Glaube

Waldbaden mit Gott: So geht Kirche im Pfälzerwald

Waldbaden mit Gott
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Kirche zwischen Kiefernharz, Vogelrufen und Waldboden: „Wald und Spirit“ bringt Menschen draußen zusammen – zum Loslassen und Innehalten.

Der Waldboden fühlt sich weich an, die Schritte federn. Es geht den Berg hinauf, der Sommerabend ist warm trotz der Schatten spendenden Bäume.

An einer kleinen Aussichtsplattform machen Mirjam Skubski und Christine Mootz halt. Der Blick von einer kleinen Lichtung im Pfälzer Wald geht über Neustadt, den Haardtrand und die Rheinebene bis zum Odenwald. 

Schließt die Augen, lasst die Schultern hängen“, sagt Mirjam. Die Teilnehmer spüren mit gekreuzten Armen über der Brust dem eigenen Atem nach, atmen ein und aus. „Die Dinge loslassen, darum geht es heute“, sagt die 32-jährige Gemeindediakonin. Sie teilt sich mit ihrer katholischen Kollegin die ökumenische Projektstelle „Wald und Spirit“.

Baumkronen
Florian Riesterer
Der Blick geht in Richtung Himmel

„Waldwärts“ heißt das Format, zu dem beide einmal im Monat am Herz-Jesu-Kloster Neustadt zum „After-Work-Waldbaden“ einladen. Die Idee: Die Natur, sich selbst und Gott erspüren auf dem Weg unterm Blätterdach.

Der Wald und seine Geräusche

Dazu laufen alle in der Stille. Jeder und jede hängt den eigenen Gedanken nach. Umso lauter scheinen die Geräusche des abendlichen Walds. Das Rascheln von Blättern, das Knacken der Zweige und Schuhsohlen, die auf dem Sandstein des Trampelpfads knirschen. „Vorsicht, Waldbrandgefahr“, warnt ein Schild an einer Esskastanie. An einer weiteren Raststelle laden beide zum Hinsetzen ein.

Natur bewusst wahrnehmen

Die Natur bewusst wahrnehmen, das Werden und Vergehen darin spüren, lautet der Impuls. Plötzlich scheint der Boden übersäht mit abgestorbenen Pflanzenteilen. Samen, Rindenreste, trockenes Moos. Ein Käfer müht sich durch Kiefernnadeln. Ein Spinnennetz glitzert im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne. Irgendwo hämmert ein Specht. Es riecht nach Kiefernharz.

Teilnehmerinnen beim After Work Waldbaden
Florian Riesterer
Christine Mootz, Mirjam Skubski und eine Teilnehmerin (von rechts) beim After-Work-Waldbaden.

Psalmgedanken

Die Gruppe kommt an einer Felsengruppe an. Christine Mootz setzt sich, zitiert Verse aus Psalm 23. „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, dein Stecken und Stab trösten mich“, stehen auf einem Zettel, den die 27-Jährige austeilt. Wer möchte, kann etwas aufheben vom Waldboden und auf dem Weg zurück zum Ausgangspunkt symbolisch loslassen. 

Dann ist der Ausgangspunkt am Kloster erreicht. Christine Mootz und Mirjam Skubski schenken Wein- und Traubensaftschorle aus. 

„Wald und Spirit“ soll die Menschen dort erreichen, wo sie sich aufhalten – eben in der Natur, erklären beide. Gleichzeitig geht es um stärkere Verbundenheit: Mit der Natur, mit sich selbst, anderen Menschen – und möglicherweise auch Gott. „Offenbarungsraum“ nennt das Skubski.

Wanderweg mit Wurzeln
Florian Riesterer
Den Waldboden spüren

Naturschutz

Und dann ist da noch eine dritte Idee: Zu motivieren, das zu schützen, was man liebt oder lieben gelernt hat. So wollen die beiden sich auch mit dem Naturschutzbund und anderen Initiativen vernetzen.

Das After-Work-Waldbaden ist nur eine Idee auf diesem Weg. „Auch ein Lavendelfeld haben wir schon besucht“, sagt Christine Mootz. Rund ein Dutzend Teilnehmer waren dabei. Alles neu erfinden, das sei aber gar nicht ihr Anspruch.

Elisabeth Schläfke bietet etwa schon länger kontemplatives Beten an. Jetzt ist sie mit dem Format „Morgentau und Stille“ am Waldrand hinter dem Herz-Jesu-Kloster Teil des neuen Erprobungsraums von Kirche.

Christine Mootz und Mirjam Skubski schenken Schorle ein
Florian Riesterer
Zum Abschluss eine Schorle.

Gemeinsam in der Stille

Morgens um 7 Uhr machen es sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Kissen, Decken oder Stühlen bequem. Es ist angenehm kühl. Alle sitzen zwei Mal 25 Minuten in fast vollkommener Stille – unterbrochen nur von zwei Krähen, die sich auf einer hohen Kiefer um einen Nistplatz oder Futter zu streiten scheinen. Zwischendurch lädt Elisabeth Schläfke zum meditierenden Gehen ein. Ein gemeinsam gesungenes Kyrie Eleison beendet das Gebet.

Barfuß im Gras

Kaplan Kisito Ninpa-Fogan
Florian Riesterer
Kisito fühlt sich in der Natur verbundener mit Gott.

Gott ist niemand, den man in einen Raum einschließen kann“, sagt Kaplan Kisito Ninpa-Fogan, als sich die Gruppe nach einer guten Stunde zerstreut. Der Heilige Geist heiße in seiner Muttersprache nicht ohne Grund „Der Atem, der unterwegs ist“, sagt der Priester aus Kamerun. Barfuß im morgendlichen Gras fühlt er sich verbunden mit der Natur. „Ich kann einfach nur sein“. 

Kirchenglocken und Wind

Innerlich ruhiger, so erlebt Elisabeth Schläfke die Teilnehmerinnen und -teilnehmer. Auch wenn die Stille – zwischenzeitlich unterbrochen durch die Glocken des Klosters - erst einmal eine Herausforderung sei. Aber „die Düfte, der morgendliche Wind, das ist ganz nah am Ursprünglichen“, sagt Schläfke.

Meditation am Waldrand
Florian Riesterer
Die Gebetsteilnehmer schätzen die Nähe zur Natur.

Abstand gewinnen

Und Teilnehmer Hubertus Kröner bestätigt: „Je komplexer und komplizierter die Welt wird, umso wichtiger sind Angebote, bei denen man Abstand gewinnt und zu sich selber findet oder zu Gott.“ 

Genau das erhoffen sich Mirjam Skubski und Christine Mootz, die sich auch mit dem christlichen Netzwerk „geerdetglauben“ vernetzen.

„Wir wollen Menschen erreichen, die es gerade wirklich brauchen, etwa weitergeben, was Mehrwert hat für den Alltag, man gestärkt, nachdenklich und inspiriert wieder nach Hause geht und das weiterträgt.“