Gesellschaft

Barrierefrei-Check auf dem Cannstatter Wasen

Rollstuhl meets Achterbahn
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Wir waren mit Lucas für „Wheel Life“ auf dem Cannstatter Wasen und haben gecheckt, wie inklusiv das zweitgrößte Volksfest Deutschlands ist.

Der Cannstatter Wasen bedeutet für viele Stuttgarter*innen: 

  • Feiern
  • Abenteuer
  • Begegnung

Für Menschen mit Rollstuhl oder anderen Einschränkungen entscheidet sich der Spaß aber oft an ganz praktischen Fragen: Komme ich in die Festzelte? Gibt es Stufen? Wie funktioniert das Einsteigen bei den Fahrgeschäften? Und wer hilft mir, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt?

In unserer Serie „Wheel Life“ checkt Lucas Orte, Events und Alltagssituationen auf Barrierefreiheit. Als Host zeigt er, wie zugänglich unsere Welt wirklich ist – aus seiner Perspektive als Rollstuhlfahrer. 

Für diese Folge hat Lucas den „Wasen-Check“ gemacht: Wie barrierefrei ist das zweitgrößte Volksfest Deutschlands? Und was können Veranstalter*innen konkret verbessern?

Für diesen Beitrag haben wir 2025 mit Lucas den Cannstatter Wasen besucht. Vom 18. April bis zum 10. Mai findet das Stuttgarter Frühlingsfest statt. Das Fest ist auf dem gleichen Gelände und viele der Stände, die wir besucht haben, stehen auch jetzt wieder dort. Allerdings ist das Frühlingsfest etwas kleiner als der Wasen. 

Lucas konnte mit Rollstuhl Riesenrad fahren
Jan Hanicz
Lucas konnte mit Rollstuhl Riesenrad fahren

Der Weg auf den Wasen: Barrierefreiheit schon beim Ankommen

Barrierefreiheit beginnt nicht erst am Festzelt oder an der Achterbahn. Sie entscheidet sich bereits auf dem Weg zum Gelände und in den Basis-Services. Positiv fällt sofort auf: Das Festgelände ist ebenerdig.

Was den Unterschied für Menschen mit Behinderung macht:

  • asphaltierte Wege für Rollstuhl oder Rollator
  • kurze Distanzen
  • barrierearme Toiletten mit zusätzlicher Ausstattung
  • Hebekran und Wickeltisch für Menschen mit Unterstützungsbedarf

Genau solche Details entscheiden darüber, ob ein Besuch stressig oder entspannt verläuft. 

An einem Dienstaggabend konnte Lucas auf dem Wasen weit vorne parken und sich auf dem Gelände problemlos bewegen. Eine Einschränkung sieht er trotzdem: „Am Wochenende wird es schwieriger. Wenn alles voll ist, sehe ich in der Menge nur wenig.“

Inklusion auf dem Gelände: Was der Veranstalter konkret tut

Der Cannstatter Wasen

  • Fläche: rund 25 Hektar.

  • Erstmalig genutzt: 1818

  • Hauptveranstaltung: das Cannstatter Volksfest

  • Dauer des Volksfests: 17 Tage

  • Besucherzahl: im Schnitt 4 Millionen

  • Betriebe: etwa 300

„Der Wasen ist ein Volksfest, und das Volk umfasst alle Menschen, die auf diesem Planeten unterwegs sind“, sagt Thomas Heibel. Er ist einer der Verantwortlichen für das Barrierefreiheitskonzept. Barrierefreiheit sei aufwändig, aber notwendig. 

Warum Barrierefreiheit für Schausteller*innen eine Hürde ist

Auch das spricht Heibel offen an: Barrierefreiheit sei zwar notwendig, aber auch teuer. Die Lösung für die „in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft“ sind Anreizsysteme - wer bestimmte Barrierefreiheits-Elemente anbietet, erhält bessere Bewertungen beid er Platzvergabe. Das können beispielsweise sein:

  • passende Schilder, Bemalung und Beleuchtung zur Orientierung
  • Warenangebot und Service-Elemente, die den Besuch erleichtern
  • besondere Ausstattung für Menschen mit Behinderung

Das ist wichtig, weil es zeigt: Inklusion klappt besser, wenn es nicht nur „Wunsch“, sondern ein System mit Planung, Bewertung und Umsetzung ist.

Lucas steigt aus einer Achterbahngondel aus
Claudio Murmann
Lucas hat eine barrierefreie Achterbahn auf dem Cannstatter Wasen getestet

Check Fahrgeschäfte mit Wheel Life: Diese Attraktionen sind barrierefrei

Fahrgeschäfte sind zentral für das Wasen-Erlebnis. Genau hier zeigt sich, wie unterschiedlich Barrierefreiheit umgesetzt ist. Für diese „Wheel Life“-Folge hat Lucas mehrere Attraktionen getestet.

Achterbahn: Rampe, Zugang und Begleitung

Beim Rock’n’Roller-Coaster fällt Lucas zuerst die Rampe auf. Sie ermöglicht Rollstuhlfahrer*innen den Zugang zur Gondel. Doch entscheidend ist nicht allein die bauliche Lösung, sondern der Ablauf im Betrieb.

Das Team an der Achterbahn unterstützt beim Ein- und Aussteigen. Eine Begleitperson ist Voraussetzung für die Fahrt. Falls keine da ist, stellt der Betreiber Lutz Vorlop eine zur Verfügung. Nach der Fahrt wartet der Rollstuhl bereits am Ausgang. Das klingt nach Kleinigkeiten, macht aber den gesamten Prozess verlässlich und alltagstauglich.

