Glaube

„Warum ich mich als Erwachsene habe taufen lassen“

Das barocke Taufbecken in Idstein. Die Unionskirche ist eine evangelische Pfarrkirche mit einer herausragenden barocken Inneneinrichtung. Sie entstand als erster bedeutender Kirchenbau im Herzogtum Nassau nach dem Dreißigjaehrigen Krieg.
epd-bild/Heike Lyding
Taufbecken in der Unionskirche in Idstein

Glaube ja, Kirche nein? Anja ließ sich erst mit 32 Jahren taufen. Ein einfacher Familiengottesdienst hat für sie alles verändert.

„Als ich diesen Familiengottesdienst erleben durfte, habe ich mich frei und geborgen gefühlt. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich: Hier will ich sein. Hier fühle ich mich zum aller ersten Mal mit Kirche verbunden.“

Warum Kirche lange keine Rolle spielte

Ganzkörperfoto von Anja Pfaff - sie trägt weiß. Sie hat sich als Erwachsene taufen lassen
privat

Für Anja Christina Pfaff ist Glaube elementar. Er begleitet die Therapeutin ihr ganzes Leben. Trotzdem hat sie sich erst im Alter von 32 Jahren taufen lassen. Gemeinsam mit ihrer damals neugeborenen Tochter.

„Meine Eltern gehörten unterschiedlicher Konfessionen an.“, erzählt die 46-Jährige.

Sie erinnert sich, dass das Paar damals negative Erfahrungen mit der Kirche machen musste. Beispielsweise durften die beiden nicht heiraten. Die Enttäuschung darüber war so groß, dass beide aus der Kirche ausgetreten sind. 

Tochter Anja wurde nicht getauft und kam in ihrer Kindheit kaum mit der Kirchengemeinde in Berührung. 

„Für mich war lange klar: Ich möchte der Kirche erst dann beitreten, wenn ich dieses gewisse Etwas verspüre. Dieses Gefühl hatte ich bis dahin jedoch nie so richtig erlebt.“

Der Moment, der alles veränderte

Hochschwanger erfuhr Anja dann zum ersten Mal ein Gefühl tiefer Verbundenheit mit einer Kirchengemeinde – während eines einfachen Familiengottesdienstes in ihrer heutigen Gemeinde in Idstein

Christlich taufen

Chöre, Beratungsangebote oder soziale Projekte: Solche Begegnungen können den Wunsch nach einer Taufe wachsen lassen. Die Taufe ist einmalig und macht dich zum Kirchenmitglied, mit allen Rechten und Pflichten. Wenn du schon christlich getauft bist, brauchst du keine zweite Taufe. Oft gehst du den Weg über Gespräche oder Glaubenskurse. Ab 14 brauchst du keine Taufpat*innen.

Mehr Infos zur Erwachsenentaufe bei EKHN.de

„Es wurde getanzt und sich zu wundervollen Liedern bewegt. Auch die Kinder machten begeistert mit – es war ein friedvolles und harmonisches Miteinander.“ Da sie selbst dieses Gefühl einer Gemeinschaft nie erleben durfte, wollte sie es ihrem Kind anders ermöglichen. „Wenn meine Tochter all diese Erfahrungen gemacht hat, soll sie selbst entscheiden können, ob sie Teil dieser Gemeinde bleiben oder austreten möchte.“, so Anja. 

Für Anja war klar: Wenn sie ihre Tochter evangelisch taufen lässt, dann gehen sie diesen Weg gemeinsam. „Ich möchte ihr alle Facetten näherbringen, die Kirche bieten kann – und gleichzeitig für mich selbst Kirche und Gemeinschaft neu erfahren.“

Die darauffolgenden Gespräche sowie der Kontakt zu Daniela Opel-Koch, Pfarrerin der Kirchengemeinde in Idstein, gaben ihr zusätzliche Klarheit und bestärkten sie in ihrer Entscheidung.

Zwischen Kritik und Zuspruch

Porträt Anja Pfaff: Selfie einer blonden Frau
privat

Nicht alle in ihrem Umfeld fanden Anjas Entscheidung gut. Sie erinnert sich an „viel Gegenwind“ und Kommentare wie „Kirche ist doch dramatisch“ oder „Das ist alles veraltet“ blieben nicht aus. Immer wieder musste sie die Frage nach dem „Warum“ beantworten.

Andere Menschen schenkten ihr Zuspruch. „Auch wenn viele meine Entscheidung nicht ganz nachvollziehen konnten, freuten sie sich mit“, erinnert sich Anja. Besonders wichtig war ihr dabei, dass die Menschen „erkannten, dass mich dieser Schritt glücklich macht. Besonders die Tatsache, dass ich diesen Weg gemeinsam mit meiner Tochter gehe, wurde von vielen als etwas Wundervolles wahrgenommen“.

Was Glaube heute für sie bedeutet

Anja versteht ihre Kirche als einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um in Verbindung zu treten und Gemeinschaft zu erleben.

„In meinem Glauben kann ich ganz bei mir sein. Es gibt keine Dualität, kein Getrenntsein – vielmehr verspüre ich ein Gefühl von Einheit.“

Was sich mit der Taufe verändert hat

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Mit der Entscheidung sich taufen zu lassen, konnte Anja auf eine völlig neue Weise in diese Gemeinschaft eintauchen. „Für mich hat sich ein Raum geöffnet, in dem alles sein darf. Glaube und Verbindung können in all ihren Facetten gelebt werden – das macht mir Mut.“ 

Auch ihre Tochter engagiert sich nach ihrer Konfirmation weiterhin in der Kirche.

Für Anja war die Entscheidung, sich erst im Erwachsenenalter taufen zu lassen und den Weg gemeinsam mit ihrer Tochter zu gehen, genau die richtige. „Diese Gemeinschaft bereichert mein Leben jeden Tag aufs Neue.“, erzählt sie.