich sonst kaum begegnen würden und die oft sogar verfeindet sind: Kurden, Jesiden, Christen und Muslime. Sein Werkzeug: eine Frisbeescheibe. 

Frisbee für den Frieden

Sozialarbeiter Benni mit drei Jugendlichen
privat
Benni übt mit Jugendlichen verschiedener Religionen

Benni lebt seit mehreren Jahren im Nordirak. Dort nutzt er Ultimate Frisbee als Friedensprojekt. Der Sport ist perfekt dafür geeignet, findet er, weil er ohne Schiedsrichter gespielt wird. Konflikte müssen die Spielerinnen und Spieler selbst lösen. Kommunikation, Respekt und gegenseitiges Vertrauen gehören deshalb zum Spiel dazu. 

Gespielt wird normalerweise 7 gegen 7. Das Ziel: Die Frisbeescheibe in eine Endzone bringen, ähnlich wie beim American Football.

Was auf dem Spielfeld passiert, soll Auswirkungen auf den Alltag haben: Menschen kommen miteinander ins Gespräch, lernen einander kennen und überwinden Vorurteile. 

„Auf dem Sportplatz kann man etwas üben, was man auch aufs Leben übertragen kann”, sagt Benni.

Begegnungen, die Hoffnung machen

Viele der Jugendlichen, die er begleitet, haben Schlimmes erlebt.

Besonders bewegt hat ihn die Begegnung mit einem Jungen, der am 3. August 2014 geboren wurde. Genau an dem Tag, an dem der IS die Heimat vieler Jesiden überfiel. Wenige Stunden nach seiner Geburt floh seine Mutter mit dem Neugeborenen auf dem Arm in die Berge. Heute spielt der Zwölfjährige in Bennis Frisbee-Projekt mit.

„Er kennt nichts anderes als das Flüchtlingscamp. Jetzt darf ich mit ihm Frisbee spielen und ihm etwas Gutes mitgeben.“

Für Benni ein Zeichen der Hoffnung.

Nur wenige Minuten entfernt – und doch Welten auseinander

Im Nordirak leben unterschiedliche Volksgruppen oft nebeneinander, aber selten miteinander. Viele Dörfer sind bis heute klar nach Religionszugehörigkeit oder Volksgruppe getrennt.

Ein Erlebnis blieb Benni besonders in Erinnerung: Auf dem Weg zu einem Sportprojekt sagte ihm ein junger Kurde:

Das ist das erste Mal, dass ich ein jesidisches Dorf betrete

Dabei wohnte er nur wenige Autominuten entfernt. 

Solche Momente zeigen dem Sozialarbeiter, wie wichtig Begegnungen sind. Auf dem Spielfeld verschwinden Unterschiede zwar nicht, aber die Kinder und Jugendlichen lernen, einander als Menschen wahrzunehmen.

Benni im Podcast-Studio
hoffnungsmensch-podcast
Benni erzählt von seiner Zeit im Irak

Mit dem Fahrrad in den Nahen Osten

Dass Benni einmal im Nordirak leben würde, war ursprünglich nicht geplant. Nach seinem Studium machte sich der gebürtige Österreicher mit dem Fahrrad auf den Weg in den Nahen Osten. Auf seiner Reise kam er erstmals intensiv mit Flüchtlingsprojekten in Berührung. 

Der Wunsch, langfristig in der Entwicklungszusammenarbeit zu arbeiten, wurde immer stärker. Wenig später zog er in den Nordirak, wo er seit sechs Jahren im Auftrag der Stuttgarter Hilfsorganisation Coworkers arbeitet.

Benni im Hoffnungsmensch-Podcast

Sozialarbeiter Benni war im Hoffnungsmensch-Podcast zu Gast und hat uns seine Geschichte erzählt. Hier findest du alle Folgen des Podcasts.

Hoffnung, die trägt

Die Herausforderungen in der Region sind groß. Viele Familien leben weiterhin unter schwierigen Bedingungen, Arbeitsplätze sind rar und die Zukunft ist für viele junge Menschen unsicher. 

Trotzdem macht Benni weiter.

Seine Motivation schöpft er aus seinem christlichen Glauben. Er sagt:

„Wenn ich die Hoffnung, die über das Hier und Jetzt hinausreicht, nicht hätte, könnte ich diese Arbeit nicht machen.“ 

Benni ist überzeugt, dass seine Arbeit einen Unterschied für die Menschen im Nordirak macht und dass Veränderung oft im Kleinen beginnt. Manchmal geschieht sie auf einem staubigen Sportplatz. Mit Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft. Und einer kleinen  Frisbeescheibe.