Fazit: Lucas konnte hier schnell und problemlos Achterbahn fahren. Der Ablauf ist klar, die Unterstützung verlässlich, die Fahrt ohne große Hürden möglich.

Lucas fährt Autoscooter mit Handgas
Jan Hanicz
Lucas fährt Autoscooter mit Handgas

Autoscooter: Selbstständigkeit durch technische Anpassung

Beim Autoscooter wird sichtbar, wie technische Anpassungen echte Teilhabe ermöglichen. Ein speziell umgebautes Fahrzeug erlaubt Menschen mit Gehbehinderung, selbst zu fahren. Ein Rückhaltebügel stabilisiert den Oberkörper. Das integrierte Handgas ersetzt die Pedale. So bleibt die Steuerung eigenständig möglich.

Für Lucas ist das ein entscheidender Unterschied: Er sitzt nicht nur mit, sondern fährt selbst.

Auch Betreiber Thomas Hahn beschreibt den Effekt solcher Anpassungen nicht nur technisch, sondern emotional. Eine Besucherin im Rollstuhl konnte hier erstmals seit ihrem Unfall wieder selbst Autoscooter fahren.

Fazit: Lucas und das Team hatten viel Spaß beim Drehen, Fahren und Rammen. Der Autoscooter zeigt, wie niedrigschwellige Umbauten große Wirkung entfalten. Die Nutzung ist intuitiv, der Zugang direkt, das Erlebnis selbstbestimmt.

Riesenrad: Zugang möglich, Selbstständigkeit begrenzt

Beim Riesenrad steht eine umgebaute Gondel bereit. Über eine Rampe gelangen Rollstuhlfahrer*innen hinein. Mehrere Mitarbeitende unterstützen beim Einstieg.

Oben angekommen bietet sich der klassische Wasen-Blick über Stuttgart – ein Erlebnis, das auch für viele andere Besucher*innen zentral ist.

Gleichzeitig wird hier eine Grenze sichtbar: Ohne Hilfe funktioniert der Einstieg nicht. Barrierefreiheit ist vorhanden, aber nicht vollständig unabhängig nutzbar.

Fazit: Nicht vollständig barrierefrei, da Unterstützung notwendig war. Aber im Riesenrad selbst war genug Platz für Lucas und unser Filmteam, die Aussicht über das Gelände ist einmalig. Volle Empfehlung.

Lucas sitzt mit Rollstuhl am Kopfende einer Bierbank
Aaron Kniese
Lucas prostet im Festzelt auf dem Wasen

Festzelt mit dem Rollstuhl

Auch das Festzelt gehört zum Wasen einfach dazu: Musik, Stimmung, gutes Essen und die ein oder andere Maß Bier. Für viele ist es der zentrale Ort des Abends.

Der Zugang ist unkompliziert: Es gibt keine Stufen, der Eingang ist ebenerdig. Lucas hat schnell einen freien Tisch am Kopfende einer Bierbank gefunden. Von dort hat er die Bühne im Blick und ist mittendrin

Aber Grenzen bleiben: Einige Bereiche wie die Logen sind nicht erreichbar. Und wenn das Zelt voller wird, verschlechtert sich seine Sicht und Orientierung. Menschen stehen, bewegen sich dicht an dicht, Wege werden enger. Für Lucas bedeutet das: weniger Überblick, mehr Unsicherheit: „Wenn alle größer sind als du, siehst du dann gar nix mehr.“

Fazit: Der Zugang ins Festzelt funktioniert gut, die Teilnahme am Geschehen ist möglich. Mit steigender Auslastung sinkt jedoch die Orientierung deutlich. Barrierefreiheit stößt hier an praktische Grenzen.

Praktische Tipps für deinen Wasen-Besuch

Bei einem großen Volksfest gibt es immer Unterschiede zwischen den Ständen. Aus Lucas Eindrücken lässt sich eine klare Strategie ableiten.

Lucas' Tipps: Nicht nur „finden und hoffen“, sondern Planung macht den Unterschied:

  • sprich Betreiber*innen aktiv an
  • plane deine Route
  • prüfe Angebote im Voraus
  • realistische Erwartungen setzen
  • bleib flexibel

Lucas ist sich sicher: Gerade dieses „aktiv anfragen“ verändert den Tag spürbar. So holst du mehr aus deinem Besuch heraus.

Wo braucht es mehr inklusive Angebote?

Teilhabe ist wichtig

Volksfest, Konzerte, Freizeitparks oder Museen: Wie barrierefrei sind unsere Kulturangebote?

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Das große Fazit: Was den Wasen für alle stark macht

Diese „Wheel Life“-Folge zeigt: Der Wasen kann ein Ort für echte Teilhabe sein – wenn drei Dinge zusammenspielen:

  • Infrastruktur (Wege, Toiletten, ebenes Gelände)
  • angepasste Fahrgeschäfte (Rampe, Zugang, passende Sicherungen und Bedienhilfen)
  • freundliche Umsetzung im Betrieb (klare Abläufe, Begleitung, Hilfe beim Ein- und Aussteigen)

Und ja: Es gab auch Stände, die schwieriger erreichbar waren. Genau deshalb hilft dir der „Wasen-Check“, damit du weniger Zeit für die Planung und mehr Zeit für Spaß auf dem Festgelände hast. 

Schau dir die komplette „Wheel Life“-Folge zum Wasen direkt hier im Artikel oder auf unserem YouTube-Kanal an. Unterstütze gerne „Wheel Life“mit deinem Abo: So verpasst du keine neue Folge und kannst ein Zeichen für mehr Inklusion setzen.