Warum arbeiten die für die Kirche?

Die vermutlich jüngsten Küster:innen Deutschlands

Andere kellnern, um sich ihr Studium zu finanzieren. Finn richtet Altäre her und läutet Glocken. Er gestaltet die Kirche mit eigenen Talenten mit.

von Nicole Weisheit-Zenz

„Küster? Was ist das denn und was machst du da alles?“ Seine Freunde waren etwas verwundert, als er ihnen von seinem neuen Job erzählt hat, schmunzelt Finn Mayer. Seit Januar ist er der neue Küster in der Kirche in Westhofen, seinem Heimatort.

Finn Mayer
Nils Bührmann

Für diesen Job ist er jung. Sehr jung. Jahrgang 2002. Seine Vorgängerin ging in den Ruhestand, die Stelle war mit acht Wochenstunden ausgeschrieben. Der 18-Jährige hat zugeschlagen.

Jobben für die Kirche: Geld fürs Studium

Für Finn passt alles zusammen: Nach dem Fachabitur studiert er im ersten Semester Soziale Arbeit, derzeit online. Seine Uni: die katholische Hochschule in Mainz, denn Finn ist Katholik.

Er sieht keinen Widerspruch darin, in einer evangelischen Gemeinde Küster zu sein, sagt er. Er sehe sich im erster Linie als Christ. Mit dem Geld, das er mit seinem Job verdient, finanziert er sein Studium mit.

Die Aufgaben sind vielfältig:

  • die Kirche aufschließen
  • den sogenannten Andachtsraum im Kirchturmzimmer betreuen (hier kann, wer möchte, in der Stille etwas verweilen und beten)
  • die Kerzen im Blick haben
  • die „Klagemauer“ im Blick haben (hier stecken die Gläubigen kleine Zettel mit Gedanken und Gebeten rein)
  • darauf achten, dass genügend Andachten für Zuhause ausliegen

Was Finn freut: „Wenn ich sehe, dass Leute hier waren, die Kerzen angezündet haben und vielleicht wieder Kraft schöpfen konnten.“ Für ihn zeigt es: „Man hat sich Mühe gegeben und es wurde gern angenommen.“

18-Jähriger hat Sehnsucht nach dem sonntäglichen Gottesdienst 

Schon jetzt blickt der 18-Jährige auf die Zeit, wenn wieder reguläre Gottesdienste gefeiert werden können. Dann ist er bei den Vor- und Nachbereitungen dabei, deckt den Altar, schlägt die passende Bibelstelle auf, steckt die Liedtafeln, läutet die Glocken und vieles mehr. Auch das Abendmahl kann er dann vorbereiten.

Technische Aspekte am Küster-Job gefallen ihm

Eine Art Checkliste dafür hat er mitbekommen und sich auch „schon mal reingelesen“, was es zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten und Taufen in der Kirche zu beachten gibt. Was ihm außerdem gut gefällt, sind die technischen Aspekte: schauen, ob Heizung, Lichter und Ton funktionieren.

Teamarbeit macht Küster & Pfarrer Spaß 

Selbst wenn kurzfristig etwas anliegt, ist er schnell zur Stelle. Dass der 18-jährige Küster so zuverlässig und aktiv ist, selbst mitdenkt und auch mal „Quatsch mitmacht“, schätzt Pfarrer Nils Bührmann: „Es hat sich sehr gut gefügt und es macht einfach Spaß mit ihm“, sagt er.

Küster wünscht sich mehr Ökumene in Westhofen 

Dabei hat Finn auch eine Idee davon, was in der Kirchengemeinde in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen könnte: ökumenische Angebote. Die beiden christlichen Kirchen liegen auf dem zentralen Platz in Westhofen direkt nebeneinander. In seiner katholischen Gemeinde ist er von klein auf aktiv und hat schon mehrere Gruppen geleitet, für die Kommunionkinder, für Messdiener und Firmlinge. Mit den Sternsingern war er unterwegs und ist nun im Pfarrgemeinderat.

Küster Finn Mayer
Nils Bührmann
Kirche ist für Finn Mayer nicht verstaubt. Und wenn doch, macht er sie eben sauber.

Kirche ist für ihn nicht verstaubt

In seiner beruflichen Zukunft will Finn gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und sammelt daher erste Erfahrungen in dem Bereich. Nicht zuletzt ist er aktiver Fastnachter im „Westhofener Carneval Verein“, unterstützt dort zu normalen Zeiten auch bei der Technik. Dass Corona-bedingt diesmal vieles nicht möglich ist, tue ihm weh: „Da blutet einem das Herz.“

Musik hören, Freunde sehen, neue Medien nutzen, einfach Spaß haben – darin unterscheidet sich ein 18-jähriger Küster in der Freizeit nicht von anderen Gleichaltrigen. „Das eine schließt das andere ja nicht aus“, sagt er.

Finn wünscht sich, dass noch mehr Jugendliche entdecken, dass Kirche nichts mit verstaubten Klischees zu tun hat, sondern lebendig ist, als Ort zum Ausruhen und Danken, für Begegnungen und Feiern, den man mit eigenen Talenten mitgestalten kann.