von Isabella Terán
Redaktioneller Hinweis: Dieser Text erzählt vom Verlust geliebter Menschen und insbesondere vom Tod mehrerer Kinder. Wenn dich solche Berichte über Tod, Trauer und den Verlust von Angehörigen sehr belasten oder dir nahegehen, lies den Text bitte nur, wenn du dich gerade dazu in der Lage fühlst – und vielleicht nicht allein.
Ein schwarzer Bildschirm zeigt den Namen von Gabriela Pérez. Die Internetverbindung beim Zoom-Interview mit Venezuela ist schlecht. „Ich kann dich hören“, sagt sie und ihr Gesicht erscheint auf dem Bildschirm.
Gabriela erinnert sich vor allem an die Menschen, die geholfen haben: „Es gab den Venezolaner, der mit Arepas zum Essen kam und sie verteilte. Es gab die Frau, die Kaffee gekocht und angeboten hat.“ Diese Menschen spenden Gabriela Hoffnung.
Das motiviert Gabriela. Sie hilft betroffenen Kindern und ihren Nachbarn. Die sind für sie inzwischen wie eine Familie. Gemeinsam suchen sie weiterhin nach Vermissten und verteilen Hilfsgüter. Dabei denkt Gabriela immer wieder an ihre Kinder und ihre Mutter. „Das gibt mir Kraft“, erzählt sie.
Gabriela wünscht sich mehr internationale Aufmerksamkeit für die Menschen in ihrem Land. Sie beschreibt fehlende Hilfsgüter, Medikamente und vor allem frisches Wasser. „Die Menschen dürfen La Guaira nicht vergessen“, fordert sie.
Auch Michael Frischmuth, Programmleiter der Diakonie Katastrophenhilfe und Regionaldirektor Europa, Lateinamerika und Asien, warnt davor, dass die Aufmerksamkeit zu schnell nachlässt. „Das Interesse für diese Krise und deren Folgen ist heute noch wichtig“, sagt er.
Deswegen baut Gabriela ihre Zukunft in der Hilfe für andere auf: Sie will sich ein neues Zuhause in Venezuela kaufen. Aktuell sammelt sie über die Crowd-Funding-Website „Help them directly“ dafür Gelder.
Dort möchte sie ihr Leben wieder aufbauen und ganz von vorne anfangen. Doch ihr neues Zuhause soll nicht nur ihr selbst gehören. Sie möchte eine Stiftung gründen, die langfristig Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützt – insbesondere Kinder, etwa durch psychologische und psychopädagogische Betreuung. Die Stiftung soll den Namen ihrer vier Kinder und ihrer Mutter tragen.
Sie bereut es, viel gearbeitet und deswegen Zeit mit ihren Kindern verpasst zu haben. „Das Leben kann sich in weniger als einer Minute ändern. Geld ist nicht alles. Geld ist nichts wert. Was am wertvollsten ist, ist die Zeit mit deinen Liebsten“, betont sie.
Hinweis der Redaktion: Das Gespräch wurde auf Spanisch geführt, die Zitate wurden übersetzt und sprachlich geglättet.