Mission Naturschutz

Naturschützer und Techno-DJ: Dominik Eulberg

Ein Mann sitzt zwischen dem GEäste eines Baumes.
Natalia Luzenko

Laute Bässe und das leise Zirpen der Grillen sind für ihn kein Widerspruch: Dominik Eulberg mixt in seine Technomusik Laute von Tieren.

von Florian Riesterer

Töne, die wie ein Blubbern klingen, sind zu hören, lösen sich langsam aus einem Klangteppich, werden präsenter, um schließlich in ein Stakkato zu münden, das abbricht, bevor es wenige Millisekunden später von Neuem beginnt.

Was Techno-DJ Dominik Eulberg im Historischen Museum der Pfalz in Speyer serviert, lässt staunen, handelt es sich doch um tierische Laute, die für den Menschen sonst unhörbar sind: Fledermäuse – musikalisch auf Synthesizer übertragen.

 

DJ und Komponist Dominik Eulberg hat Artenschutz als Mission

Staunen ist das „Werkzeug“ Eulbergs. Er, seit vielen Jahren international erfolgreich als DJ und Komponist, hat eine Mission: den Artenschutz.

Wir schützen nur, was wir schätzen.

Mit diesem Ansatz versucht er seit vielen Jahren die Einzigartigkeit der Natur vor der Haustür greifbar zu machen.

Bildkarten, auf denen Vögel zu sehen sind.
Florian Riesterer
Das Gezwitscher verschiedener Vogelarten hat DJ Domink Eulberg für eine Spiel verarbeitet.

Alarmistische, dramatische Nachrichten über das Artensterben gebe es genug, sagt der studierte Biologe. „Das lässt abstumpfen, abschalten.“ Eulberg will dagegenhalten mit einem positiven Anspruch: das Wunder des Lebens begreifen.

DJ Eulberg ist in der Natur zu Hause

Seit seiner Kindheit fühlt sich Eulberg in der Natur zu Hause. Geboren in Westerburg im Westerwald, wächst er nahe an Wäldern und Seen auf.

„Ich bin ohne Fernseher groß geworden“, sagt er. Sein Vater, Biologielehrer, bringt ihm die Tiere nahe. Eulberg nimmt Vogelstimmen auf, richtet sich in seinem Kinderzimmer ein Studio ein und verfremdet das Zwitschern mit Synthesizern. „Öko-Techno“ nennt das die Szene-Zeitschrift „Groove“.

Leben in der selbstgebauten Hütte

In Bonn studiert Dominik Eulberg Biologie und Ökologie mit dem Schwerpunkt Naturschutz, geht anschließend für ein Forschungsprojekt an die Müritz. Als das Geld dafür plötzlich eingestellt wird, entscheidet er sich, in einer selbst gebauten Hütte zu bleiben. Ohne Strom, ohne fließendes Wasser. Das Erlebnis sei unbeschreiblich gewesen. „Ich habe gemerkt, dass die Natur ein kostengünstiger Weg ist, das Glück zu finden“, sagt er.

Biologe und Musiker

Der Erfolg, den er mit seiner Musik hat, lässt ihm den Raum, bei der Wahl seiner Projekte „auf sein Bauchgefühl zu hören“. Ungern sei er nur Musiker, lasse sich nicht gerne in eine „Box quetschen“. Im Museum in Speyer begegnet er so in der Familienausstellung „Expedition Erde“ (bis zum 16. Juni 2022) den Besuchern in zweifacher Hinsicht: als Biologe und Musiker. Eulberg hat das Sounddesign für die Museumsräume entworfen. Zu hören sind beispielsweise auch Regenwürmer.

Kreatives Schaffen während der Corona-Pause

Dominik Eulberg hat zwei neue Spiele entwickelt, in denen Vögel und ihre Stimmen beziehungsweise ihr Gefieder die Hauptrolle spielen. Eines davon heißt „Avichrom“, wie sein im März 2022 erscheinendes neues Studioalbum Avichrom. Erhat es in Zusammenarbeit mit Gaia Games entwickelt, einem Spielekollektiv, dem es um Nachhaltigkeit und Plastikfreiheit geht. Für den Arte-Film „Wilde Bienen“ („Im Wald der wilden Bienen“ bis zum 3. April 2022 in der Arte-Mediathek verfügbar) hat er die Musik komponiert. Aktuell sitzt Eulberg an einem neuen Buch.

DJ Eulberg will die Menschen mit allen Sinnen erreichen

„Wir müssen die Menschen lustvoll erreichen, mit allen Sinnen“, sagt Eulberg. Wohl auch deshalb gehören zu seinen Musikstücken aufwendig gestaltete Videos. „Jedes Lebewesen ist ein Individuum, ein anmutiges und schützenswürdiges Zeugnis des Seins. Ekel und Abstoßung sind nur Ausdruck einer verrückten Blickweise“, ist seinem Stück „Eintagsfliege“ vorangestellt, offiziell „ausgezeichneter Beitrag der UN-Dekade Biologische Vielfalt“.

