Fridays for Future

Interview: FFF-Aktivistin und FDPler über den Umweltschutz während Corona

Felix ist bei der FDP und Greta bei Fridays for Future
Marvin A. Ruder/Niklas Litzenberger

Fridays for Future bringt vor allem die Jugend auf die Straße. Für den Planeten und gegen die Folgen des Klimawandels. Am 25. September ist wieder Globaler Warnstreik und wir haben mal eine FFF-Aktivistin mit deinem Jung-FDPler zusammengebracht.

von Hermann Roth

Greta Waltenberg ist 18 Jahre alt und seit 2019 in der Organisation von Fridays for Future Mainz aktiv. 2021 will sie in den Landtag von Rheinland-Pfalz einziehen. Felix Kibellus ist 27 Jahre, IT Consultant, im Kreisvorstand der FDP Gießen und im Bundesvorstand der Jungen Liberalen. Beide nehmen den Klimawandel sehr ernst und wollen etwas für den Umweltschutz tun, aber wie soll das in einer weltweiten Pandemie klappen?

Wieso demonstriert Fridays for Future gerade jetzt wieder, während die Corona-Infektionszahlen wieder steigen, ist das nicht gefährlich?

Greta: Wir hatten genügend Zeit Infektionsschutzmaßnahmen für Demonstrationen zu erarbeiten. Aber wir können nicht Corona abwarten, um wieder für den Klimaschutz demonstrieren zu gehen. Es stehen in Deutschland und international wichtige Entscheidungen an, wie zum Beispiel in Europa das „EU Climate Law“ und die Landwirtschaftsreform und in Deutschland die „Erneuerbare Energien Novelle“.

Wir haben auch gesehen, dass ohne unsere Proteste Klimaschutz komplett von der Agenda verschwunden ist. Deswegen ist es eindeutig nötig, dass wir weiter demonstrieren. Die Klimakrise macht auch während Corona keine Pause. Und wir demonstrieren können, ohne massenhaft Menschen anzustecken, erachten wir das auch als legitim.

Ich vermute mal, die Jungliberalen kritisieren Fridays for Future?

Felix: Also erstmal kritisieren wir die Bewegung nicht. Ich persönlich finde die Bewegung generell sehr gut, weil ich junges politisches Engagement sehr sehr schätze. Was wir aber kritisieren ist die Pauschalität, mit der Forderungen gestellt werden, ohne dass sich die Aktivistinnen und Aktivisten damit beschäftigen, was denn das geeignetste Mittel ist, um das Ziel zu erreichen.

Uns geht es darum, dass verschiedenen Ideen gegeneinander aufgewogen werden, anstatt einfach Verbote zu fordern, ohne sich anzuschauen, was die Effekte davon sind und wer davon am meisten betroffen ist. Mein größter Kritikpunkt ist, dass Fridays for Future die Wissenschaft immer so hochhält, sich dann aber mit den Fakten gar nicht so auseinandersetzt.

Durch Corona sind viele Leute in Existenznöte geraten, und einige haben auch ihren Job verloren. Wieso sollen diese Menschen sich ausgerechnet jetzt für den Klimaschutz interessieren?

Greta: Klimaschutz ist nichts, was es „gerade jetzt“ zu machen gilt, sondern wir müssen durchgehend dran bleiben. Wenn wir uns nicht jetzt mit der Klimakrise beschäftigen und jetzt die Entscheidungen treffen, um die CO2-Emissionen stark zu senken, dann werden wir auch ganz ganz große andere Probleme haben. Probleme, die noch zu denen, die wir jetzt schon haben, dazukommen. Denn die Klimakrise ist jetzt schon eine humanitäre Krise und wird auch in einer wirtschaftlichen Katastrophe enden. Das können wir nicht verantworten, sondern da müssen wir, vor allem die Politik, in der Lage sein, mehrere Krisen gleichzeitig anzugehen.

Felix: Ich glaube, dass wir Umweltschutz auch in diesen Zeiten nicht vernachlässigen dürfen. Aber ich glaube auch, dass wir uns bei jeder Maßnahme überlegen müssen: „Wieviel kann ich damit überhaupt bewirken?“ Ich finde, man sollte genau das Maßnahmenpaket wählen, womit man dem Klima am meisten hilft, aber den Menschen am wenigsten schadet. Während Corona geht es vor allem darum, man schaut, wie können Arbeitsplätze erhalten und trotzdem das Klima geschützt werden. Ich kann mir vorstellen, dass erst einmal die Maßnahmen, die die Automobilindustrie betreffen zurückgestellt werden und dafür andere Punkte priorisiert werden.

Evangelische Kirche ruft zu weltweitem Klimaprotest auf

Unter dem Motto #KeinGradweiter hat Fridays for Future zum Kampf gegen die Klimakrise aufgerufen. Daran beteiligt sich auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. 

Hier findest du alle Infos zu den Aktionen und zum Klimaschutz-Auftrag in der EKHN

Durch Corona hat sich die Digitalisierung beschleunigt, CO2-Emissionen sind gesunken – siehst du Corona als Chance für den Klimaschutz?

Greta: Für mich ist das ein sehr zweischneidiges Schwert: Ich sehe keine Chance darin, dass während Corona weniger gereist wird, wenn es danach wieder weitergehen wird, wie bisher. Wir können uns nicht darauf verlassen, in dem „Corona-Status“ zu verweilen.

Ich sehe die Chance darin, diesen Einschnitt, den wir sowieso schon haben, zu nutzen, um die Weichen richtig zu stellen.

Felix: Ich glaube, dass Corona eine Chance bietet. Bei mir im Unternehmen wurde von einem Tag auf den anderen alles auf Homeoffice umgestellt. Eigentlich ein Job wo es hieß, „das geht niemals“ und auf einmal ging es doch. Dadurch fallen natürlich auch extrem viele Emissionen weg. Plötzlich fragen wir uns: Muss ich für jedes Meeting nach Amerika fliegen, oder geht das auch digital? Ich glaube da können wir durch Corona lernen, wie wir Klimaschutz umsetzen können.

Herzlichen Dank für das Gespräch