Soziales

Kunst statt Krieg: Art Helps macht Kindern im Ukraine-Krieg Hoffnung

Art Helps-Teilnehmerin liegt auf einer Bank, angelehnt an ein riesiges Kuscheltier
Pressebild/ Arthelps

In der Ukraine hilft die Organisation Art Helps Kindern dabei, Krieg, Gewalt und Traumata mit Kunst zu verarbeiten.

Mitten in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw steht ein Haus, in dem sich Kinder eine Auszeit vom Krieg nehmen können. Hier wird gebastelt, musiziert und genäht. Vor allem aber entsteht hier ein Raum für Sicherheit, Ausdruck und ein kleines Stück Normalität. Die Kinder können hier auch traumatische Erfahrungen verarbeiten. Die Idee für dieses Projekt stammt von Tom Lupo, einem der erfolgreichsten Grafikdesigner Deutschlands. Mit Kampagnen für Nike, BMW und andere große Marken gewann er in der Vergangenheit Preise für nahezu alles „was man in der Designbranche gewinnen kann“. Erfüllt haben ihn diese Erfolge jedoch nicht. „Ich hatte schon während des Studiums das Bedürfnis, Menschen durch Kunst etwas Gutes zu tun“, betont der Grafikdesigner und grinst. 

eine Gruppe von Kindern liegt in einer Halle zusammen mit riesigen selbstgemachten Kuscheltieren
Pressebild/ Arthelps
Bei der Initiative Art Helps können Kinder ihre Trauma-Erfahrungen mit Kunst verarbeiten

Art Helps: Kreativworkshops als „zweite Hilfe“

Portrait von Tom in Schwarz-Weiß. Tom hat hochgegelte Haare, trägt ein T-Shirt, verschränkt die Arme und hat eine Uhr am Handgelenk
Pressebild/ Arthelps
Tom Lupo ist Grafikdesigner und Gründer der Initiative Art Helps

Deshalb entschied sich Tom Lupo 2011 für einen radikalen Neustart und zog für ein halbes Jahr nach Brasilien. Dort lebte er in einer Favela und arbeitete als Hausmeister. Seine Freizeit nutzte der Gründer für ein kreatives Experiment. „Ich wollte während der Zeit in Brasilien herausfinden, ob ich Menschen durch Kunst und Kreativität etwas Gutes tun kann“, erklärt Lupo. Seine Hauptzielgruppe: Kinder und Jugendliche. Täglich wurde gebastelt, geklebt und gemalt. Dabei wuchs die Gruppe der teilnehmenden Kinder von Tag zu Tag, denn seine kreativen Angebote kamen gut an. 

So hilft Art Helps Betroffenen Kindern

  • Kreativangebote helfen Kindern, belastende Erfahrungen auszudrücken.
  • Kunsttherapie kann Sprache ersetzen, wenn Worte fehlen.
  • Geschützte Räume schaffen ein Gefühl von Alltag und Sicherheit.
  • Lokale Partnerorganisationen begleiten die Arbeit vor Ort.

Als er nach Deutschland zurückkam, gründete er gemeinsam mit seiner Frau die Organisation „Art Helps“ (Kunst hilft). Seitdem sind sie mit ihrem Team weltweit in Krisengebieten aktiv – in irakischen Flüchtlingscamps, in El-Salvador aber auch im Amazonas

An diesen Orten entstehen sogenannte „Creative Hubs“, Räume, in denen Kinder an Kreativworkshops teilnehmen können, die bei der Traumabewältigung helfen sollen. „Wir wollen zweite Hilfe leisten“, erklärt der Grafikdesigner. Die erste Hilfe für Menschen sei Essen, Kleidung und eine sichere Unterkunft. Die zweite Hilfe bestehe laut Lupo darin, Menschen in schweren Lebensumständen Hoffnung zu geben. Dabei ist ihm eine Sache besonders wichtig: „Wir wollen Orte schaffen, an denen Kinder Kinder sein dürfen und der Krieg ein paar Stunden keine Rolle spielt.“ 

Krieg in der Ukraine

„Ich erinnere mich noch gut daran, als wir 2016 mit unserer Arbeit in der Ostukraine begonnen haben“, erzählt der zweifache Familienvater und ergänzt mit ernstem Blick: „Schon damals wurde täglich geschossen und gebombt.“ Für Lupo ein Grund mehr als helfende Hand vor Ort zu sein. 

