Heiterkeit und Glaube gehören zusammen

Lachen in der Kirche ist absolut okay

Humor in der Kirche. Geht das? Die Frankfurter Musikkabarettisten Fabian Vogt und Martin Schultheiß finden schon. Sie stehen als Duo Camillo auf der Bühne, die oft eine Kirche ist. Theoretisch sei der Satire alles erlaubt, praktisch wollen sie nicht verletzen.

Du bekommst Spaß und Kirche nicht so richtig zusammen? Dann fass dir vielleicht doch mal an deine eigene Nase, denn vielleicht hast du da ein Vorurteil, an dem du mal kratzen solltest! Im Frankfurter Umland ist zum Beispiel das Duo Camillo gut bekannt. Für die beiden Kabarettisten mit Kirchen-Background gehört herzhaftes Lachen auch ganz klar dazu. 

Sie haben ein Luther-Programm, beschäftigen sich mit Segen und dem Himmel. Fabian Vogt und Martin Schultheiß sind das Duo Camillo und bieten seit drei Jahrzehnten christliches Musikkabarett.

Humor in der evangelischen Kirche hat tiefe, theologische Funktionen

Mit Humor in der christlichen Kirche haben sie kein Problem, im Gegenteil. „Für mich hat Humor eine ganz tiefe, auch theologische Funktion“, sagt der promovierte Physiker Schultheiß. In der Heiterkeit finde er viel von dem wieder, was ihm im christlichen Glauben wichtig ist.

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Aus dem Programm „Luther bei die Fische“

„Heiterkeit befreit und entlastet, das ist für mich eine wichtige religiöse Funktion“, betont er und bedauert, dass viele Menschen die Begriffe Spaß und Religion nicht richtig zusammenbekommen. Diese Kluft zu überwinden, sehe er als „Mission“ von Duo Camillo.

Lachen gehört in den Gottesdienst

„Wir treten oft in Kirchen auf“, sagt Fabian Vogt, der im Hauptberuf Pfarrer ist und für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau Kommunikationskonzepte entwickelt. Er mache zwar keine Kabarett-Gottesdienste, aber für ihn fehle etwas, wenn Menschen in einem Gottesdienst nicht einmal herzhaft gelacht haben. Er versuche Gottesdienste so zu feiern, dass Menschen damit das Leben feiern.

Das bedeute nicht, dass man Witze erzählen müsse. Er wolle über Geschichten und Formulierungen den Menschen zeigen, dass es eine andere Dimension im Dasein gibt, auf die sie sich einlassen können. „Heiterkeit gehört zu einem befreiten Glauben auf jeden Fall dazu“, ist er überzeugt.

Über den Witz Erleichterung verschaffen

Was die beiden nicht wollen, ist verletzen. Schultheiß, der sich intensiv mit dem Islam beschäftigt hat, findet etwa Mohamed-Karikaturen unnötig, weil sie „ins Herz vieler Menschen treffen“. Das ist für ihn eine Provokation, „die wahrscheinlich mehr schadet als nutzt“.

Im Christentum habe die Verspottung von christlichen Symbolen früher auch für heftige Reaktionen gesorgt, das ist heute entspannter. Aber, sagt er, „das sind Wachstumsprozesse“. Er könne nicht einfach sagen: „Ich haue jetzt drauf und wenn die sich verletzt fühlen, sind sie selber schuld.“ Das sei nicht sein Ansatz. Vogt ergänzt, es gebe konstruktiven und destruktiven Humor.

Es geht bei Humor nicht darum, Menschen zu verletzen

Gutes Kabarett sei immer auch ein wenig psychologische Arbeit bei der es darum gehe, die Themen der Menschen zu treffen. Deshalb schickt das Duo vor jedem Auftritt einen Fragebogen zu den Veranstaltern, um herauszufinden, was die Menschen bewegt. „Es ist gut, wenn Kabarett den Mut entwickelt, über Dinge zu reden, die unterdrückt sind. Aber es geht nicht darum, Menschen zu verletzten“, sagt Vogt.

Rein theoretisch sei in der Satire natürlich alles erlaubt, sagt Martin Schultheiß. Aber die Frage sei, ob es dann seinen Sinn und Zweck erfülle. „Es ist alles erlaubt, aber es frommt nicht alles“, zitiert er nach Paulus Brief an die Korinther. Die Idee sei immer, über die Satire, über den Witz, eine Erleichterung zu verschaffen. Wenn das nicht klappt, sondern die Leute verbittert sind, dann sei das Ziel verfehlt.

Das Musikkabarett Duo Camillo feiert 30 Jahre Jubiläum mit „Im Himmel ist ne Party“.
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Das aktuelle Programm von Duo Camillo heißt „Im Himmel ist ne Party“.

Über Corona zum Beispiel könne man wunderbar lachen, aber nicht über Menschen, die an Corona gestorben sind oder unter den Spätfolgen einer Covid-Erkrankung leiden. „Lachen ist heilsam“, betont Vogt. Alles, was das Leben schwer mache, könne durch Humor ein bisschen leichter gemacht werden.

Komik durch Insiderwissen aus der Kirche vs. Außenblick auf Religion

Die beiden Kabarettisten sind Bestandteil des Systems Kirche. Vogt beruflich, Schultheiß ehrenamtlich. „Wir sind Insider, aber gleichzeitig in der Lage, die Außenperspektive wahrzunehmen. Durch den Perspektivwechsel versuchen sie, zwischen beiden Polen zu vermitteln. Aus dieser Spannung lebe das Kabarett, sagt Schultheiß.

Duo Camillo

Der Pfarrer Fabian Vogt und der Physiker Martin Schultheiß bilden seit 30 Jahren das Duo Camillo. Sie präsentieren christliches Musikkabarett. Vogt singt und spielt Gitarre und Saxophon,  Schultheiß singt ebenfalls und spielt Klavier und Percussion.

Vogt hört bei Besuchen oft die Worte: „Glaube ja, Kirche nein“. Er findet das erschreckend. Schließlich sei es Aufgabe der Kirche, die Schönheit des Glaubens zu vermitteln. „Wir werben dafür, die Kirchen zu Orten zu machen, wo man leidenschaftlich gerne ist“, ergänzt Schultheiß.

Lachen in der evangelischen Kirche

Vogt verweist auf Martin Luther. Der Reformator hat viele Jahre mit der Frage gerungen, ob er eines Tages in den Himmel kommen werde. Eines Tages habe er aber auch gesagt: „Wenn Gott keinen Humor hat, dann will ich da gar nicht hin.