Glaube

Spiritualität für junge Erwachsene: Erfahrungsbericht Taizé

Pauline liegt auf einer Wiese vor dem Ortsschild von Taizé
privat
Besuch in Taizé 2025

Eine Auszeit im Kloster? In einer Woche Taizé findest du Spiritualität, Frieden und neue Freunde.

Kannst du dir vorstellen, eine Woche in einem Kloster zu verbringen? Vielleicht klingt das für dich erstmal fremd.

Und doch reisen jede Woche mehrere hundert, manchmal sogar mehrere tausend junge Menschen nach Taizé. Das ist ein kleines französisches Dorf in der Region Burgund zwischen Lyon und Dijon. Sie kommen aus ganz Europa und darüber hinaus. Sie bleiben. Und viele kehren zurück.

Ein kleiner Ort in Frankreich verändert junge Menschen

Pauline steht neben dem Ortsschild in Taizé
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August 2025

Ich war 2023 zum ersten Mal in Taizé. Als ich an einem kalten, grauen und verregneten Sonntagnachmittag Ende März dort angekommen bin, hätte ich nicht geglaubt, dass ich noch viele weitere Male nach Taizé fahren würde. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dort so viele schöne Momente zu erleben und vor allem so viele nette Menschen kennenzulernen.

Heute weiß ich: Taizé hat mich schneller berührt, als ich erwartet hatte.

Was ist Taizé?

Taizé ist eine ökumenische Gemeinschaft im gleichnamigen Dorf in Frankreich. Hier beten, singen, diskutieren und reflektieren junge Menschen aus aller Welt zusammen ihren Glauben. Im Fokus liegen Frieden, Versöhnung und Offenheit

Spätestens am ersten Abend, als wir zum ersten Mal gemeinsam in der Kirche saßen und alle angefangen haben zu singen, wusste ich, dass sich hier etwas richtig anfühlte.

Begegnen statt bewerten: Gespräche, die verbinden

Am Anfang jeder Woche bekommt jede*r eine Kleingruppe zugeteilt. In diesen Gruppen treffen sich Jugendliche und junge Erwachsene jeden Tag. Sie tauschen sich beispielsweise über einen bestimmten Bibeltext, Glaubensfragen oder persönliche- und Lebensthemen aus.

Ein Kirchraum, die Menschen halten dünne Kerzen in der Hand und vor der Fotografin liegt ein Gesangbuch. Wir sind in einer Kirche.
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Ich empfinde die Atmosphäre dieser Gespräche immer als sehr offen und überraschend vertraut. Menschen mit unterschiedlichen Ansichten kommen zusammen, hören einander zu und teilen Erfahrungen. Dabei lernen wir sehr viel über- und voneinander. Häufig entsteht schon nach relativ kurzer Zeit das Gefühl, sich bereits länger zu kennen.

Im August 2024 waren zwei junge Frauen aus der Ukraine in meiner Kleingruppe. Sie erzählten von ihrer persönlichen Sichtweise auf den Krieg. Davon, dass sie nur einige Stunden am Tag Strom haben oder nicht immer zur Schule gehen können.

Altarraum und Kreuz in Taizé
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Ihre Geschichten haben mich sehr berührt. Ich wusste zwar Vieles aus den Nachrichten über die Situation in der Ukraine, aber Betroffene kennenzulernen, war etwas ganz anderes.

Ich glaube, ich habe erst dadurch wirklich verstanden, was Frieden bedeutet und wie wertvoll es ist, in Frieden zu leben. Seitdem bin ich in meinem Alltag auch ein Stückchen dankbarer geworden. Für die kleinen Dinge, über die ich mir sonst gar keine Gedanken mache – wie einfach jederzeit mein Handy aufladen zu können.

Für wen ist Taizé geeignet?

Taizé richtet sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 35 Jahren. Willkommen sind Menschen aller christlichen Konfessionen – und auch solche, die auf der Suche sind oder Fragen an den Glauben haben. Vorkenntnisse sind nicht nötig. 

Mehr Hintergrund-Infos bei EKHN.de

Eine der beiden habe ich 2025 wiedergetroffen und wir haben uns lange unterhalten. Dieses Mal sprachen wir kaum über den Krieg, sondern über alles andere, was uns sonst beschäftigt. Auch das gehört zu Taizé: Beziehungen, die bleiben.

Vielfalt leben: Glaube als verbindendes Element

In Taizé kommen Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Kulturen und christlichen Traditionen zusammen. Katholisch, evangelisch, orthodox oder freikirchlich – die Unterschiede spielen eine Rolle, stehen aber nicht im Vordergrund.

