In die Kirche eintreten

„Ich habe mich im Bach taufen lassen“

Mit einer ganz besonderen Taufe in die Kirche eintreten: Dafür hat sich Laura aus Idstein entschieden. Wir waren mit der Kamera dabei.

von Niklas Jenny

Laura Pinkert hatte nie viel mit Kirche zu tun. Ihre Eltern sind nicht gläubig, als Kind hatte die 27-Jährige keinen Bezug zum Christentum. Trotzdem lässt sie sich an diesem Sonntag, mit Ihrem halbjährigen Sohn Moritz, taufen.

Diese Entscheidung kommt nicht von ungefähr - durch die Familie ihres Partners ist sie in Kontakt gekommen. Ihre ältere Tochter hat den Konfirmationsunterricht besucht und Laura so die Idsteiner Kirchengemeinde kennengelern. Dieser Kirchengemeinde „fühle ich mich zugehörig“, sagt sie. Dieses Gemeinschaftsgefühl habe bei ihren Überlegungen in die Kirche einzutreten, eine wichtige Rolle gespielt. 

Was Kirchen gegen den Mitgliederschwund machen

Damit ist Laura die Ausnahme. Üblicherweise treten Menschen zwischen 20 und 30 eher aus der Kirche aus, als ein. 

Deswegen suchen manche Kirchengemeinden neue Wege, um ihre Mitglieder an sich zu binden und wieder attraktiv zu werden. Pfarrerin Daniela Opel-Koch wirkt auf mich mit ihrem rosa Sakko und den pinken Gummistiefeln unkonventionell. Ihr kam die Idee zur Taufe im Idsteiner Wolfsbach beim Joggen vor drei Jahren. 

Frei nach dem Motto: „Raus aus den alten Gemäuern.“ Daniela Opel-Koch sagt: „Wir haben gemerkt, dass die Menschen diese Naturverbundenheit gern haben.“ Die Unionskirche in Idstein ist groß und hat mit ihren riesigen Gemälden eine „Salon-Atmosphäre“. Aber genau das schaffe auch Distanz. Für die Pfarrerin ist damit die Bachtaufe von Laura ein Beispiel dafür, dass sie mit ihrer Gemeinde auf dem richtigen Weg ist. 

Barfuß-Taufe im Idsteiner Wolfsbach

Am 11. Juli lassen sich insgesamt 16 Täuflinge im Idsteiner Wolfsbach taufen. Ich spreche mit einem kleinen Mädchen. Sie freut sich über ihre Taufe zwischen Bierzeltgarnituren und Picknickdecken. „In der dunklen Idsteiner Unions-Kirche hätte ich mich nicht wohl gefühlt“, sagt sie. Die Bachtaufe findet inzwischen schon zum dritten Mal hier statt. Dass die Outdoor-Taufe auch eine optimale Antwort auf die Corona-Pandemie ist, bleibt eine ungewollte, aber positive Randnotiz. 

An diesem Sonntag stehen vier separate Bierbank-Gruppen auf einer Wiese direkt vor einem improvisierten Altar hinter dem Wolfsbach. Auf einer nimmt auch Lauras Familie Platz. Der Gottesdienst selbst läuft klassisch ab und ich merke, dass viele von uns vor allem die Musik vermisst haben. Alle singen mit.

Anschließend ist es soweit. Über eine kleine Treppe geht es barfuß hinunter in den Bach. Daniela Opel-Koch nimmt eine Handvoll Wasser, berührt behutsam Lauras Stirn und spricht den Taufspruch:

Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist dir seine Treue.

 (Psalm 91,4)

Die Zeremonie ist vorbei. Laura wirkt glücklich und beseelt: „Ich habe jetzt wirklich das Gefühl dazuzugehören.“ Sie kann das Geschehene kaum in Worte fassen. Immerhin: Kalt war ihr im Bach zumindest nicht.