Beauty-Filter und Co.

Selbstdarstellung auf Instagram: 3 Fragen an Psychologin Ada Borkenhagen

Instagram darya; phiaka; pamela_rf

Die Augen größer, die Lippen voller: Influencerinnen bearbeiten ihre Bilder mit Filtern. Damit vermitteln sie jungen Frauen ein falsches Schönheitsideal, warnt Psychologin Ada Borkenhagen.

Universität Magdeburg

Warum lassen wir uns auf Instagram und Co. eigentlich so hinters Licht führen? Wir wissen doch, dass bei Bildern sämtlicher Instagram-Schönheiten zehn Filter drüber sind oder etwa die Lippen aufgespritzt sind…

Ada Borkenhagen: Bilder haben einen sehr unmittelbaren Einfluss auf uns. Durch die sozialen Medien sind wir ständig von bearbeiteten Bilder umgeben, das ist unser Vergleichsmaßstab. Und wir vergleichen uns als Menschen sehr häufig mit anderen. Durch solche geschönten Bilder bekommen wir ein anderes Idealbild, mit dem wir uns vergleichen. Da hilft es zwar, dass wir wissen: Da ist das und das an der Person gemacht. Aber früher war das anders, da waren Models die schönen Menschen. Da wussten wir: Das sind Ausnahmepersönlichkeiten. So wie Claudia Schiffer oder Naomi Cambell. Heute wird uns durch Influencerinnen und auch durch Frauenzeitschriften suggeriert: Die Frau von nebenan kann auch so aussehen und zwar in jeder Minute ihres Lebens. Bei Models wussten wir, dass das Foto inszeniert ist. Influencerinnen posten aber oft Fotos in häuslicher Umgebung, im familiären Kreis, bei Freizeitaktivitäten und dadurch denken wir: So können wir im Alltag auch aussehen. Wir vergessen dann eben doch, dass das alles inszeniert ist. Influencerinnen sind täglich 24 Stunden damit beschäftigt uns eine ideale Welt vorzugaukeln. Das ist ihr Job.

Zur Person

Ada Borkenhagen ist Psychologin und Psychoanalytikerin in Berlin. Seit 2015 ist sie außerdem Privatdozentin an der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Magdeburg. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Körperoptimierung, Schönheitschirurgie und Schönheitsmedizin, Weiblichkeit, Identitäts- und Persönlichkeitsstörungen.

 

Warum ist das gerade für junge Mädchen gefährlich?

Borkenhagen: Gerade junge Menschen sind ja noch in der Entwicklungsphase, wo es darum geht, eigene Werte für sich zu finden. Man orientiert sich an der Peer-Gruppe. Heutzutage gehören in diese Gruppe auch Influencerinnen. Bei Jugendlichen spielen Vorbilder eine große Rolle. Und wenn die Idealzustände so propagieren, dann ist das ein Problem, weil man wirklich glaubt, so muss man aussehen und man nicht hinterfragt, dass das vielleicht alles Fake ist. Wir haben ein kognitives und ein emotionales Wissen. Kognitiv weiß man: Das ist inszeniert. Emotional erscheint es trotzdem so, als wäre es möglich so auszusehen. Und gerade das fotobasierte Instagram ist problematisch, da wir hier nur über Fotos kommunizieren. Wir schreiben nicht, wie es uns geht, sondern wir posten ein Foto, das zeigt, wie es uns geht.

Und durch die vielen Filter denken wir: So könnte ich aussehen. Und wenn das technisch umsetzbar ist, muss das doch auch in der Realität möglich sein. Und wenn ich ein Bild mit einem Filter poste, wächst der Druck natürlich, dass ich real auch so aussehen muss, sonst wären die anderen ja enttäuscht. Genau das greifen Schönheitsmediziner auf. Und man kann eine Menge machen: Die Haut glätten, die Lippen vergrößern. Aber eben nicht alles.

Wusstest du...

das Instagram einige, extreme Beauty-Filter aus dem Angebot entfernt hat? Die sogenannten AR-Filter lassen User:innen so aussehen, als hätten sie sich einer Schönheitsoperation unterzogen. Die Technik hatte für viel Kritik gesorgt. Das Verbot sollte für ein besseres Selbstwertgefühl unter der Community sorgen. 

Wie entkommen wir denn diesem „Sog“?

Borkenhagen: Soziale Medien sind für uns noch relativ neu. Wir müssen immer noch lernen, mit ihnen umzugehen und sie besser zu verstehen. Dazu gehört Medienkritik im Unterricht. Zum anderen ist es wichtig, sich auf persönlicher Ebene klarzumachen, dass ein schönes Aussehen nicht unbedingt gleich bedeutend ist mit persönlichem Glück. Das wird uns suggeriert, aber dem ist ja nicht so. Man kann sich auch schnell darin verlieren, perfekt aussehen zu wollen und darüber das Leben vergessen. Eltern sollten ihren Kindern alternative Angebote machen zu den sozialen Netzwerken. Etwas anbieten, wo sie etwas erleben und Beziehungserfahrung machen können zum Beispiel im Umgang mit der Natur oder Sport. Da, wo sie etwas erleben können, was sie in der virtuellen Welt nicht können. Wenn ich zum Beispiel Spaß bei einem Schwimmbadbesuch habe, dann komme ich in dem Moment nicht auf die Idee, mich ständig abzulichten, weil ich im Erleben drin bin. Denn darum geht es ja auf Instagram, dauernd zu zeigen, wie glücklich man ist. Aber wenn man das ständig zeigen will und Fotos davon macht, ist man ja gar nicht mehr im Erleben.