Mit christlichen Werten erzogen

„Ich bin froh, dass ich mit christlichen Grundwerten erzogen worden bin“, sagt Eulberg, der in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen ist. Als Kind war er Messdiener.

Mit der Nächstenliebe und den Zehn Geboten.

Auch wenn er sich heute nicht als streng gläubig bezeichnen würde und kein Kirchgänger sei, so merke er doch, „es gibt auf jeden Fall etwas, was dahintersteht hinter allem“. Dies lehre ihn gerade die Wissenschaft.

Unbekanntes zwischen Himmel und Erde

 Zuerst einmal entzaubere Wissen das kindliche Staunen über die Dinge. „Doch je mehr man forscht, desto mehr merkt man, dass man gar nichts versteht“, sagt Eulberg. „Es gibt so viel mehr zwischen Himmel und Erde, das wir nicht verstehen können. Und auch gar nicht brauchen.“

Als Beispiel nennt er das noch immer ungelöste Geheimnis der Metamorphose einer Raupe. „Eine glibberige Raupe verdaut sich selbst, begeht quasi Selbstmord.“ Und dies überlebten letztlich nur wenige bisher funktionslose Zellen auf dem Rücken des Tiers, aus dem dann ein Schmetterling werde. Auch wie der Specht sein Gehirn vor Schäden schütze, indem er es beim Hämmern mit seiner eingerollten Zunge umschließe, lasse staunen.

DJ Domink Eulberg steht auf einem Balkon, vor ihm das Publikum.
Klaus Landry
Techno-DJ Domink Eulberg nutzt seinen musikalischen Erfolg für den Naturschutz.

Buch-Infos: Mikroorgasmen überall

Eulberg nutzt seine Bekanntheit auch für politische Botschaften mit Blick auf die Umwelt.

Dominik Eulberg: Mikroorgasmen überall. Eichborn, 2021. 352 Seiten, 25 Euro.

Im Vorwort warnt er, die Menschheit sei gerade dabei, sich selbst abzuschaffen. Auf seinem Facebook-Profil wirbt er etwa für die Idee des Gemeinwohlprodukts. Nicht der Wert der umgesetzten Waren sollte den Zustand der Wirtschaft bemessen, sondern ob sie nachhaltig sind oder dem Menschen langfristig schaden.

www.dominik-eulberg.de

Umweltschutz, Artenschutz und Naturschutz auf allen Ebenen verbinden

Eulberg will dieses kindliche Staunen über die Wunder der Natur bei seinen Auftritten als DJ zurückholen. Die verbindet er gerne mit Vorträgen und Exkursionen. Wenn er dann einem Schmetterling hinterher sprinte, sagten die Leute: „Hey, das habe ich als Kind auch immer gemacht.“ Er frage dann: „Ja, warum jetzt denn nicht mehr?“

Nach solchen Gesprächen bekomme er dann Mails, in denen ihm Leute dankbar erklärten, wie sie versuchten, die Natur mehr wertzuschätzen. Wenn er bei seinen Spaziergängen vor der Haustür eine besonders schöne Raupe findet, darf diese sich in seinem Terrarium zu Hause mit Blick auf die Westerwälder Seenplatte entwickeln, sagt Eulberg beim Videointerview.

Mehr Staunen erzeugen könne sicher auch die Kirche, die sich ja seit vielen Jahren um den Umweltschutz bemühe, sagt Eulberg. „,Ehret die Schöpfung‘ wäre mir zu schwammig.“ Es gehe darum, Schwingungen bei den Menschen zu erzeugen.

Die Dosis macht das Gift

Dabei sind Naturerlebnis und Naturschutz auch immer eine Gratwanderung, weiß auch der DJ. „Die Dosis macht das Gift“, sagt er mit den Worten von Paracelsus. In der Corona-Hochphase, als man vieles nicht durfte, seien die Leute raus zum Wandern oder Pilze sammeln. „Die sind dann auch in sensible Gebiete reingelatscht.“

Grundsätzlich sei er aber ein Freund davon, dass alle die Natur erfahren können. Durch die Reaktionen der Besucher auf seinen Exkursionen merke er, dass er als Techno-DJ Menschen erreiche, die wenig Bezug zur Natur hätten – was letztlich auch die stärkste Wirkung habe. „Die Wiesen, auf denen man noch nicht war, sind bekannterweise die fettesten.“

Kommt DJ Eulberg zum Evangelischen Kirchentag?

Dass er einmal beim Evangelischen Kirchentag auftritt, will Eulberg nicht ausschließen. Ermutigt dazu habe ihn zuletzt Margrit Wegner, Pastorin am Dom zu Lübeck. Denn immer neue Wege zu suchen, um die Menschen für die Natur einzunehmen, darum geht es ihm. Vielleicht also beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 2023 in Nürnberg

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