Glaube

Hautfarbe oder Behinderung - warum immer Schublade?

Johannes Schneider steht im Podcaststudio von HOFNNUNGSMENSCH vor einem Mikrofon
EMH

Warum wir Menschen nicht auf Merkmale reduzieren dürfen: Ein persönlicher Blick von Johannes Schneider.

Johannes Schneider stammt aus Brasilien und wurde als Kind von einer deutschen Familie adoptiert. Mit zehn Jahren erblindete er vollständig. Für andere ist das ein Problem, erzählt er im Podcast HOFFNUNGSMENSCH.

Von Brasilien nach Deutschland

Johannes wird im brasilianischen Curitiba geboren – in einfachen Verhältnissen. Seine Mutter kann den Alltag nicht mehr bewältigen. Noch während der Schwangerschaft beschließt sie, ihr Kind wegzugeben. Johannes kommt ins Kinderheim. 

Was er damals nicht ahnt: Sein Weg führt ihn einmal um die Welt. Mit knapp zwei Jahren adoptiert ihn eine deutsche Pfarrfamilie aus Hessen. 

Er erlebt eine schöne Kindheit, doch die Erfahrung, weggegeben worden zu sein, prägt ihn bis heute. „Da ist das Gefühl: Vielleicht bin ich nicht genug? Und ich habe immer Angst, liebgewonnene Menschen zu verlieren, weil sie mich auch allein zurücklassen könnten.“ 

Leben ohne Augenlicht

Früh verliert Johannes sein Sehvermögen. Mit etwa zwei Jahren erblindet das linke Auge, auf dem rechten bleibt ein Rest. Mehrere Operationen sollen ihn erhalten – vergeblich. Mit zehn Jahren sieht Johannes nichts mehr. Heute trägt er Glasaugen. 

Gottes Schöpfung ist so vielfältig, dass man sie nicht nur mit einem Sinn entdecken kann.

Alltagssituationen sind für ihn herausfordernd – das liegt an der fehlenden Barrierefreiheit. Doch Johannes meint, man solle sich nicht auf das konzentrieren, was man nicht hat. „Ich habe noch vier andere Sinne, die Gott sei Dank funktionieren. Und es gibt Dinge, die erst richtig schön werden, wenn ich sie rieche, fühle, höre oder schmecke“, sagt er. 

Zwischen Dorfleben und Rassismus

Johannes wächst in einem hessischen Dorf auf – ländlich, familiär, behütet. Doch an einem seiner ersten Schultage hört er: „Geh dahin zurück, wo du hergekommen bist!“ Ein Schock. Rassistische Erfahrungen macht er immer wieder.

Seine Hautfarbe, seine Blindheit und brasilianischen Wurzeln führen zu Vorurteilen. Menschen nutzen diese „Gründe“, ihn in Schubladen zu stecken. „Wenn mal jemand nichts über die Hautfarbe sagt, ist die Behinderung das Thema“, erzählt er im Podcast HOFFNUNGSMENSCH. 

Was hilft ihm, damit umzugehen? Seine Freundin und Familie. Musik. Humor. Und sein tiefes Gottvertrauen, mit dem er mutig nach vorne schaut. 

Ich kann mir nicht bei REWE eine Weiße Haut kaufen oder funktionierende Augen. Ich darf damit durch diese Welt gehen, es akzeptieren und versuchen, die Zukunft möglichst positiv zu gestalten. Und darauf vertrauen, dass Gott den Weg bahnt!“ 

„Wer darf dazugehören?“ Ein persönlicher Blick von Johannes

Doch Johannes blickt besorgt auf die Umfragewerte der AfD. Er fragt sich, wo Menschen mit Behinderung und Schwarzer Hautfarbe hingehören. „Wenn ich das Parteiprogramm lese und ihnen zuhöre, was diese Menschen wollen – ich würde in dieses Gesellschaftsbild nicht mehr passen. Das macht mir Angst!“ 

Johannes studiert derzeit dual Theologie. Als angehender Pastor denkt er Kirche nicht rückwärts: „Wir müssen verstehen, was Menschen heute bewegt – im Stadtteil, im Alltag, im echten Leben.“ Seine Blindheit betrachtet er als Chance, Menschen auf besondere Art zu begegnen. Außerdem ist er Mitglied im evangelischen Content-Creators-Netzwerk Yeet, wo er digitale Formate gestaltet und seinen Glauben sowie gesellschaftliche Themen in den sozialen Medien teilt.

Brückenbauer zwischen Welten

Johannes will Brückenbauer sein: zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, zwischen Kulturen, zwischen Weltanschauungen, zwischen Kirche und Gesellschaft. 

Er weiß, wie es ist, wenn Lebenswelten aufeinanderprallen – und wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu verstehen. Seine Wünsche

  • Menschen begleiten
  • Hoffnung säen
  • Perspektiven öffnen

Darum geht es auch in seinem Podcast „Blind geglaubt“.

Besonders bewegend ist, wie er über die Zukunft spricht: „Ich hoffe auf einen Gott, der am Ende alles neu macht – auf eine Welt ohne Krankheit, ohne Rassismus, ohne Ausgrenzung. Aber ich vertraue darauf, dass Gott schon jetzt mitgeht.“

Was gibt dir Hoffnung, mutig nach vorne zu schauen – so wie Johannes? Schreib uns deine Gedanken dazu bei Social-Media: 

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