Gesellschaft

Rollstuhlgerechte Wohnung: Was wichtig ist

Lucas sitzt im Bad vor dem Waschbecken
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Barrierefrei wohnen bleibt für viele Menschen im Rollstuhl schwierig. Lucas zeigt seine Realität in „Wheel Life“.

Eine passende Wohnung zu finden, ist für viele Menschen echt schwer. Für Rollstuhlfahrer*innen wird die Suche oft noch komplizierter. Viele Wohnungen scheiden direkt aus, weil sie Stufen vor dem Eingang haben, das Bad zu eng ist oder die Küche kaum nutzbar ist.

In der indeon-Serie „Wheel Life“ zeigt Lucas Zehnle seinen Alltag im Rollstuhl. In dieser Folge geht es um barrierearmes Wohnen und die Frage: Wie schwer ist es wirklich, eine passende Wohnung zu finden? Das Video siehst du oben ⬆️ in unserem Artikel oder auf YouTube.

Barrierefreies Wohnen bedeutet mehr als Komfort. Wer ohne fremde Hilfe und komplett selbstständig duschen, kochen oder essen kann, gewinnt Sicherheit und Lebensqualität.

Lucas kennt diese Herausforderungen. Er sitzt seit seiner Kindheit im Rollstuhl. Als Host von „Wheel Life“ zeigt er, mit welchen Barrieren Menschen mit Behinderung im Alltag leben. In dieser Folge nimmt er uns mit durch seine Wohnung und zeigt, wie rollstuhlgerecht sie wirklich ist.

Lucas lebt barrierearm
indeon/Wheel Life
Lucas zeigt uns seine Wohnung

Barrierefrei, barrierearm und rollstuhlgerecht

Auf dem Wohnungsmarkt tauchen oft Begriffe wie barrierefrei, barrierearm oder rollstuhlgerecht auf. Viele Menschen verwechseln sie. Dadurch entstehen falsche Erwartungen an Wohnungen. 

Barrierefrei

Eine barrierefreie Wohnung lässt sich ohne besondere Hürden nutzen. Dazu gehören:

  • stufenlose Zugänge
  • ausreichend Bewegungsfläche
  • gut erreichbare Räume

Barrierearm

Eine barrierearme Wohnung reduziert einzelne Hürden. Einige Barrieren bleiben aber bestehen.

Rollstuhlgerecht

Eine rollstuhlgerechte Wohnung ermöglicht Rollstuhlfahrer*innen, sich selbstständig und sicher in allen Räumen zu bewegen.

Lucas lebt barrierearm

Nach diesen Definitionen ist Lucas Wohnung barrierearm. In „Wheel Life“ begleitet indeon Lucas durch unterschiedliche Alltagssituationen — von Mobilität bis Wohnen. Diese Folge zeigt, welche Hürden auch in einer gut nutzbaren Wohnung bleiben.

Barrierearmes Wohnen beginnt nicht an der Wohnungstür. Auch das Umfeld entscheidet darüber, wie selbstständig Menschen ihren Alltag organisieren können. Beispielsweise sind Parkmöglichkeiten vor dem Haus und einfacher Zugang zur Wohnung wichtig. 

„Die anderen Bewohner des Hauses parken in der Tiefgarage. Da kann ich nicht ein- und aussteigen“, erklärt Lucas. Deswegen brauchte er eine Alternative: „Die Lösung war, dass ich einen Behindertenparkplatz vor der Haustür bei der Stadt beantragt habe. Das hat bei mir super funktioniert.“

Lucas erreicht seine Wohnung mit einem Aufzug. Die Räume sind ebenerdig und bieten genug Platz für seinen Rollstuhl. Auch das Bad funktioniert für ihn gut. „Für mich sind am wichtigsten, dass ich direkt an die Toilette heranfahren kann, dass das Waschbecken niedrig genug ist und ich selbst in die Dusche komme. Das geht hier alles.“

Trotzdem stößt er im Alltag auf ein paar Hürden in seiner Wohnung

  • Waschbecken und Spiegel hängen etwas zu hoch
  • Die Dusche hat eine kleine Stufe
  • Arbeits- und Kochfläche liegen auf Hüfthöhe für stehende Menschen

 Um sich im Spiegel zu sehen, setzt sich Lucas deswegen auf die Lehne seines Rollstuhls. Beim Kochen kann er in große Töpfe nur schwer hineinschauen.

Warum ist die eigene Wohnung so wichtig?

Eine eigene Wohnung ist Rückzugsort, Arbeitsplatz, Sozialraum und Erholungsort. Für Menschen mit Behinderung kann sie aber noch mehr sein: ein Ort, an dem Selbstständigkeit überhaupt erst möglich wird. 

Wenn wesentliche Abläufe ohne fremde Hilfe funktionieren, entlastet das den Alltag körperlich und mental. Das wiederum bedeutet mehr Energie für Freizeit, Beziehungen oder Beruf. 

