Serie Mutmacher

Blind auf TikTok – und Erfolg damit

TikTok-Star Nikolaos ist blind und sorgt für weniger Berührungsängste. Während andere dort Quatsch machen, zeigt er Hindernisse für blinde Menschen.

Kochen, Einkaufen gehen oder mit der Bahn fahren klingt normal und ist es auch für Nikolaos Rizidis. Und doch hört „einfach Niko“ immer wieder Fragen, wie: „Wie machst du das eigentlich?“ „Kannst du das überhaupt so einfach?“ „Aber das ist doch für dich total schwierig, oder?“

Nikolaos unterwegs mit seiner Freundin Sarah
Linda Henrich

Tiktok-Videos als sehbehinderter Mensch drehen

Niko ist ein erfolgreicher TikToker aus der Nähe von Marburg, der auf der Social-Media-Plattform auf Fragen rund um den Alltag von blinden Menschen eingeht. Und das kommt gut an, der 29-Jährige hat bereits über 90.000 Flower:innen allein als @nikolaos.pegasos bei TikTok. Bei seinen Videos verwendet Niko die Hashtags: #blind #inklusion #lebenmitbehinderung. „Die Hashtags sind wichtig für die Aufklärung. Dann findet man das besser und kann die Videos einordnen.“

Blindenhund Orlando ist immer an Nikos Seite

Aber Nikos Videos sind keine One-Man-Show, immer dabei ist der Blindenhund Orlando. Ohne den Labrador wäre Niko in manchen Situationen aufgeschmissen. Orlando ist eine wichtige Hilfe. Vor allem, wenn Niko unterwegs ist.

Blindenhund Orlando
Linda Henrich

Mit genau eingeübten Kommandos verständigen sich die beiden und Orlando zeigt Niko beispielsweise an, wo ein Zebrastreifen oder eine Treppe ist. So kann Niko einfach und schnell eine Strecke zurücklegen.

Hat Orlando sein Geschirr an, dann trägt er seine Arbeitskleidung. Ganz wichtig: Dann ist der Blindenhund im „aktiven Einsatz“. „Das ist sein Job. Erst wenn ich das Geschirr abnehme, hat Orlando Freizeit“.

Niko regt es extrem auf, wenn Menschen seinen Hund einfach so anfassen, besonders dann, wenn Orlando im Dienst ist. „Das lenkt ihn ab und gefährdet mich“, sagt Niko. Zum Beispiel kann es für Niko gefährlich werden, wenn er eine Treppe hinunter geht und der Hund dann abgelenkt ist. Niko könnte stürzen und sich verletzen.

Blind-sein als Herausforderung und nicht als Hindernis

TikTok ist bekannt für lustige Videos, die Kinder und Jugendliche auf die Videoplattform stellen. Die meisten Inhalte sind nicht besonders barrierefrei für Menschen mit Sehbehinderung. Aber das ist kein Hindernis für Niko.

Er sagt: „Alle Menschen haben doch mit Herausforderungen zu tun.“

Meine Herausforderung ist, dass ich so gut wie Nichts sehe. 

Niko hat seit seiner Kindheit eine sogenannte Makuladegeneration, er sagt: „Man kann sich das wie einen umgekehrten Tunnelblick vorstellen. Am Sichtfeldrand sehe ich ein bisschen was, aber ganz verschwommen und dann wird es immer verpixelter.“

Alltagshelfer für Menschen mit Sehbehinderung

Für Alltagsaufgaben hat Niko zahlreiche weitere Helferlein. Zum Beispiel fürs Tee kochen hat Niko ein Gerät, dass ihm sagt, wenn die Tasse voll ist.

Wenn er sein Smartphone bedient, lässt er sich alles per Voiceover vorlesen. Außerdem nutzt er eine App, die ihm bei Texten in seiner analogen Umwelt hilft. Mit „Seeing AI“ fotografiert er die Texte und sie werden ihm vorgelesen.

Inklusion durch Alt-Texte in Bildern auf Social-Media

Niko beschreibt es als erleichternd, wenn Menschen eine Bildbeschreibung ihren Fotos bei Instagram hinzufügen. Die sogenannten Alt-Texte bei Instagram kann er sich dann auch vorlesen lassen. „So wird sogar eine App, die nur mit Fotos funktioniert, barrierefreier“, sagt er.

Nikolaus mit seiner Freundin Sarah und Blindenhund Orlando
Linda Henrich
Niko mit seiner Freundin Sarah und Blindenhund Orlando

Beim Filmen und Schneiden hilft Niko seine Freundin Sarah. Die beiden haben sich über Tinder kennengelernt. Mit einem Schmunzeln sagt er: „Da haben mir aber meine Kumpels geholfen.“

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Mit seinen Videos auf TikTok klärt Niko aber nicht nur auf, sondern spendet anderen Menschen auch Mut. „Ein Mädchen, das im Rollstuhl sitzt, hat auf meine Videos reagiert und gesagt, dass sie durch mich angefangen hat Rollstuhlbasketball zu spielen“, sagt Niko. Das ist ihm gut in Erinnerung geblieben, denn Niko macht selbst viel Sport. „Sport hilft mir immer neue Dinge auszuprobieren.“ Seine große Leidenschaft ist der Kraftsport. Er trainiert mehrmals die Woche und bereit sich aktuell auf einen Wettkampf vor.

Wenn Niko sofort etwas ändern könnte, um sein Leben leichter zu machen, dann: „Ich möchte kein Sonderkuddelmuddel! Das Blindsein gehört zu mir dazu.“ Es nervt ihn, wenn Menschen verkrampft versuchen, sich überkorrekt zu verhalten. Niko lacht und sagt: „Ich sag doch auch: ‚Wir sehen uns‘ und nicht ‚Wir hören uns‘, wenn ich mich verabschiede.

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