Der Beruf sei hart, erklärten ihr die Eltern. Vor allem, wenn sie sich als Steinmetzin später selbständig machen wolle. Das weiß auch Luisa Lüttig. Aber sie ließ sich nicht von ihrem Berufswunsch abbringen. Die einzige Bedingung ihrer Eltern war: Sie sollte ihre Lehre nicht in der heimischen Werkstatt, sondern in anderen Steinmetzbetrieben absolvieren.
Bei Minusgraden auf dem Baugerüst
Die Göppingerin begann mit 15 Jahren ihre Ausbildung, mit 18 Jahren hielt sie ihren Gesellenbrief in der Hand. In dieser Zeit lernte sie verschiedene Betriebe in Deutschland und der Schweiz kennen.
Sie erinnert sich: „Ich saß bei Minus 12 Grad auf einem Gerüst in Zürich und habe eine Fassade restauriert. Aber ich kann definitiv sagen, dass ich auch bei der Kälte meinen Job geliebt habe.“
Handwerk gilt als Männerdomäne
Obwohl es für sie nicht immer ganz einfach war: Vor allem in einem Beruf, der bei vielen noch als Männerdomäne gilt. Das ärgerte sie manchmal. „Als Frauen im Handwerk haben wir ein härteres Standing, weil uns gewisse Berufe nicht zugetraut werden. Aber das sind für mich altbackene Vorurteile.“
Heute arbeitet die 27-Jährige im Betrieb ihrer Eltern in Göppingen und ist Steinmetzin und Steinbildhauermeisterin in der fünften Generation.
Ich wollte immer etwas mit meinen Händen schaffen.
Sie ist begeistert, wie vielfältig ihr Beruf dabei ist. „Viele denken bei Steinmetzen nur an Grabsteine. Aber wir sind auch in der Denkmalpflege, im Baubereich, in der Bildhauerei oder auch in der Gestaltung von Bädern und Fußböden tätig“, erklärt sie.
Sie ist fasziniert vom Stein als Material, denn kein Stein gleiche dem anderen. Steine seien über Millionen von Jahren entstanden und entstehen immer weiter. Deshalb fühle sie eine gewisse Ehrfurcht, dass sie aus Steinen etwas Bleibendes erschaffen kann.