Warum nicht alles klappen muss

Ausbildungsstart: Was tun, wenn du Zweifel hast?

Junge Frau sitzt im Schneidersitz auf ihrem Bett. Vor ihr ein Laptop, in der Hand ihr Morgenkaffee. Sie trägt ein rot-schwarzes Baumfällerhemd.
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gettyimages/South_agency

Passt meine Ausbildung wirklich zu mir? Zwei Handwerkerinnen erzählen vom Berufsalltag. Dazu gibt es Tipps für Entscheidungen und schwierige Starts.

Neuer Betrieb, neue Kolleg*innen, Berufsschule, mehr Verantwortung und vielleicht klingelt der Wecker deutlich früher als bisher. Mit einer Ausbildung verändert sich vieles auf einmal. Da sind Zweifel ziemlich normal: Passt der Beruf wirklich zu mir? Und was hilft, wenn der Start schwieriger ist als gedacht?

Zwei junge Handwerkerinnen erzählen, wie sich ihr Berufsalltag wirklich anfühlt. Dazu findest du hier Entscheidungshilfen und Angebote der evangelischen Kirche für alle, die sich zum Ausbildungsstart Unterstützung oder einen Segen wünschen.

Den Beruf am Alltag prüfen, nicht am Image

Lena Rückeshäuser macht eine Ausbildung zur Glaserin
epd-Bild/Tim Wegener

In der Werkstatt von Lena Rückeshäuser stapeln sich Farbgläser bis unter die Decke. Sie hat eine Ausbildung zur Glaserin in Taunusstein gemacht.

Zu Beginn sah ihr Alltag allerdings wenig elegant aus. „Meine Finger waren am Anfang voll mit Pflastern“, erzählt sie. Glas schneiden musste sie erst lernen. Heute restauriert sie jahrhundertealte Kirchenfenster und arbeitet mit Werkzeugen wie dem Bleiaufreiber. Ein halbes Jahr lang war sie an den Fenstern von Schloss Neuschwanstein tätig. Besonders gefällt ihr die Verbindung aus Kunst, Handwerk und wechselnden Einsatzorten.

Handwerk nicht nur für Männer

Luisa Lüttich bei Steinmetzarbeiten innen
privat

Bei Luisa Lüttig sieht der Arbeitsalltag komplett anders aus. Sie ist Steinmetzin und Steinbildhauermeisterin. Während ihrer Ausbildung saß sie bei minus zwölf Grad auf einem Gerüst in Zürich und restaurierte eine Fassade. Heute bewegt sie Steine mit Krananlagen und Maschinen, für feinere Arbeiten nimmt sie Hammer und Meißel.

Zu ihrem Job gehören aber nicht nur Steine und Werkzeuge. Luisa gestaltet Grabmale und spricht dafür mit Menschen, die gerade jemanden verloren haben. Manche Geschichten nimmt sie gedanklich mit nach Hause. Ihr Beruf fordert also nicht nur körperlich.

Beide Geschichten zeigen: Die Frage „Gefällt mir dieser Beruf?“ reicht kaum. Interessanter sind konkretere Fragen:

  • Mag ich den echten Arbeitsalltag – inklusive früher Uhrzeiten, Wetter oder Schmutz?
  • Arbeite ich lieber mit Menschen, Maschinen, Werkzeugen oder Materialien?
  • Will ich am Ende des Tages sehen können, was ich gemacht habe?
  • Wie wichtig sind mir Kreativität, Abwechslung oder Reisen?
  • Wie gehe ich mit Situationen um, die mich körperlich oder emotional fordern?
  • Fühle ich mich in meinem Betrieb ernst genommen und respektiert?

Luisa kennt zum Beispiel Vorurteile gegenüber Frauen im Handwerk. Ihr seien bestimmte Arbeiten nicht zugetraut worden. Für sie sind das „altbackene Vorurteile“. Heute zeigt sie ihren Berufsalltag auch auf Social Media, mit staubigen Schuhen, Werkzeugen und fertigen Arbeiten.

