Glaube

Krieg in Israel und Gaza: Wie schaffen wir einen offenen Dialog?

Andreas Goetze lacht in die Kamera, sitzend im Studio.
Charlotte Mattes
Andreas Goetze zu Gast im Podcast „echt gefragt" im Studio in Frankfurt-Heddernheim.

Seit über 30 Jahren reist Andreas Goetze ins Heilige Land. Im Podcast „Echt gefragt“ spricht er über Krieg, Glauben und Hoffnung.

Es ist Anfang Mai und für den Podcast „Echt gefragt“ spreche ich über Israel und Palästina, den Krieg, verhärtete Fronten und den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Mein Gast ist Dr. Andreas Goetze. Der Pfarrer kennt Israel und Palästina seit Jahrzehnten. Der Theologe lebte Anfang der 1990er-Jahre bei Bethlehem und begleitet bis heute Reisen ins Heilige Land.

Der Referent für interreligiösen Dialog im Zentrum Ökumene von EKHN und EKKW beschreibt die spürbare Erschöpfung vor Ort. Der Schmerz sei auf beiden Seiten groß, da fast alle Menschen jemanden verloren hätten. Dafür war besonders der 7. Oktober eine große Zäsur.

Das war ein Schockzustand, die gesamte israelische Gesellschaft war von dem Terroranschlag betroffen.

 

Maßlose Gewalt und extremer Hass prägen den Alltag

Goetze war im Januar 2024, wenige Monate nach dem Anschlag, vor Ort. Er erlebte eine tiefe Müdigkeit und Erschöpfung. Nach seinem Eindruck hatte sich daran bis zu seinem letzten Besuch im Januar 2026 wenig verändert. Es fehle vielen Menschen die Hoffnung auf eine absehbare Verbesserung der Lage und „das Licht am Ende des Tunnels“. 

Das ist ein Trauma, das nachwirkt.

Seit dem Terroranschlag seien Gewalt und Hass deutlich stärker geworden. Um die Traumata bearbeiten zu können, brauche es eine Atempause. Außerdem wünscht sich Andreas Goetze mehr Empathie. Er sieht Empathie nicht als Gefühl, sondern als eine Haltung, sich darauf einzulassen, was den anderen berührt. 

An dieser Stelle wird unser Gespräch für mich persönlich. Während der Oberstufe war ich im Rahmen eines Schüleraustauschs in Tel Aviv und lebte bei einer Gastschülerin. Damals konnte ich das Land ein wenig kennenlernen. Seit dem 7. Oktober denke ich häufiger an diese Zeit zurück: An die Momente im Toten Meer und an die wunderschöne Stadt Jerusalem.

Während der Podcast-Aufnahme mit Andreas Goetze spüre ich, wie nah mir das Thema geht. Wenn wir über Gewalt, Verlust und die Folgen des Krieges sprechen, denke ich an die Gastschülerinnen und Gastschüler von damals.

Biblische Landschaften mit allen Sinnen fühlen

Andreas Goetze war das erste Mal als Theologiestudent 1989 vor Ort. Besonders beeindruckte ihn die Landschaft. Die steinigen und dornigen Gegenden erinnerten ihn an Beschreibungen und Gleichnisse aus der Bibel.

Von 1992 bis 1993 lebte Andreas Goetze in der Nähe von Bethlehem. Für ihn und seine Frau stand von Anfang an fest, nach Deutschland zurückzukehren. Ihm war wichtig, hier zwischen den Religionen zu vermitteln und den Dialog zu fördern.

Der 62-Jährige ist begeistert vom Heiligen Land. Von den Landschaften, den spirituellen Orten und insbesondere den Begegnungen mit den Menschen vor Ort. Gleichzeitig hat er schon damals Ungerechtigkeiten erlebt. Zum Beispiel wurde während seines Aufenthalts zeitweise das Wasser abgestellt. Zudem seien die Wasserpreise für Palästinenser und Israelis schon damals unterschiedlich gewesen – nach seiner Darstellung gilt das bis heute.

Seit mehr als 30 Jahren begleitet Goetze Menschen als spiritueller Reiseleiter durch das Heilige Land.

Begleite Reisen durch Israel und Palästina

Als Reiseleiter hat er vielen Menschen die Region näher gebracht. Seit dem 7. Oktober sei das nicht mehr möglich. Im Podcast „Echt gefragt“ habe ich ihn deshalb gefragt, welche Orte für ihn besonders wichtig sind. 

Für Andreas Goetze ist der See Genezareth im Norden Israels ein besonders spiritueller Ort. Vor allem mit Tabgha verbindet er viele Erinnerungen. Dort verortet die christliche Tradition die Geschichte der Brotvermehrung. Außerdem hat er dort zahlreiche Taufen gefeiert.

Der gebürtige Frankfurter ist auch gerne in Bethlehem, das in der christlichen Tradition als Geburtsort Jesu gilt. Er beschreibt die Stadt als einen Ort mit besonderer Atmosphäre: Es rieche nach Gewürzen und Tee, vielerorts werde gegrillt.

Früher sei er außerdem gerne gewandert oder habe am Mittelmeer entspannt.

Ende 2026 plant Pfarrer Goetze wieder eine Reise in die Region. Mit seinen Kontakten vor Ort steht er regelmäßig im Austausch. 

Die Pointe wäre vom Opfer zum Partner zu werden.

Wie geht es dir mit dem Nah-Ost-Konflikt?

Warst du selbst schon mal in Israel oder den palästinensischen Gebieten und konntest dir ein Bild vor Ort machen? Wie geht es dir mit dem Krieg vor Ort? Was sind deine Gedanken und Gefühle dazu?

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