Kirche, aber mit Leine: Beim Segenslauf „Himmel und Hund“ müssen Vierbeiner nicht draußen bleiben. Statt stiller Kirchenbank gibt es frische Luft und viel Auslauf – und die Seelsorge läuft einfach mit.
„Hunde können nur schwer eine halbe Stunde komplett stillsitzen, das geht eigentlich gar nicht“, sagt Lilli Bohrer. Die 20-Jährige läuft mit ihrem Ridgeback-Labrador-Mischling durch die Weinberge im südpfälzischen Göcklingen. Merlot heißt der zweijährige Rüde passenderweise. Gottesdienst mit Hund, dicht an dicht in einer engen Kirchenbank, das passt für sie nicht zusammen.
Wegen des Hundes auf Kirche zu verzichten, ist für Lilli aber keine Option. Und so entwickelt sie mit Almendra Garcia de Reuter das Angebot „Himmel und Hund“. Schließlich hat die Pfarrerin aus Klingenmünster mit Labradoodle Coco seit einiger Zeit auch ein neues Familienmitglied.
Rund 15 Hunde mit Frauchen und Herrchen sind dieses Mal der Einladung gefolgt. Von der protestantischen Kirche in Göcklingen geht es hinaus aus dem Ort an der Weinstraße, entlang von Maisfeldern und Rebzeilen.
Schnell sind die Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer im Gespräch. Und auch die Pfarrerin erfährt so manches: Es geht um die schweren Themen des Lebens, Tod und Krankheit, aber auch um die richtige Fellpflege und die Wahl des passenden Autos zur Hundegröße.
„Wir haben gemerkt, dass Gespräche mit Hund oft leichter sind“, sagt Garcia de Reuter. Deshalb bietet sie mit ihrem Kollegen, Pfarrer Holger Müller, auch Einzelseelsorge-Gespräche mit Hund an. Türöffner könnten diese sein. „Der eine oder andere meldet sich vielleicht, nur weil es diese Möglichkeit gibt.“
Beim Segenslauf heute soll die Beziehung Mensch-Tier im Mittelpunkt stehen. Die Gruppe hält am Feldrand. Eine Jugendliche spricht darüber, wie Menschen auf Hunde Rücksicht nehmen und Gott, der den Menschen zwar schwere Situationen nicht erspart, aber bei ihnen ist. „Gott lässt uns nicht über unsere Kraft hinaus allein.“
„Die Menschen sind froh, dass wir der Beziehung zum Hund Geltung verschaffen, eine andere Dimension hineinbringen, eine Tiefe durch Gottes Segen“, sagt Pfarrerin Garcia de Reuter.
„Wenn es mir nicht gut geht, schnappe ich mir den Hund und gehe mit ihm raus. Dann fühle ich mich wieder freier“, sagt Lilli Bohrer. „Ich liebe es, mit Coco zu kuscheln, kann mit ihm runterkommen“, sagt Emilia. Eine Stunde Gottesdienst: Schon manchmal eine Herausforderung, sagt die 15-Jährige.
Sich bewegen und über die Impulse nachdenken ist schon eher ihr Ding, sagt die Tochter von Pfarrerin Garcia de Reuter. „Glauben ist in meinem Alltag richtig wichtig. Es hilft mir einfach, so einen Anker zu haben. Das gibt mir sehr viel Kraft.“
Heute läuft auch Marion Mai mit. Die Presbyterin aus Neustadt hat von dem Hundelauf gehört, will das Projekt in ihre Kirchengemeinde tragen. Pfarrerin Almendra Garcia de Reuter freut sich, dass die Idee Früchte trägt – und im Frühjahr den Innovationspreis der pfälzischen Landeskirche erhalten hat.
Die Gruppe ist am Ziel angekommen, der Festhalle in Heuchelheim. Dort wartet bereits Pfarrer Holger Müller. „Ich spende euch den Segen, den ihr an eure Hunde weitergebt und sie ihn euch zurückgeben. So ist die Idee“, sagt Müller. „Gott segne euch als Team aus Mensch und Hund, schenke euch Freude aneinander und sei bei euch auf allen euren Wegen.“