Beeindruckende Frauen

"Ich hatte Glück trotz allem"

epd-bild/ThomasRohnke

Trude Simonsohn überlebt als junger Mensch die KZ-Haft in Theresienstadt und Auschwitz. Ihren Traumata begegnete sie, indem sie über das Grauen sprach und mit großer Energie immer neue, in die Zukunft gerichtete Projekte anpackte.

Man geht nicht ungestraft durch so eine Hölle.

Im November 1942 wird sie mit ihrer Mutter ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort lernt sie ihren späteren Ehemann kennen, den Sozialpädagogen und Juristen Berthold Simonsohn. Im Oktober 1944 verschleppen die Nazis das Paar nach Auschwitz. Trude Simonsohn erinnert sich, wie der berüchtigte Lagerarzt Josef Mengele beide an der Rampe voneinander trennte und verschiedenen Arbeitskommandos zuteilte. Danach knipst sie ihr Erinnerungsvermögen aus und fällt in eine "Ohnmacht der Seele", wie sie vor fünf Jahren dem epd sagte.

Von der Roten Armee befreit

Zu sich kommt sie erst wieder im Lager Kurzbach, einem Außenlager des KZ Groß-Rosen, wo sie in bitterster Kälte Panzergräben ausheben muss und fast an einer schweren Durchfallerkrankung stirbt. Am 9. Mai 1945 wird sie schließlich im nahe gelegenen Lager Merzdorf von Soldaten der Roten Armee befreit. Ihr Mann erlebt das Kriegsende im Lager Kaufering, einer Außenstelle des KZ Dachau.

"Dass Berthold und ich überlebt haben, ist ein Wunder", sagt Simonsohn. Aber es hatte auch seinen Preis, denn beide sind von dem Lagerterror und der Zwangsarbeit körperlich und psychisch schwer gezeichnet. "Man geht nicht ungestraft durch so eine Hölle. Mein Mann hat deswegen gesagt: Wir müssen darüber reden, sonst schaffen wir das nicht."

Weitere Infos

  • Trude Simonsohn mit Elisabeth Abendroth: "Noch ein Glück. Erinnerungen". Wallstein-Verlag Göttingen 2013. 14,90 Euro
  • hr2-Kultur wiederholt am 25. März um 12.05 Uhr ein Gespräch mit Trude Simonsohn aus dem Jahr 2005.

Ein Leben als Zeitzeugin

Trude Simonsohn redet. Nach 1945 arbeitet sie für die jüdische Flüchtlingshilfe in der Schweiz, macht eine Ausbildung zur Krankenpflegerin und betreut tuberkulosekranke und traumatisierte jüdische Kinder. 1950 folgt sie ihrem Mann nach Hamburg, ein Jahr später kommt dort Sohn Michael zur Welt. 1955 zieht es die junge Familie nach Frankfurt am Main, wo Berthold die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland aufbaut. Sie selbst übernimmt in der jüdischen Gemeinde die Stelle für Sozialarbeit und Erziehungsberatung. Von 1989 bis 2001 ist sie Gemeinderatsvorsitzende. 

Von den Erlebnissen Jugendlichen berichten

1978, nach Bertholds plötzlichem Tod, meldet sich einer seiner Freunde bei Trude Simonsohn: Martin Stöhr, der Direktor der Evangelischen Akademie Arnoldshain. Er lädt sie zu einer Tagung ein, um über ihre Erlebnisse in der NS-Zeit zu berichten. Das ist die Initialzündung für ihre Rolle als Zeitzeugin, die sie knapp vier Jahrzehnte ausfüllt. "Ich habe getan, was ich konnte, was ich musste", bilanziert Simonsohn. "Dabei habe ich auch wunderbare junge Leute kennengelernt." Was aus diesen Begegnungen werde, hänge nun ganz von ihnen ab.