Gerade in Gesprächen über den Glauben zeigt sich, wie viel verbindet. Gleichzeitig entsteht Raum für ehrlichen Austausch über unterschiedliche Perspektiven. Diese Gespräche erlebe ich als respektvoll und bereichernd. Sie laden dazu ein, die eigene Haltung zu hinterfragen und Neues mitzunehmen

Stille im Gebet finden

Pauline hält ein Schild mit der Aufschrift „Silence“.
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Dreimal am Tag versammeln sich alle in der Kirche zum Gebet. Besonders prägend sind in jedem Gebet die rund 8 Minuten Stille.

Für mich ist diese Stille ein Raum zum 

  • Nachdenken
  • Beten
  • Ankommen

Zeit, um einfach Sein zu dürfen. Ohne Stress und ohne, dass jemand etwas von mir erwartet.

Mehr als Glaube und Gebet: christliche Gemeinschaft finden

Auch außerhalb der vielen Gespräche und Gebete wird es in Taizé nie langweilig.

Das kleine Dorf und die ruhige Natur in der Umgebung laden zu Spaziergängen ein: auf den Markt im Nachbarort Ameugny oder zu einem kleinen See

Besonders morgens, wenn gerade die Sonne aufgeht, laufe ich gerne eine Runde durch das eigentliche Dorf. Taizé wirkt fast magisch, wenn die Sonne golden zwischen den alten Steinhäusern hindurchscheint und alles noch ruhig ist, bevor man kurze Zeit später wieder von so vielen Menschen umgeben ist.

Taizé am frühen Morgen
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Im Sommer lohnt sich ein Besuch auf dem nahegelegenen Bauernhof, dort wird selbstgemachtes Eis verkauft. 

Einmal stand ich mit meiner Kleingruppe vor dem verschlossenen Laden. Keiner von uns hatte daran gedacht, vorher nach den Öffnungszeiten zu schauen. Wir sahen den Besitzer des Ladens einige Meter von uns entfernt auf dem Hof arbeiten. Jemand fragte ihn einfach freundlich, ob er nicht doch kurz für uns öffnen könnte, was er gerne tat. Ich muss immer noch lächeln, wenn ich daran denke.

FAQ Taizé

Ort: Taizé, Burgund (Frankreich)
Dauer: meist eine Woche
Kosten: sehr niedrig, solidarisches Preissystem
Sprache: international, Gespräche oft auf Englisch oder Deutsch
Schwerpunkt: Gebet, Stille, Austausch, Gemeinschaft
Website von Taizé

Abends treffen sich viele nach dem Gebet am Oyak, einem kleinen Kiosk. Dort wird gesungen, gelacht und getanzt – meistens bis spät in die Nacht.

Was bleibt von Taizé? Ein Stück Veränderung

Diese vielen verschiedenen Dinge beeindrucken mich an Taizé. Durch die Begegnungen, Gespräche und lustigen Momente, aber auch die Zeit für persönliche Reflexion und den eigenen Glauben, kommen mir immer wieder neue Gedanken, die ich so zu Hause nicht gehabt hätte.

Ein Bruder aus Taizé hat mal zu mir gesagt: „Bleib bei Gott, verbring Zeit mit ihm. Jesus sagt zu uns: ‚Hab keine Angst, ich bin immer für dich da.‘“

Diese Worte, die Begegnungen, das Gefühl von Frieden und Vertrautheit nehme ich mit nach Hause. Vor allem die generelle Offenheit gegenüber anderen Menschen beherzige ich mehr in meinem Alltag.

Was hältst du von einer Woche ohne Ablenkung, aber mit echten Gesprächen? Schreib uns deine Gedanken dazu auf Social-Media:

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Oft habe ich das Gefühl, ein kleines bisschen verändert zurückzukehren. Genau das macht den Besuch in Taizé für mich immer wieder besonders

Am Ende jeder Woche fällt der Abschied schwer. Viele Menschen, die sich in der Woche kennengelernt haben, schreiben einander einige Sätze in ihr Liederheft. Ich freue mich immer sehr, wenn ich mein Heft einige Zeit später wieder aufschlage. Es erinnert mich an so viele schöne gemeinsame Erlebnisse. Auch die bunten Taizékreuze bleiben ein schönes Andenken an die Zeit dort.

Taizé lässt sich schwer erklären. Ich kann dir die Reise dorthin auf jeden Fall empfehlen. Denn es zeigt, wie viel Begegnung, Stille und Gemeinschaft im Leben bedeuten können.