Russischer Angriffskrieg in der Ukraine

Am 24. Februar 2022 befahl Wladimir Putin den Angriff auf die Ukraine. 2014 schon annektierte Russland völkerrechtswidrig die Halbinsel Krim und unterstützte prorussische Separatisten in Donezk und Luhansk, wo ein bewaffneter Konflikt entstand und seit 2014 tausende Menschen starben.

Den ersten Creative Hub baute das Team in der Grenzstadt Awdijiwka, die inzwischen von russischen Truppen eingenommen und weitgehend zerstört worden ist. Aufhalten ließ sich das Team dadurch aber nicht. Mit Hilfe von Spendengeldern wurde nur kurze Zeit später ein neuer Hub in Kyjiw eröffnet. Dort sollen Kindern während Workshops und Kunsttherapien die Möglichkeit bekommen, ihre Erlebnisse auf nonverbale Weise zu verarbeiten. Stoffe, Pinsel und bunte Papiere werden zu Werkzeugen, um Gefühle auszudrücken, die sich sonst schwer in Worte fassen lassen. 

Kreativität gegen Trauma: Was die Workshops bewirken

„Einmal haben wir rollenweise bunte Stoffe und Nähmaschinen besorgt, um gemeinsam mit den Kindern Kissen zu gestalten“, erinnert sich der Grafikdesigner. Aus den ursprünglich geplanten Kissen entstanden Kuscheltiere. Manche über zwei Meter groß. „Die Größe der Kuscheltiere oder die Anzahl der Arme war bei dieser Aufgabe völlig egal. Wir wollten, dass sich die Kinder richtig austoben“, betont Lupo. Eines der teilnehmenden Kinder schenkte das fertige Kuscheltier anschließend seinem jüngeren Bruder. Dieser hatte nachts Probleme mit dem Einschlafen. Bei einem anderen Projekt wurden Instrumente aus Kriegsschrott gebaut, die anschließend für ein Konzert genutzt wurden. 

„Diese Kinder haben Gewalt erlebt – körperliche und seelische“, betont Lupo. „Ihre Heimat ist zerstört worden, Bomben sind neben ihren Zimmern eingeschlagen und ihre Schulen haben sich in Ruinen verwandelt“, viele von ihnen zeigen laut dem Grafikdesigner deutliche Anzeichen von Traumata. Aus diesem Grund sind bei jedem Workshop Kunsttherapeuten ein fester Bestandteil des Teams.

ein großes Kuscheltier sitzt auf einem Auto
Pressebild/ Arthelps
In Kyjiw haben Jungendliche und Kinder bei der Initiative Art Helps riesige Kuscheltiere genäht

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Heilung durch Kunst

„Kunst hilft Kindern ihre eigene Kreativität zu entdecken und damit neuen Lebensmut zu gewinnen“, sagt Lupo lächelnd und schaut aus dem Fenster seines Stuttgarter Büros. In wenigen Wochen steht die nächste Reise in die Ukraine an. Angst hat er vor den Einsätzen mittlerweile keine mehr. „Wir arbeiten vor Ort immer mit lokalen Organisationen zusammen, die uns beraten.“ 

Bis er für den nächsten Einsatz seine Koffer packt, veranstaltet er Kreativworkshops in Stuttgart. Denn: „Auch in Deutschland erleben Menschen Heilung durch Kreativität.“