Der Terror des sogenannten Islamischen Staates hat das Leben vieler Menschen im Nordirak für immer verändert. Tausende Jesiden mussten 2014 vor den IS-Milizen fliehen, Familien wurden auseinandergerissen, Dörfer zerstört. Bis heute wachsen viele Kinder und Jugendliche in Flüchtlingscamps auf.
Mitten in dieser Region arbeitet Benni Splitt. Der Sozialarbeiter und Entwicklungshelfer bringt Jugendliche zusammen, die sich sonst kaum begegnen würden und die oft sogar verfeindet sind: Kurden, Jesiden, Christen und Muslime. Sein Werkzeug: eine Frisbeescheibe.
Viele der Jugendlichen, die er begleitet, haben Schlimmes erlebt.
Besonders bewegt hat ihn die Begegnung mit einem Jungen, der am 3. August 2014 geboren wurde. Genau an dem Tag, an dem der IS die Heimat vieler Jesiden überfiel. Wenige Stunden nach seiner Geburt floh seine Mutter mit dem Neugeborenen auf dem Arm in die Berge. Heute spielt der Zwölfjährige in Bennis Frisbee-Projekt mit.
„Er kennt nichts anderes als das Flüchtlingscamp. Jetzt darf ich mit ihm Frisbee spielen und ihm etwas Gutes mitgeben.“
Für Benni ein Zeichen der Hoffnung.
Im Nordirak leben unterschiedliche Volksgruppen oft nebeneinander, aber selten miteinander. Viele Dörfer sind bis heute klar nach Religionszugehörigkeit oder Volksgruppe getrennt.
Ein Erlebnis blieb Benni besonders in Erinnerung: Auf dem Weg zu einem Sportprojekt sagte ihm ein junger Kurde:
Das ist das erste Mal, dass ich ein jesidisches Dorf betrete
Dabei wohnte er nur wenige Autominuten entfernt.
Solche Momente zeigen dem Sozialarbeiter, wie wichtig Begegnungen sind. Auf dem Spielfeld verschwinden Unterschiede zwar nicht, aber die Kinder und Jugendlichen lernen, einander als Menschen wahrzunehmen.
Dass Benni einmal im Nordirak leben würde, war ursprünglich nicht geplant. Nach seinem Studium machte sich der gebürtige Österreicher mit dem Fahrrad auf den Weg in den Nahen Osten. Auf seiner Reise kam er erstmals intensiv mit Flüchtlingsprojekten in Berührung.
Der Wunsch, langfristig in der Entwicklungszusammenarbeit zu arbeiten, wurde immer stärker. Wenig später zog er in den Nordirak, wo er seit sechs Jahren im Auftrag der Stuttgarter Hilfsorganisation Coworkers arbeitet.