Dass barrierefreier Wohnraum fehlt, zeigen auch aktuelle Zahlen. Laut Aktion Mensch sind nur rund 2,5 Prozent der Wohnungen in Deutschland vollständig barrierefrei. Gleichzeitig steigt der Bedarf. Bis 2035 fehlen nach Schätzungen rund 3,7 Millionen barrierefreie Wohnungen.

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD weist darauf hin, dass fehlender barrierefreier Wohnraum Menschen mit Behinderung im Alltag stark einschränkt. Eine passende Wohnung entscheidet deshalb nicht nur über Komfort, sondern oft darüber, wie selbstständig Menschen leben können. 

Lucas kocht in der Küche
indeon/Wheel Life
Lucas hat in der Küche Probleme: Die Arbeitsfläche ist zu hoch

Checkliste für die Wohnungsbesichtigung im Rollstuhl

  • Außenbereich: gibt es Stufen oder schmale Zugänge?
  • Parken: ist ein sicheres Ein- und Aussteigen möglich?
  • Hauseingang: kommst du selbstständig rein?
  • Aufzug: vorhanden und groß genug?
  • Türen: breit genug und leicht zu öffnen?
  • Flur: genug Bewegungsfläche zum Drehen?
  • Bad: sind Toilette, Waschbecken und Dusche erreichbar?
  • Küche: sind Arbeitsfläche, Lagerfläche und Spüle nutzbar?
  • Schlafzimmer: genug Platz neben dem Bett?

Viele Menschen mit Behinderung wohnen wie Lucas nicht in einer vollständig barrierefreien Wohnung. Sie wohnen in Wohnungen, die im Alltag größtenteils funktionieren. Das ist die Realität auf dem angespannten Wohnungsmarkt.

Wohnungssuche mit Gehbehinderung

Du merkst, der Wohnungsmarkt ist für Menschen mit Behinderung alles andere als ideal. „Die Wohnungssuche an sich ist eine Herausforderung für alle“, sagt Lucas. 

Für Rollifahrer*innen fallen ganz viele Wohnungen aber schon automatisch raus. Deshalb teilt Lucas in der aktuellen „Wheel Life“-Folge Tipps für die Wohnungssuche.

Filter auf Immobilienportalen nutzen

„Auch wenn dadurch viele Angebote wegfallen: Die Filter sparen Zeit“, erklärt Lucas. Suche gezielt nach:

  • Aufzügen
  • Erdgeschosswohnungen
  • barrierearmen Merkmalen

So vermeidest du unnötige Besichtigungen.

Besondere Anforderungen früh ansprechen

„Ich habe den Vermietern schon vorher gesagt, dass ich im Rollstuhl sitze“, sagt Lucas. 

Das schafft Klarheit und spart Zeit. Lucas hat trotzdem schlechte Erfahrungen gemacht. Manche Vermieter*innen hätten Angst davor gehabt, sein Rollstuhl könnte die Wohnung beschädigen.

Wohnung vor Ort kritisch testen

Prüfe jede Wohnung kritisch:

  • Hast du genug Platz?
  • Kommst du überall hin?
  • Funktioniert der Alltag selbstständig?

Arbeite die wichtigsten Punkte praktisch durch.

Lucas schaut in die Kamera, während er vor dem Waschbecken sitzt
indeon/Wheel Life
Im Bad sind Waschbecken und Spiegel ein bisschen zu hoch für Lucas

Hilfe bei Diskriminierung und Fördermöglichkeiten

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hilft und berät bei Benachteiligung wegen einer Behinderung. Der Deutsche Mieterbund bietet allgemeine Informationen rund um Mietrecht, Umbauten und Rechte von Mieterinnen und Mietern. Fördermöglichkeiten für deine Wohnung kannst du zum Beispiel bei der KfW prüfen lassen.

Diskriminierung bei der Wohnungssuche

Menschen mit Behinderung dürfen aufgrund dieser nicht benachteiligt werden. In der Praxis bleibt Diskriminierung oft schwer nachweisbar. 

Die Sorge vor möglichen Schäden durch einen Rollstuhl reicht nicht als Ablehnungsgrund aus. Viele Vermieter*innen nennen ihre tatsächlichen Gründe aber nicht offen.

Wenn du dich diskriminiert fühlst:

  • dokumentiere den Vorfall
  • sichere Nachrichten oder Aussagen
  • hole dir rechtliche Beratung

Lucas Homestory auf YouTube

Du willst sehen, wie Lucas wohnt und welche Tricks ihm den Alltag erleichtern? Dann check die komplette Folge „Wheel Life“ auf YouTube aus. Lucas zeigt dir in der Folge auch seine Sneaker-Sammlung, seinen Handbike-Home-Trainer und was für ihn ein Zuhause ausmacht.

Auf dem indeon-Kanal erscheinen regelmäßig neue Folgen von „Wheel Life“. Für mehr exklusive Inhalte schau auf: 

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