Kultur

Kirchenkino in Lauterbach: Wie Kultur lokal lebendig bleibt

Zwei Personen, rechts eine Frau mit grauen Haaren, braunen Haaren und einer bunten Bluse, links ein Mann mit grauen Haaren, dunkler Brille und schwarzem Shirt. Beide stehen vor einem großen Kinosaal mit vielen leeren Sitzen. Text: "Das Kino ist ein Ort der Begegnung".
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Kino ist mehr als Filme, es ist Ort der Begegnung, der Fantasie und der Kultur. Das Kirchenkino in Lauterbach verbindet all diese Dinge mit Glaube.

In Lauterbach wird es dunkel und Stefanie Dörr schaltet den Neon-Schriftzug an ihrem kleinen Programmkino an. „Lichtspielhaus“ scheint hell über dem Eingang. Sie wirft die Popcorn-Maschine an, der Duft von karamellisiertem Zucker legt sich über den Eingangsbereich. Nach und nach trudeln die Gäste in das Kino mit nur einem Saal ein.

Das Lichtspielhaus Lauterbach

Das Kino wurde in den 1930er-Jahren vom Großvater von Stefanies verstorbenem Lebensgefährten, Jürgen Ahlbrandt, gebaut. Heute sieht das Kino ein bisschen wie aus der Zeit gefallen aus. Retro, klein, mit ganz viel Charakter, rote Kinosessel, warmes Licht, ein Saal, eine Kasse, eine Snackstation, Filmplakate, keine Displays. Auf dem Weg zum Projektorraum stapeln sich die Filme in kleinen, beschrifteten Kästchen. Mehrere hundert Stück liegen sortiert in Regalen. 

Ein Kinosaal im Stil der 1930er Jahre
Aaron Kniese
Saal des Lichtspielhauses in Lauterbach

Kino: Heute digital, früher analog

Oben angekommen steht neben dem modernen Digitalprojektor auch ein alter Projektor, mit dem sich Filmbänder abspielen lassen. Ein kleines Stück Geschichte, das es nur noch in wenigen Kinos gibt, denn viele mussten die alten Projektoren abbauen, um Platz für die digitalen Geräte zu haben. Der neue Projektor ist immer an und das Summen der Kühlung belegt den Raum mit einem Grundrauschen. Hier oben startet Stefanie gleich den Film. Zuvor muss sie aber noch den Vorhang vor der Leinwand zur Seite fahren. „Ich gebe mir immer viel Mühe bei der Auswahl des Programms“, erzählt Stefanie „Ich suche bewusst Filme, die nicht im Kino oder im Fernsehen laufen.“

Das Kirchenkino in Lauterbach

Sven Kießling ist Kino-Fan
Aaron Kniese
Pfarrer Sven Kießling organisiert das Kirchenkino in Lauterbach mit

Heute Abend läuft der letzte Film für diese Saison des „Kirchenkinos“. Seit 2007 kooperiert das Lichtspielhaus mit der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde in Lauterbach. Von Oktober bis März erstellen Ehrenamtliche aus beiden Gemeinden ein Kinoprogramm zu einem bestimmten Thema. Für den heutigen Abend haben sie sich für den Film „Der Zopf“ aus dem Jahr 2024 entschieden. Darin kämpfen drei r Frauen an verschiedene Orten der Erde um ihre Freiheit. Pfarrer Sven Kießling begleitet das Projekt und gibt vor jeder Vorführung einen Impuls. „Wir sind hier in einer kleinen Stadt, da bedeutet Kultur, dass sie nur dann stattfindet, wenn sie jemand macht.“ Die Menschen in der Stadt seien dankbar dafür, dass sich die Kirchengemeinde engagiert, erzählt der Pfarrer. 

Streamingdienste als Konkurrenz für Kinos

Stefanie Dörr leht sich an Kinositze
Aaron Kniese
Stefanie Dörr arbeitet in ihrem Lichtspielhaus

Streamingdienste bieten Komfort, eine große Auswahl und sofortige Verfügbarkeit. Dennoch kann Streaming das Kino nicht ersetzen, ähnlich wie Musik-Streaming-Anbieter oder CDs keine Konzerte ersetzen. Denn zum Kino gehört nicht nur der Filmkonsum, sondern auch Gemeinschaft, Austausch (und Popcorn).  „Für mich ist Kino ein Ort der Begegnung“, sagt Stefanie Dörr. „Ein Ort der Fantasie, in dem man einfach auch mal abtauchen kann, aus dem Alltag in eine andere Welt.“

Warum lokale Kinos relevant bleiben?

  • Gemeinschaft: Kino ist ein sozialer Raum, in dem Menschen zusammenkommen.
  • Kuration: gut ausgewählte Filme in Programmkinos eröffnen neue Perspektiven, die Algorithmen nicht immer liefern.
  • Kulturelle Vielfalt: kleine Kinos bieten Raum für Nischen und Filme, die nicht im Mainstream stattfinden.
  • Atmosphäre: Nostalgie, Leinwand, Popcorn, Audio, 3D: Kino bleibt ein Erlebnis.
Selbstgemachtes Popcorn im Kino in Lauterbach
Aaron Kniese
Selbstgemachtes Popcorn im Kino in Lauterbach

Wie steht es um die Kinos?

Seit 2019 sind die Ticketverkäufe der Kinos deutlich gesunken, um rund 25 %, das zeigt eine Untersuchung des Hauptverbandes deutscher Filmtheater. Einen kleinen Lichtblick gibt es aber: 2025 wurden 2,2% mehr Tickets verkauft als im Vorjahr, berichtet der Deutschlandfunk.

Was ist ein Programmkino?

Neben großen Kino-Ketten gibt es auch kleinere Kinos, die nicht überwiegend aktuelle Filme zeigen, sondern sich auf anspruchsvolle Independent-Filme, Klassiker, Originalfassungen und Dokumentarfilme spezialisiert haben. Diese Lichtspielhäuser nennt man Arthouse- oder Programmkinos. Das Lichtspielhaus in Lauterbach ist genau so ein Programmkino.

Warum gehst du ins Kino?

Gehst du überhaupt noch ins Kino oder bleibst du auf der Couch? Und was schaust du dir im Kino an? 

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