Resilienz

Was uns stark macht gegen Corona-Stress

Eine Frau steht am Fenster ihrer Wohnung und schaut nach draußen. Die Kontaktbeschränkungen durch Corona haben viele von uns unter Stress gesetzt.
gettyimages/martin_dm

Corona hat vielen von uns zugesetzt. Die Psychotherapeutin Isabella Helmreich weiß, was im Umgang mit der Pandemie hilft.

Nur noch daheim rumhocken, dazu noch Krach in der Familie, und dann auch noch immer diese schlimmen Nachrichten aus den Medien.

    Studie zur psychischen Belastbarkeit im Corona-Lockdown

    Die Corona-Krise belastet uns auch psychologisch. Das Mainzer Leibniz-Institut für Resilienzforschung hat deswegen über den Umgang mit psychischen Belastungen während der Corona-Pandemie geforscht. Zum Beispiel findest du hier eine Studie (englisch).

    Corona hat viele von uns ganz schön mitgenommen. Mittlerweile gibt es die ersten wissenschaftlichen Studien, die belegen, wie sehr uns die Pandemie unter Stress setzt.

    Wie sehr uns etwas belastet, ist nur zum Teil beeinflussbar

    Was in der Studie vom Mainzer Institut steht, klingt erst einmal niederschmetternd: Was uns während der Pandemie besonders stresst, sind Dinge, die wir nicht oder kaum beeinflussen können. Menschen mit geringer Bildung oder mit wenig Einkommen sind besonders verwundbar.

    Kaum überraschend: Wenn ein Angehöriger an Corona stirbt, nimmt uns das besonders mit. Auch unsere Persönlichkeitseigenschaften, besonders die Neigung zu neurotischem Verhalten, spielen eine große Rolle für unsere Stressresistenz. Diese Eigenschaften wiederum sind zu einem Gutteil durch unsere Gene und durch unsere Erziehung festgelegt.

      Tipps, damit du psychisch stark bleibst

      Aber in gewissen Grenzen kann man seine Widerstandsfähigkeit verbessern, weiß die Psychotherapeutin Isabella Helmreich. Sie ist wissenschaftliche Leiterin des Bereichs Resilienz und Gesellschaft des Leibniz-Instituts und hat einige Tipps dazu:

      • „Soziale Unterstützung ist ein ganz wichtiger Faktor“, sagt Helmreich.

      Die jüngste Studie und weitere Untersuchungen hätten gezeigt, dass Menschen, die ein gutes soziales Netz haben und ihre Kontakte pflegen, besser mit Stress zurechtkommen, auch während der Corona-Zeit. Das geht auch auf Abstand, nämlich per Telefon oder über soziale Netzwerke.

      Und das Kontaktepflegen habe durchaus zwei Seiten: „Ich kann überlegen, welche Leute es in meinem Leben gibt, welche mir gut tun und welche nicht, weil es viele Spannungen mit ihnen gibt“, erklärt Helmreich. Kontakt zu letzteren solltest du dann nur im notwendigen Rahmen halten.

      • Wenn die Zeiten hart sind, kommt es auch auf den eigenen Blick auf die Dinge an. Wer positiv denkt, kommt besser durch. Und das habe so mancher während der Krise entdeckt, sagt Helmreich:

      „Die Leute hatten während des Lockdowns mehr Zeit, darüber nachzudenken, was sie wirklich brauchen im Leben, und manche haben festgestellt, dass das gar nicht so viel ist.“ 

      Mit der Bohnen-Übung die guten Momente finden

      Helmreich verrät einen Trick, wie du dir gute Dinge im eigenen Leben bewusst machen kannst: ein paar Bohnen, Kaffeebohnen oder Kichererbsen in eine Hosentasche stecken. Jedes Mal, wenn einem etwas Positives auffällt, wandert eine Bohne oder Erbse in die andere Hosentasche. Am Ende des Tages kommt da meist einiges zusammen.

      Der Nachrichtenflut ausweichen und gezielt News konsumieren

      Auch wenn die Nachrichten furchtbar sind - „Ignorieren ist meist nur kurzfristig eine erfolgreiche Strategie“, sagt Helmreich. Blende die Medien nicht aus, schon damit kein Wissensdefiziz entstehe. Besser:

      • Stelle die Dauerberieselung ab und bringe dich nur noch ein bis zwei Mal am Tag auf den neuesten Stand. Auch hier helfe es, den Blick fürs Positive zu schärfen.

      Denn auch die Pandemie hat gute Nachrichten mit sich gebracht - den geringeren CO2-Ausstoß etwa oder die Nachbarschaftshilfe für alte und kranke Menschen.

      • Der Glaube kann ebenfalls entlasten. Er biete ein moralisches Regelwerk und mit Gott einen Ansprechpartner, der immer da sei, erklärt Helmreich. Wichtig sei auch die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen, die Halt gibt.

      Aber die Psychotherapeutin gibt zu bedenken, dass Religion und Spiritualität sich auch negativ auswirken können: „Nämlich dann, wenn etwas Unerträgliches passiert. Wenn zum Beispiel das eigene Kind stirbt.“ Dann könne es geschehen, dass Menschen an ihrem Glauben zweifeln, der ihnen bis dahin Halt im Leben gab. Dann sind sie doppelt getroffen.

      Was man beim „Cave-Syndrom“ tun kann

      Gerade jene Leute, die mit den Beschränkungen während der Covid-Pandemie ganz gut klargekommen sind, haben mitunter Probleme, wenn das soziale Leben neu startet. „Cave-Syndrom“ - vom englischen „cave“ für „Höhle“ - haben die Medien das getauft.

      „Wenn alles wieder geöffnet wird, muss man sich erst wieder daran gewöhnen“, erklärt Helmreich. Es sei auch grundsätzlich nichts Schlimmes, erst einmal Angst vor mehr Kontakt zu haben. Denn für diese Angst gibt es eine reale Grundlage. Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus ist ja immer noch nicht weg.

      „Das Allerwichtigste ist, sich einzugestehen, dass man Angst oder Befürchtungen hat“, rät Helmreich. Der Spruch: „Stell dich nicht so an“ sei genau die falsche Strategie.

      • Besser sei es, erst einmal langsam anzufangen. Sich nicht sofort ins Gewühl stürzen, sondern auswählen, wie viel Kontakt und wie viel sozialen Abstand man noch möchte.

      „Wer sich nur noch zu Hause einigelt und es nicht mehr schafft rauszugehen, der sollte sich jedoch professionelle Hilfe holen“, rät die Psychotherapeutin.

      Welche Erfahrungen hast du gemacht?

      Wie bist du mit den vielen Monaten Corona-Pandemie und mit dem Lockdown umgegangen? Welche Tipps haben dir geholfen? Teile mit uns deine Erfahrungen. 

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