Selbstliebe

Ich bin schön, auch ohne Filter

Schluss mit dem Insta-Filter
privat
Ungeschminkt, die Haare zerzaust: So ein Foto hätte Carina vor einigen Jahren wahrscheinlich nicht veröffentlicht.

Ein hässliches Entlein bin ich nicht. Das weiß ich schon. Von einem Topmodel bin ich aber auch weit entfernt. Heute kann ich damit leben, dass ich nicht perfekt bin. Das war nicht immer so. Schuld war Instagram – bis ich mich selbst therapiert habe.

Ein sonniger Nachmittag mit einer meiner besten Freundinnen in Bonn. Damals habe ich dort studiert. Wir treffen uns am frühen Nachmittag, sind perfekt gestylt und holen uns erst mal einen Kaffee to-go. Natürlich nicht irgendwo, sondern bei Starbucks. Denn dort ist es teuer – und das soll man hinterher auf den Fotos für Instagram sehen. Bescheuert, denke ich heute. Damals war es aber eben so. Und damals ist gar nicht so lange her. Etwa fünf Jahre.

Die Suche nach dem perfekten Foto

Klar, gequatscht haben meine Freundin und ich an dem Tag auch, die Sonne genossen. Aber eigentlich drehte sich doch alles um das perfekte Bild. Als eine geeignete Kulisse mit schönen Altbauten in der City gefunden war, ging es los. Handy raus und klick, klick, klick. 300 Bilder waren es bestimmt. In die nähere Auswahl schafften es vielleicht 10.

Die Apps haben mich schön braun gemacht, Unreinheiten retuschiert und sogar die Taille schlanker gemogelt.

Carina in Tirol - schön retuschiert
privat
Perfekte Kulisse, perfekter Winkel und ein bisschen Weichzeichner für die Haut: Ich habe meine Fotos damals für Social-Media ganz schön bearbeitet, damit sie „perfekt“ wirken.

Und die wurden dann gründlich bearbeitet. Drei Bildbearbeitungs-Programme hatte ich auf meinem Handy installiert. Eins reichte nicht, denn jedes hatte seine besonderen Skills. Die eine App hat mich schön braun gemacht, die andere konnte Unreinheiten retuschieren und die Dritte sogar die Taille schlanker mogeln. (Ja, liebe Männer: Auch das ist problemlos möglich! 😉)

Nicht schön genug für Instagram

Warum ich das gemacht habe? Gute Frage. Hässlich fand ich mich nicht. Eigentlich sogar recht hübsch. Aber eben nicht hübsch genug. Vor allem nicht hübsch genug für Instagram.

Denn dort waren die wirklich hübschen Frauen. Und eine von ihnen hatte es mir besonders angetan. Die Kölnerin @novalanalove hatte schon damals tausende Follower, heute sind es übrigens mehr als eine Million. In meinen Augen war sie perfekt: Volle Lippen, ein zierliches Stups-Näschen, makellose Haut – ein Traum! 

Bestägigung durch „Likes“

Immerhin hatten auch meine Selfies an die 100 Likes. Also die stundenlang bearbeitete Version natürlich. Mit Filter, Weichzeichner und Schlankmacher. Und das Schlimme: Bei jedem Aufploppen eines neuen „Like“ habe ich mich gut gefühlt. Ein bisschen schäme ich mich heute dafür.

Buch-Tipp

Nena Schink: UNFOLLOW!: Wie Instagram unser Leben zerstört; Eden Books; 240 Seiten, 14,95 Euro. 

Schließlich fehlte es mir nie an Anerkennung. Sowohl meine Familie als auch meine Freunde haben mich immer spüren lassen, dass ich toll bin. Klug, witzig, attraktiv. Aber irgendwie hat das nicht gereicht. Stattdessen habe ich mich in virtuellen Komplimenten gebadet.

Blick zur Realität fehlt

Immer mehr neue Instagram-Schönheiten fügte ich meiner Abonnenten-Liste hinzu. Um mich noch mehr vergleichen zu können, um noch mehr den Blick zur Realität zu verlieren. Gemerkt habe ich das erst später.

Irgendwann, so vor zwei, drei Jahren, war ich soweit und offenbar so selbstbewusst, dass mich die Storys, Bilder und Videos dieser „Schönheiten“ nur noch genervt haben. Zumal es eigentlich nur noch um Werbung ging. Für Lippenstifte, für Parfüms, für Bikinis – schließlich sogar für Schönheits-Operationen.

Radikal die Influencerinnen aussortiert

Authentisch war da gar nichts mehr. Und ich habe gecheckt, dass das da nichts mit meinem Leben zu tun hat. Jeden Tag aufstehen, Fotos von Outfits posten, in den Pool steigen, schick essen gehen, abends auf eine Gala. Und ich? Ich habe studiert, gejobbt und bei Omma Kaffee und Kuchen gegessen. Es passte nicht.

Also war ich radikal und verbannte sämtliche Influencerinnen aus meiner Abonnenten-Liste. Das war hart, aber befreiend.

Was ich jetzt in den Storys sah, war das normale Leben. Meine Freunde, meine Arbeitskollegen. Beim Wandern, beim Kochen. Keine Posen, keine Filter.

Ich verbannte sämtliche Influencerinnen aus meiner Abonnenten-Liste. Das war hart, aber befreiend.

Carina liebt Essen
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Heute zeige ich mich so, wie ich bin! Und wenn die Haut nicht perfekt aussieht und die Haare nicht optimal liegen!? Egal! Dieses Selbstbewusstsein musste ich mit aber erarbeiten.

Mein Profil stellte ich auf „privat“ um. Also so, dass nur noch meine Leute die Inhalte meines Profils  sehen konnten. Klar gab das weniger Likes, aber die waren dann wenigstens ernst gemeint. Und anscheinend waren auch die Bilder ohne Weichzeichner und Filter sympathisch.

Bilder ohne Filter

Inzwischen folge ich nur noch ein, zwei ausgewählten Influencerinnen, die offenkundig noch andere Dinge im Kopf haben als Beauty und Fashion. Eine von Ihnen kocht zum Beispiel leidenschaftlich gerne. Meist vegetarisch, mit frischen Zutaten vom Markt. Ich liebe ihre Gerichte.

Und Fotos von mir? Mache ich auch noch. Hin und wieder. Dann aber eher Schnappschüsse. Und natürlich #nofilter. 🥰

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