Glaube

Trauung und Taufe zusammen: Wie funktioniert eine Traufe?

Cirstin, Robert und Carlotta vor dem Altar
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Cirstin, Robert und ihre einjährige Tochter Carlotta feiern eine All-in-one-Party: Eine Traufe. Was ist das und was sind die Vorteile?

Aufgeregt stehen Cirstin und Robert Barthel vor der Unionskirche in Idstein und warten auf ihren großen Moment. Cirstin trägt ein wunderschönes, langes Brautkleid, Robert einen schicken braunen Dreiteiler. Er hat die kleine Tochter Carlotta auf dem Arm. 

Dann geht es los. Der Organist spielt „Circle of Life“ von König der Löwen, die Gemeinde erhebt sich und die drei ziehen in die Kirche ein. Sie feiern heute Traufe. 

Hochzeitspaar mit Tochter vor Kirche
Karsten Fink
Cirstin und Robert feiern ihre Hochzeit. Im Gottesdienst ließen sie auch ihre Tochter taufen

Was ist eine Traufe?

„Eine Traufe ist eine All-in-one-Party: Trauung und Taufe“, verrät die evangelische Pfarrerin Daniela Opel-Koch. Sie hält die Feier für die Familie. 

Cirstin und Robert haben sich 2020 an der Uni Marburg kennengelernt, im Ruderteam. „Wir haben viele gemeinsame Nenner, aber sind trotzdem unterschiedlich genug, dass es nicht langweilig wird“, sagt Cirstin. Und Robert fügt hinzu: „Wir können uns auch ergänzen in den Punkten, in denen wir verschieden sind.“ Cirstin findet: „Das macht´s perfekt!“

Nach dem Studium hat es die beiden beruflich nach Idstein in Hessen verschlagen. Im vergangenen Jahr haben sie standesamtlich geheiratet – an einem ganz besonderen Datum. Denn die Familie hat herausgefunden, dass das Paar an den gleichen Tagen Geburtstag hat wie Roberts Urgroßeltern. Was für ein Zufall, finden sie, und wollen deswegen auch am gleichen Tag heiraten, dem 31. Januar. 

Warum eine kirchliche Trauung?

„Wir hatten eine super Standesbeamtin“, erinnert sich Cristin. Trotzdem findet sie eine standesamtliche Hochzeit nicht so persönlich wie eine kirchliche Trauung. Robert sieht es genauso, die kirchliche Feier darf auch für ihn nicht fehlen. „Für mich gehört das mit dazu, es ist Tradition und ein Teil der Kultur.“ 

Also heiraten sie ein gutes Jahr später, im Mai 2026, in der Unionskirche in Idstein. Die kleine Familie wohnt nur wenige Gehminuten von der Kirche entfernt. Ihre Verwandtschaft ist von weit her angereist, aus Darmstadt, Marburg, Braunschweig und Flensburg. 

„Robert, möchtest du Cirstin als deine Ehefrau aus Gottes Hand annehmen, sie lieben und ehren, in Krankheit und Gesundheit ihr die Treue halten, bis der Tod euch scheidet?“, fragt die Pfarrerin. „Ja, mit Gottes Hilfe“, antwortet der Bräutigam. Und Cirstin macht es ihm gleich. 

Die Ringe werden angesteckt, ein Kuss ausgetauscht. Die Gemeinde applaudiert. Cirstin und Robert strahlen über beide Ohren.

Trauung und Taufe im selben Gottesdienst

Ehepaar sitzt vor dem Altar derIdsteiner Unionskirche
Karsten Fink
Cirstin und Robert heiraten kirchlich

Aber die Feier ist noch nicht vorbei, jetzt ist der zweite Ehrengast des Tages dran: Carlotta. Pfarrerin Daniela Opel-Koch füllt aus einem Krug Wasser in das Taufbecken. Das einjährige Mädchen darf schon mal ein bisschen mit der Hand darin planschen. Ihr Taufpate hält sie auf dem Arm und will sie mit dem Kopf über das Becken halten. „Besser andersrum, so wie ein Flieger“, rät die erfahrene Pfarrerin. Das findet Carlotta super und so fließen auch keine Tränen während der Taufe. 

