Sommer 2022: Drei Tage liegt Günther Lietz allein und bewusstlos in seiner Wohnung. Das ist das erste, was er mir erzählt. Er sagt, er habe nicht ungewöhnlich viel getrunken, aber die Hitze habe ihm zugesetzt. Nachbarn finden ihn, weil es „im Hausflur komisch gerochen“ habe.
Sein Körper habe Stopp gesagt. Stopp zum Alkohol. Da muss ich innerlich erstmal schlucken. Diese Szene bleibt in meinen Gedanken hängen. Sie zeigt, wie ernst die Lage war – und wie knapp es für ihn ausgegangen ist. Er wurde sofort in die Frankfurter Uniklinik gebracht und die Narben, die er bis heute davon trägt, erinnern ihn für immer daran.
Ich habe mein Kontingent an Schutzengeln aufgebraucht.
Günther beschreibt sich selbst als „Suchtmensch“. Das zeige sich auch in anderen Bereichen: beispielsweise beim Essen. Statt einem Stückchen Schokolade isst er die ganze Tafel, statt einem Schälchen Chips muss es die ganze Tüte sein. Solches Essverhalten kommt mir bekannt vor, ich kann mich selbst oft schlecht zügeln.
Als mir Günther während der Podcast-Aufnahme davon erzählt, wird mir klar: Bei Alkohol ist das bei mir glücklicherweise anders. Es darf auch wochenlang nichts sein oder nur ein Glas am Abend.