Soziales

Awareness auf Festivals: Wer hilft, wenn du Hilfe brauchst?

Ein gelbes Schild mit roter Schrift. Text: "Wo geht's nach Panama? Herzlich Willkommen in Panama! Hier ist dein Safe Space". Daneben mehrere Menschen unter Sonnenschirmen auf dem Festival
EMH/Claudio Murmann

Zu heiß, zu voll, zu laut – Festivals können schnell zu viel werden. Dann kommen Awareness-Teams ins Spiel. Beim Kesselfestival ist das die Festival-Seelsorge.

„Braucht ihr ein bisschen Wasser?“ Maxi hält zwei Festivalbesucherinnen eine Flasche hin. Kurz darauf bietet er Ohrstöpsel an. Vor der Bühne des Kesselfestivals in Stuttgart ist die Musik laut, die Menge dicht. Für das Awareness-Team beginnt Hilfe oft ganz unspektakulär: mit Wasser, Sonnencreme oder der Frage, ob alles in Ordnung ist.

Menschen mit gelben Warnwesten und der Aufschrift „Panama“ besprühen Festivalgäste mit Wasser
EMH/Claudio Murmann
„Panama“ will die Menschen direkt ansprechen und nicht erst aktiv werden „wenn die Hütte brennt.“

Maxi ist Psychologiestudent und zum ersten Mal bei der Festival-Seelsorge dabei. Für ihn ist genau diese niedrigschwellige Unterstützung wichtig. Es gehe nicht darum, erst einzugreifen, „wenn die Hütte brennt“, sagt er. Das Team wolle vorher aufmerksam sein und schauen, wie es den Menschen geht.

Wie die Festival-Seelsorge funktioniert

Dafür laufen die Ehrenamtlichen in Zweierteams über das Festivalgelände. Manche Besucher*innen brauchen bei Hitze Abkühlung, Schatten oder einen ruhigeren Ort. Gerade die Menschenmenge vor der Hauptbühne kann für einige zu viel werden. Hitze kann außerdem psychische Belastungen verstärken.

Manchmal braucht es aber mehr als Wasser und Ohrstöpsel. Dann kommt „Panama“ ins Spiel.

Totalaufnahme einer Menschenmenge vor der Hauptbühne des Kesselfestivals in Stuttgart.
EMH/Claudio Murmann
Hitze, Menschenmengen und laute Musik. Das Gedränge kann schnell zur Herausforderung werden.

Ein Wort, wenn die eigenen Worte fehlen

„Panama“ ist auf dem Kesselfestival ein Codewort für Menschen, die Unterstützung brauchen. Der Vorteil: Wer Hilfe sucht, muss nicht sofort erklären, was passiert ist.

Denn genau das kann in einer belastenden Situation schwerfallen. Wer sich belästigt fühlt, überfordert ist oder eine andere schwierige Situation erlebt, kann einfach nach „Panama“ fragen. Das Personal an der Bar kann die Person beiseite nehmen und das Awareness-Team verständigen.

Wo geht's nach Panama

Der Satz ist seit 2017 ein Hilfecode bei vielen Festivals und Großveranstaltungen. Wer sich bedroht fühlt, kann mit dieser Frage um Hilfe bitten.

Er spielt auf das Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“von Janosch an.

Wann „Panama“ hilft

Was danach gebraucht wird, hängt von der Situation ab. Das Team unterstützt bei Überforderung durch Hitze und Menschenmengen, bei psychischen Belastungen oder Belästigungen. Auch Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, können sich an die Mitarbeitenden wenden.

Das Codewort soll dabei vor allem eine Hürde senken: Hilfe zu bekommen, ohne sich zunächst vor anderen erklären zu müssen.

Was macht die Kirche auf dem Festival?

Das Awareness-Team am Kesselfestival ist ökumenisch organisiert. Hauptamtliche Seelsorger*innen der evangelischen und katholischen Kirche arbeiten mit Ehrenamtlichen zusammen. Wer mitmacht, wird vorher geschult. Maximilian Magiera, Jugendseelsorger in Stuttgart, hatte vor rund vier Jahren die Idee, ein solches Team auf dem Kesselfestival aufzubauen.

Für ihn ist das Angebot auch eine Möglichkeit, als Kirche zu zeigen: „Wir interessieren uns für euch, wir sind für euch da, wenn ihr uns braucht.“ Die christliche Botschaft solle dabei nicht nur gepredigt, sondern praktisch werden: indem Menschen aufeinander achten und füreinander da sind.

Wie kommt Kirche auf dem Festival an?

Wie das bei den Festivalbesucher*innen ankommt, ist unterschiedlich. Ein Besucher sagt, er habe mit Kirche nicht viel am Hut und würde ihre Anwesenheit eher ignorieren. Ein anderer findet das Engagement völlig in Ordnung, obwohl er die Kirche auch mit „sehr vielen negativ konnotierten Sachen“ verbinde. Eine Besucherin wiederum findet es gut, dass sich jemand um die Menschen kümmert – gerade bei Hitze.

Kleine Dinge mit Wirkung

Zwei Personen in gelben Warnwesten mit der Aufschrift Panama sprechen mit Besucherinnen auf dem Festivalgelände
EMH/Claudio Murmann
Helfer Maxi im Gespräch mit Besucher*innen des Kesselfestivals

Maxi verteilt vorne an der Bühne auch noch Sonnencreme. „Das sind so die kleinen Dinge, die aber direkt einen Impact haben“, sagt er. Es gehe darum, mit wenig Aufwand das Festivalerlebnis ein Stück besser zu machen.

Und manchmal reicht dafür eben eine einfache Frage: „Braucht ihr ein bisschen Wasser?“

Hattest du schon mal Kontakt mit einem Awareness-Team auf einem Festival oder einer Veranstaltung? Fühlst du dich dort sicher? Was würdest du dir wünschen? Schreib uns deine Erfahrungen und Gedanken! Entweder per Mail in die Redaktion oder auf Social Media:

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