„Ich taufe dich auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Du gehörst zu Christus und Christus gehört zu dir“, sagt die Pfarrerin, schöpft drei Mal Wasser auf Carlottas Kopf und zeichnet ein Kreuzzeichen auf ihre Stirn. Carlotta lacht, die Gemeinde auch, und wieder wird geklatscht. 

#einfachheiraten: Spontane Hochzeit im kleinen Kreis

Zwischen dem 19. Juni und dem 29. August 2026 können Paare im Rahmen der evangelischen Aktion #einfachheiraten unkompliziert kirchlich heiraten oder sich segnen lassen. 

Die Bandbreite der rund 350 Feierorte ist groß: Neben festlich geschmückten Kirchen und Außenflächen sind auch zahlreiche besondere Orte dabei. In der EKHN beispielsweise können Segnungen und Trauungen in einer Gondel des Riesenrads in Mainz stattfinden, in der Klosteranlage Eberbach im Rheingau, im Jagdschloss Kranichstein bei Darmstadt oder auf einem Boot auf der Lahn in Nassau. Auch die Pfarrpersonen und Ehrenamtlichen der Frankfurter Flughafenkapelle öffnen ihre Türen. Interessierte Paare finden auf der zentralen Aktionswebseite www.einfachheiraten.info alle Kirchen und Gemeinden, die Feierorte gestalten.

Vorteil einer Traufe

Wie eine Traufe abläuft, hat Cirstin bereits vor einigen Jahren bei ihrem Onkel kennengelernt. Auch er hat bei seiner Hochzeit seinen Sohn taufen lassen. Cirstin fand das damals sehr schön und hat sich nun zusammen mit Robert für die gleiche Lösung entschieden. Eine Traufe hat aus ihrer Sicht mehrere Vorteile:

  • Die Organisation für eine Feier ist weniger aufwendig als für zwei Anlässe.
  • Die Gäste müssen nur einmal anreisen.
  • Es entsteht weniger Müll und der CO2-Fußabdruck ist dadurch niedriger.
  • Die Kosten sind geringer. 

Aber neben all diesen praktischen Vorteilen ist für Cirstin und Robert ein weiteres Argument das Wichtigste: ihre Tochter Carlotta. „Bei so einer Trauung feiert man die Liebe. Und Carlotta als das schönste Produkt unserer Liebe muss da auch ihren Platz haben“, findet Robert. 

Dadurch gewinne die Hochzeit noch mehr an Bedeutung, weil es nicht nur ein gegenseitiges Eingeständnis ihrer Liebe sei, sondern auch die Zusage, dass sie Carlotta lieben und für sie da sind. 

Traufen nehmen die Familie in den Fokus

Auch die Pfarrerin der Unionskirche findet die Traufe eine tolle Idee. Sie selbst hat bisher nur wenige solcher All-in-one-Partys gefeiert. Aber sie findet es schön, den Fokus zuerst auf das Paar und dann auf den Täufling zu legen. „Der Gesamtfokus ist also bei der ganzen Familie und das ist das Verbindende und Schöne daran“, findet Daniela Opel-Koch. 

Sie lädt die Familie herzlich ein, wiederzukommen: Für die Kinderkirche, Ehejubiläen und alle Anlässe im Laufe des Jahres. „Sie sind hier als Familie in der Kirchengemeinde herzlich willkommen. Bei uns ist es immer cool“, lacht die Pfarrerin.

Die Feier ist zu Ende. Cirstin, Robert und Carlotte ziehen freudestrahlend aus der Unionskirche aus. Dort werden sie mit Seifenblasen und einem weiteren Applaus empfangen. Die Sonne scheint, alle umarmen sich. „Wir sind glücklich“, resümiert das Brautpaar. „Das zweite Mal heiraten ist eindeutig weniger aufregend, mehr zum Genießen.“ 

Die Traufgesellschaft schaut in der Kirche zur Empore
Karsten Fink

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