Filmtipp aus der Medienzentrale

Filmtipp: „The Cleaners“ räumen in Social Media auf

Einer der „Content Moderatoren“ mit dem Untertitel: Unsere Aufgabe ist es, die Plattform vom Dreck zu säubern.
farbfilm verleih/Trailer
Acht Sekunden haben die sogenannten „Content Moderatoren“ Zeit zu entscheiden, ob der Inhalt im Netz bleiben darf.

Hass und Fake News in Social Media: Wie die grausamen Bilder aus dem Netz verschwinden, erzählt der Dokumentarfilm „The Cleaners“.

Löschen – Mausklick. Ignorieren -  Mausklick. Ignorieren - Mausklick. Monotones, ständiges Klickgeräusch. Blauflimmernde Computerbildschirme. Konzentriert sind die Menschen im Großraumbüro bei der Arbeit. Jeder für sich.

Die Schattenindustrie der Content Moderation

Sie heißen Content Moderators und arbeiten für Facebook, YouTube und Twitter. Mehr als 3 Milliarden Menschen sind durch soziale Netzwerke verbunden. Jede Minute werden hunderte von Videos auf YouTube hochgeladen, tausende Tweets auf Twitter abgesetzt und Millionen Posts auf Facebook versendet.

Jeden Tag zehn Stunden am Rechner belastende Fotos und Videos
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Jeden Tag zehn Stunden am Rechner belastende Fotos und Videos scannen.

Belastende Fotos und Videos von Facebook, YouTube, Twitter & Co. 

Nicht alles, was hochgeladen wird, bleibt. Darüber entscheiden die Content Moderators. Täglich arbeiten sie sich durch Texte, Videos, Bilder, bei denen sie pornographisches, gewalttätiges oder verfassungsfeindliches Material herausfiltern sollen.

Outsourcing der traumatischen Arbeit für Social Media

Hans Block und Moritz Riesewieck begleiten in ihrem Dokumentarfilm „The Cleaners“ fünf Content Moderators und tauchen in deren Welt ein. Die sich auf den Philippinen, in Manila befindet. Denn die großen Unternehmen geben diese Arbeit gerne an Dienstleister in Billiglohnländern und verpflichten sie zur Geheimhaltung.

Dokumentarfilm und hochaktueller Thriller zugleich

Bilder in kühles Licht getaucht, schattenhafte Figuren, manche Gesichter nur in Ausschnitten. Eine stetige Bedrohung scheint über allem zu liegen. In der Gestaltung erinnert „The Cleaners“ an einen Thriller und schafft damit eine besondere Atmosphäre, ohne das Thema zu vernachlässigen.

Film-Infos: The Cleaners

Dokumentarfilm

Regie: Hans Block und Moritz Riesewieck
Drehorte: Brasilien, Deutschland, Italien, Niederlande, Philippinen, USA 2018
Länge: 92 Minuten

Mehr Infos zu The Cleaners auf der Website zum Film

Viele der Content Moderators sind stolz auf ihre Arbeit, sehen sich als Wachleute, als Menschen, die die User beschützen. 25.000 Bilder ist das Tagespensum - in Schichten von zehn Stunden.

Wie Hass und Fake News durch Soziale Netzwerke verbreitet werden

Um einen Einblick zu vermitteln, womit die Moderators tagtäglich zu tun haben, zeigt der Film durchaus teilweise die grausamen Bilder, die zur Debatte stehen. Bilder, mit denen die Moderators aber dann allein gelassen werden. Die Symptome, die viele der Moderators bei ihrer Arbeit entwickeln, ähneln denen von Soldaten und Soldatinnen, die vom Kriegseinsatz zurückkehren. Doch psychologische Begleitung gibt es nicht.

Nachdem der Film sich im ersten Teil eher auf die Arbeitsbedingungen konzentriert, geht es im zweiten Teil mehr um grundsätzliche Fragen:

  • Wo bleibt die Vision einer vernetzten globalen Internetgemeinde? 
  • Welche Konsequenzen hat das Auslagern von Kontrolldienstleistungen?
  • Wie beeinflussen so genannte Echokammmern und Filterblasen gesellschaftliche Verhältnisse, wenn die Wahrnehmung der Welt über soziale Netzwerke funktioniert?

Preise für „The Cleaners“

„The Cleaners“ hat unter anderen den Prix Europa für „Best European TV Documentary of the Year“, den Grimme Preis und den Katholischen Medienpreis gewonnen.

Die beiden Regisseure sagen, sie wollten mit ihrem Film eine längst überfällige Debatte anstoßen. „Knapp 15 Jahre nach ihrer Erfindung haben sich soziale Netzwerke zu einem gleichermaßen mächtigen wie gefährlichen Instrument entwickelt, das imstande ist, Gesellschaften zu spalten, Minderheiten auszugrenzen und Genozide zu befördern.“

Wo sollte der Einfluss von Facebook, YouTube, Twitter & Co. enden?

„Wir wollen vor Augen führen, wohin wir steuern, wenn wir die Verantwortung für die digitale Öffentlichkeit Privatunternehmen überlassen, die Wut und kollektive Empörung zu Geld machen, und deshalb trotz aller Lippenbekenntnisse keinerlei ernsthafte Anstrengung dagegen betreiben.“

„Wir wollen zeigen, dass es kein Zufall ist, wenn weltweit eine Politik auf dem Vormarsch ist, die einfach beseitigen und ausgrenzen lässt, wer oder was ‚stört‘, anstatt sich der zugrunde liegenden Probleme anzunehmen“, so die beiden Dokumentarfilmer. Dabei sind Hans Block und Moritz Riesewieck auch Überzeugungstäter. Sie sagen: „Es ist eine Ideologie, die analog wie digital weltweit an Zustimmung gewinnt und die wir stoppen sollten, bevor es zu spät ist.“

Besondere Kritik üben sie dabei an der Bequemlichkeit, „alle Verantwortung ‚outzusourcen‘“. Die „können wir uns nicht länger leisten. Die Entscheidung über Demokratie und Meinungsfreiheit darf nicht nur zwei Optionen kennen: ‚Löschen‘ oder ‚Ignorieren‘“.

Filmplakat „The Cleaners“
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„The Cleaners“ in der Evangelischen Medienzentrale Frankfurt ausleihen oder streamen

Du kannst den Film unter der Nummer DVD2179 in der Evangelischen Medienzentrale ausleihen. Du erreichst die Kolleg:innen unter dispo(at)medienzentrale-ekhn.de oder telefonisch unter 069/92107-100.

Öffnungszeiten: Mo, Di, Do von 9-12 Uhr und 13-16 Uhr

Du kannst die Filme aus der Medienzentrale auch online im Medienportal streamen.

Dieser Tipp ist Teil einer Kooperation zwischen der Evangelischen Medienzentrale Frankfurt und indeon.de

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