Es ist Anfang Mai und für den Podcast „Echt gefragt“ spreche ich über Israel und Palästina, den Krieg, verhärtete Fronten und den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Mein Gast ist Dr. Andreas Goetze. Der Pfarrer kennt Israel und Palästina seit Jahrzehnten. Der Theologe lebte Anfang der 1990er-Jahre bei Bethlehem und begleitet bis heute Reisen ins Heilige Land.
Der Referent für interreligiösen Dialog im Zentrum Ökumene von EKHN und EKKW beschreibt die spürbare Erschöpfung vor Ort. Der Schmerz sei auf beiden Seiten groß, da fast alle Menschen jemanden verloren hätten. Dafür war besonders der 7. Oktober eine große Zäsur.
Das war ein Schockzustand, die gesamte israelische Gesellschaft war von dem Terroranschlag betroffen.
Goetze war im Januar 2024, wenige Monate nach dem Anschlag, vor Ort. Er erlebte eine tiefe Müdigkeit und Erschöpfung. Nach seinem Eindruck hatte sich daran bis zu seinem letzten Besuch im Januar 2026 wenig verändert. Es fehle vielen Menschen die Hoffnung auf eine absehbare Verbesserung der Lage und „das Licht am Ende des Tunnels“.
Das ist ein Trauma, das nachwirkt.
Seit dem Terroranschlag seien Gewalt und Hass deutlich stärker geworden. Um die Traumata bearbeiten zu können, brauche es eine Atempause. Außerdem wünscht sich Andreas Goetze mehr Empathie. Er sieht Empathie nicht als Gefühl, sondern als eine Haltung, sich darauf einzulassen, was den anderen berührt.
An dieser Stelle wird unser Gespräch für mich persönlich. Während der Oberstufe war ich im Rahmen eines Schüleraustauschs in Tel Aviv und lebte bei einer Gastschülerin. Damals konnte ich das Land ein wenig kennenlernen. Seit dem 7. Oktober denke ich häufiger an diese Zeit zurück: An die Momente im Toten Meer und an die wunderschöne Stadt Jerusalem.
Während der Podcast-Aufnahme mit Andreas Goetze spüre ich, wie nah mir das Thema geht. Wenn wir über Gewalt, Verlust und die Folgen des Krieges sprechen, denke ich an die Gastschülerinnen und Gastschüler von damals.