Buch-Tipp

Bestseller als Geschenke-Tipp für Weihnachten: Ist sie ein Opfer oder die Täterin?

Steffis Buchtipp im Dezember
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Die Geschichte der scheuen Kya stand monatelang auf der Bestellerliste der New York Times. Zu Recht. „Der Gesang der Flusskrebse“ ist das perfekte Weihnachtsgeschenk.

hanserblau

Ist es ein Krimi? Eine Liebesgeschichte? Oder einfach eine Erzählung? 

So genau kann ich es nicht sagen, aber „Der Gesang der Flusskrebse“ ist das erste Buch, das ich seit einer gefühlten Ewigkeit ohne Pause verschlungen habe. Es verfügt über einen enormen Charme, der verhindert, dass die Leserin das Buch je wieder aus der Hand legen will, hat sie erstmal mit dem Lesen begonnen. Doch es ist weniger Nervenkitzel als der Sog einer sanften, leisen Erzählung.

Außenseiterin ohne Familie und Freunde

Kya Clark wächst als jüngstes Kind in einer armen Großfamilie mitten im Marschland in den USA der 1950er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf. Die Salzwiesen und Sandbänke dieser Region sind ihre Heimat und ihr Schutzschild.

In dieser Wildnis lebt sie zurückgezogen und alleine. Alleine, weil nach und nach ihre Mutter und ihre Geschwister aus der Einöde und Armut der Familie geflohen sind. Zurück bleibt die kleine Kya mit ihrem trinkenden Vater. Anfangs jedenfalls, irgendwann taucht auch er nicht mehr. Das Verlassen werden durchzieht Kyas Kindheit und prägt sie.

Kein Mensch bleibt für immer

Statt mit Menschen verbringt Kya ihren Alltag mit Muscheln und Vögeln - und wird immer mehr zur Außenseiterin. Sie haust in einer armseligen Hütte und ernährt sich von dem, was sie selbst anbaut. Immer auf Abstand zur Zivilisation. Bis Tate in ihr Leben tritt. Der ältere Junge durchbricht nach und nach ihre Mauer, bringt ihr Lesen und Schreiben bei und erobert ihr Herz.

Infos

Dellia Owens: Der Gesang der Flusskrebse. Hanserblau, 464 Seiten, 22 Euro.

Mörderin und Opfer?

Und dann ist da noch Chase. Der vor Selbstbewusstsein strotzende Sohn reicher Eltern, der stets bekommt was er will. Und wenn nicht, sorgt er dafür. Doch eines Morgens ist er tot. Tja, und wer eignet sich am Besten als Verdächtige, wenn nicht die schöne, scheue Außenseiterin?

Ich gestehe: Richtig warm bin ich mit Kya nicht geworden. Das hat aber nicht verhindert, dass mich ihre Geschichte gefangen genommen hat. In Parallelerzählungen zwischen Gegenwart und Rückblenden erzählt Autorin Delia Owens ihre Geschichte, die nie kitschig daher kommt.

Ist Kya ein Opfer oder eine kaltblütige Mörderin? Wie viel Einfluss hat unsere Umwelt auf uns? Klasse Leseempfehlung. Übrigens nicht nur von mir, sondern auch von Reese Witherspoon.