Sortier deine Zweifel, bevor du alles infrage stellst

Vielleicht hast du deinen Ausbildungsvertrag längst unterschrieben und trotzdem taucht plötzlich die Frage auf: War das wirklich die richtige Entscheidung?

Das Gefühl passt ziemlich genau zur „FragMatz“-Aktion der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Sie richtet sich an junge Erwachsene, die zwischen Ausbildung, Studium, Arbeit und anderen Lebensentscheidungen festhängen. Auf fragmatz.de findest du hilfreiche Tipps. 

Schreib bei einer größeren Entscheidung jeweils die drei Punkte auf, die für und gegen sie sprechen. Beschränke dich auf das, was dir wirklich wichtig ist. Du kannst anschließend jeden Punkt mit einer Zahl zwischen eins und fünf gewichten.

Bei kleineren Entscheidungen schlägt FragMatz unter anderem vor, eine Deadline zu setzen. Denn länger nachdenken bedeutet nicht automatisch, besser zu entscheiden. 

Ausbildung bei einem kirchlichen Träger

Bei Kirche denkst du zuerst an Pfarrpersonen? Dabei gibt es dort deutlich mehr Ausbildungswege.

Vor allem die Diakonie bildet in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Kitas und Sozialstationen aus – etwa Erzieher*innen und Pflegekräfte.

Dazu kommen Berufe, bei denen du den kirchlichen Träger vielleicht erst auf den zweiten Blick bemerkst:

  • Physiotherapeut*in
  • Logopäd*in
  • Ergotherapeut*in
  • kaufmännische Berufe 

Wichtig dabei: Du lernst keinen Beruf, den es nur bei der Kirche gibt. Mit dem Abschluss kannst du später auch bei anderen Arbeitgebern arbeiten.

„Herzen hoch für dich!“ zum Ausbildungsstart

„Schaffe ich das? Passe ich da rein? Finde ich nette Kolleg*innen?“ Solche Gedanken begleiten viele beim Start ins Berufsleben.

Anfang September greift die evangelische Kirche diese Wünsche und Sorgen mit der bundesweiten Aktion „Herzen hoch für dich!“ auf. Auszubildende können vorher einen persönlichen Wunsch für ihre Ausbildungszeit einreichen – allein, als Klasse oder Ausbildungsgruppe. Schick einfach „Herz“ per WhatsApp an 06232 667 146.

Die Teilnahme ist kostenlos und unabhängig von einer Kirchen- oder Religionszugehörigkeit.

Zur Aktionswebsite herzenhoch.de

Online oder telefonisch gibt es viele Hilfsangebote. Nach Hilfe fragen und sie annehmen ist völlig in Ordnung. Trau dich!
gettyimages/pocketlight

Hol dir Hilfe, wenn es zu viel wird

Nicht jeder schwierige Ausbildungsstart lässt sich mit einer Pro-und-Contra-Liste lösen.

Wenn Sorgen, Druck oder Ängste größer werden, gibt es Anlaufstellen, bei denen du sprechen oder schreiben kannst. Die evangelische Mail-Seelsorge „landunter“ richtet sich anonym und kostenlos an junge Menschen. 

„Land unter“: Mail-Seelsorge für junge Menschen

Die Telefonseelsorge erreichst du unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Für Menschen unter 25 bietet krisenchat außerdem rund um die Uhr kostenlose Beratung über WhatsApp und SMS.

Erster Monat Ausbildung: Es muss nicht alles klappen

Lena musste lernen, Glas zu schneiden. Luisa arbeitete bei minus zwölf Grad auf einem Gerüst. Matthias begann bei einer Bank und landete später beruflich bei der Kirche.

Der Start sagt noch nicht, wie gut du deinen Beruf irgendwann beherrschst – oder wo du in zehn Jahren arbeiten wirst.

Du darfst lernen, Fragen stellen, deine Meinung ändern und Unterstützung annehmen. Und wenn du gerade vor allem hoffst, nette Kolleg*innen zu finden, morgens nicht zu verschlafen und irgendwie durch die Berufsschule zu kommen, ist das völlig in Ordnung.

Dieser Inhalt wurde mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt.