Gesellschaft

Social-Media-Verbot unter 16? Warum das zu kurz greift

Portrait von Jule und Portrait von Niklas - der Hintergrund ist freigestellt und sie blicken freundlich in die Kamera.
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Jule ist bei der EJHN Vorstandsmitglied und Jan-Niklas Vorsitzender.

Über Jugendliche wird gesprochen, ihre Zugänge sollen beschränkt werden – doch mitentscheiden sollen sie kaum. Dieser Gastkommentar fordert echte Beteiligung.

Social Media birgt Risiken für junge Menschen. Aber ausgerechnet Jugendliche von den Plattformen auszuschließen, greift zu kurz. Vor allem, wenn über ihren Schutz diskutiert wird, ohne sie ernsthaft zu beteiligen.

Genau das passiert in der Debatte um ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige. Die Lösung klingt einfach: Altersgrenze setzen, Zugang sperren. Nur liegt das Problem nicht allein bei den Jugendlichen, die Social Media nutzen. Es liegt auch bei den Plattformen, die mit Aufmerksamkeit und Daten Geld verdienen.

Social-Media-Verbot unter 16: Was Australien zeigt

In vielen Lebensbereichen fordert die Evangelische Jugend in Hessen und Nassau (EJHN) mehr echte Beteiligung. Wir, Jule und Jan-Niklas aus dem Vorstand der EJHN, lehnen ein pauschales Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige ab.

Wer vor allem Jugendliche aussperrt, verschiebt die Verantwortung.

Social Media: Verbote, Altersgrenzen, Pläne

Australien: Seit Dezember 2025 müssen große Plattformen verhindern, dass Unter-16-Jährige eigene Accounts nutzen. Verantwortlich hierfür sind die Plattformen.
EU - KIDS Act vorgeschlagen: Die EU-Kommission schlägt seit September 2026 ein Stufenmodell vor: unter 13 keinen Zugang zu Social Media, von 13 bis 14 nur elternverwaltete „Mini-Konten“ mit eingeschränkten Funktionen und maximal einer Stunde täglich, ab 15 ein eigenes Konto. Zusätzlich sollen Plattformen Angebote für Minderjährige sicherer gestalten. Bisher ist es nur ein Vorschlag.

Die ersten Erfahrungen aus Australien zeigen zumindest, dass eine Altersgrenze Social-Media-Nutzung nicht einfach beendet. Die australische Behörde eSafety Commissioner evaluiert das Gesetz und hat beobachtet: Vor dem dortigen Verbot nutzten rund 61 Prozent der befragten 10- bis 15-Jährigen Social Media täglich oder häufiger, drei Monate später waren es rund 58 Prozent. 

Gleichzeitig sank der Anteil der Kinder mit eigenen Accounts auf altersbeschränkten Plattformen. Die Daten sind eine frühe Momentaufnahme, eine einfache Erfolgsgeschichte erzählen sie bislang nicht.

Medienkompetenz muss erlernt werden

Unter 16 raus aus Social Media? Warum das nicht reicht

Und selbst wenn sich ein Verbot lückenlos durchsetzen ließe: Mit dem 16. Geburtstag bekommt niemand automatisch mehr Medienkompetenz.

Gleichzeitig sind digitale Räume für Jugendliche nicht nur Zeitfresser. Sie sind Orte für Austausch, Freundschaften und Beteiligung. 

Gerade wenn vor Ort Treffpunkte, Jugendräume oder passende Angebote fehlen, findet Gemeinschaft eben auch online statt. Wer diese Räume beschränkt, muss diejenigen beteiligen, die sie nutzen.

Was es stattdessen braucht

Portraitfoto von Jule
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Jugendschutz sollte nicht zuerst bei der Frage ansetzen, wie Jugendliche von Social Media ferngehalten werden. Sondern daran, wie sie dort sicherer unterwegs sein können und wer für die Risiken verantwortlich ist.

Medienbildung gehört zum Alltag. Junge Menschen sollten erkennen können, wie Empfehlungsalgorithmen ihre Aufmerksamkeit steuern, warum Plattformen ihre Daten sammeln und wie sie ihre Privatsphäre schützen können. Das lernt niemand automatisch mit dem Älterwerden.

Jugendschutz bei Social Media: Was wirklich helfen kann

Portrait von Jan-Niklas
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Plattformen müssen mehr Verantwortung tragen. Nicht Jugendliche haben Endlosscrollen, Empfehlungsalgorithmen und Geschäftsmodelle entwickelt, die möglichst viel Aufmerksamkeit binden sollen. Regulierung sollte deshalb dort ansetzen, statt die Folgen vor allem bei jungen Nutzer*innen abzuladen.

Und wer weniger Bildschirmzeit fordert, braucht ein Angebot für die Zeit daneben. Jugendzentren, Vereine, Sport, Musik und offene Treffpunkte kosten Geld und brauchen Räume. 

Werden solche Angebote weniger, ist es wenig überraschend, wenn ein größerer Teil des sozialen Lebens digital stattfindet.

Nichts über uns, ohne uns.

Vor allem aber fehlt in der Verbotsdebatte eine Perspektive erstaunlich oft: die der Jugendlichen selbst.

Wie die EJHN die Jugend vertritt

Die EJHN ist der eigenständige Jugendverband der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Dabei versteht sie sich als politische Interessenvertretung junger Menschen gegenüber Kirche, Politik und Gesellschaft. Beteiligung, Selbstorganisation und Selbstbestimmung gehören ausdrücklich zu ihrem Selbstverständnis.

Über sie wird gesprochen. Für sie sollen Regeln beschlossen werden. Ihre Zugänge sollen beschränkt werden. Nur mitentscheiden sollen sie kaum.

Beteiligung ist dabei kein Zusatz. Wer junge Menschen schützen will, kann ihre Perspektive nicht ausblenden. 

  • Welche Risiken erleben sie?
  • Warum nutzen sie bestimmte Plattformen?
  • Was würde ihnen tatsächlich helfen?

Jugendliche wissen selbst, wie digitale Angebote ihren Alltag prägen. Dieses Wissen ersetzt keine Forschung oder Regulierung, aber Entscheidungen, die ihren Alltag unmittelbar verändern, sollten nicht ohne sie getroffen werden.

Ein Social-Media-Verbot mag nach einer einfachen Antwort auf ein kompliziertes Problem klingen. Guter Jugendschutz stärkt junge Menschen, nimmt Plattformen in die Pflicht, schafft Alternativen – und entwickelt Lösungen nicht über ihre Köpfe hinweg.

Denn wem es um die Jugend geht, arbeitet mit der Jugend.

Über Jugendliche wird viel gesprochen. Aber werden sie auch gehört? Dieser Gastkommentar plädiert gegen ein pauschales Social-Media-Verbot und für mehr Medienbildung, stärkere Plattformregeln und echte Jugendbeteiligung.

Was wäre für dich guter Jugendschutz? Diskutier' mit uns auf unseren Social-Media-Kanälen:

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