Protest gegen Verschwendung von Nahrungsmitteln

„Container-Pater“: Staatsanwaltschaft nimmt Verfahren wieder auf

Jesuitenpater Jörg Alt spricht mit Polizisten.
epd/Valeska Rehm
Jesuitenpater Jörg Alt im Gespräch mit Polizisten. Nach einer nächtlichen Aktion, bei der Alt Lebensmitteln aus Mülltonnen gestohlen hat, zeigt er sich selbst an.

Er klaut Lebensmittel für den guten Zweck: In Deutschland fällt es strafrechtlich unter Diebstahl, weggeworfene Bananen, Brote oder Konserven aus den Mülltonnen von Supermärkten zu holen. Gegen den Jesuitenpater Jörg Alt hat die Staatsanwaltschaft ihr Verfahren nun wieder aufgenommen.

Im Schutz der Dunkelheit hatte er sich auf den Weg gemacht, um zu tun, was der Gesetzgeber verbietet: Lebensmittel aus den Mülltonnen von Supermärkten klauen, oder besser: retten. Der Jesuitenpater Jörg Alt gab sich nicht mit einer Mülltonne zufrieden, sondern holte Gemüse, Fertiggerichte, Brot und Milchprodukte aus den Tonnen von drei Supermärkten in Nürnberg.

Jesuitenpater Jörg Alt steht mit einem Einkaufswagen voller Lebensmittel vor einem Schaufenster.
epd/Valeska Rehm
Jesuitenpater Jörg Alt verteilt die Lebensmittel, die er aus Mülltonnen von Supermärkten geklaut hat. Andere nennen das Lebensmittel retten.

Als „Tonnentaucher“ Lebensmittel retten

Drei Versuche, dreimal erfolgreich und dreimal nicht erwischt. Einen gewöhnlichen Einbrecher würde es natürlich freuen, wenn er sich mit seiner Beute unbemerkt aus dem Staub machen kann. Nicht so Pater Alt. Ähnlich wie Robin Hood hat er das Gestohlene an die Armen verteilt.

Kostenlose Lebensmittel verteilt

Er stellte sich am nächsten Tag vor einen Discounter und verschenkte die Lebensmittel an Menschen, für die auch ein Discounter zu teuer ist. Aber das Ziel des Paters ist ein ganz anderes: Er will öffentlich daran erinnern, dass „containern“, also essbare Nahrungsmittel aus Mülltonnen holen, noch immer verboten ist. Deshalb hat sich Alt selbst angezeigt.

Staatsanwaltschaft nimmt Verfahren wegen Containern wieder auf

Die Staatsanwaltschaft war gezwungen, wegen Diebstahls zu ermitteln. „Mangels Tatnachweis“ hat sie das Verfahren vorerst eingestellt. Es sei nicht geklärt worden, „welche Waren im Einzelnen aus welchen Lebensmittelmärkten der Beschuldigte entwendet hatte.“

Pater Alt reagierte daraufhin überrascht. „Ich kann dies nur so deuten, dass der Freistaat Bayern ein hochnotpeinliches Verfahren um jeden Preis aus der Welt schaffen will“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst. 

Doch schon Anfang Juli 2022 gibt Jörg Alt via Twitter bekannt, dass das Verfahren von der Staatsanwaltschaft nun doch wieder aufgenommen sei - wegen „besonders schwerem Diebstahl", wie er hinzufügt.

Er werde sich mit seinem Rechtsanwalt beraten, wie in dieser Sache weiter verfahren werden könne. Und er hat angekündigt, hartnäckig zu bleiben und jeden Monat Politiker und Politikerinnen öffentlichkeitswirksam zu fragen, wo das Gesetz bleibt.

Jesuitenpater Jörg Alt vor einer Mülltonne
epd/Valeska Rehm
Jesuitenpater Jörg Alt freut sich, welche noch gut essbaren Lebensmittel er in den Mülltonnen von einem Supermarkt findet.

Hashtag #JesuitundDieb

Alt nutzt in den sozialen Medien den Hashtag #JesuitundDieb. Dort erlebt er eine große Welle der Solidarität. Die Zahl seiner Follower bei Twitter ist innerhalb einer Woche von 60 auf 10.000 gestiegen.

Lebensmittelverschwendung als gravierendes Problem

Laut Statista hält ein überwiegender Teil der Menschen in Deutschland Lebensmittelverschwendung für ein gravierendes Problem. So werden jährlich rund 16 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Aber Müll mitzunehmen ist Diebstahl, deswegen machen sich die Menschen, die Waren aus Mülltonnen von Supermärkten strafbar. 

Unser indeon-User Ulrich schlägt vor, die Aktion von Pater Alt zu unterstützen. Er schlägt vor, Mails an die Bundestagsabgeordneten oder die jeweilige Partei zu schicken und „durch Wiederholung [...] sollte das vielleicht auch etwas aufrütteln!?“

Unsere Kolleg:innen von EKHN.de waren übrigens vor einiger Zeit mit sogenannten „Tonnentauchern“ in Frankfurt unterwegs 🔽. 

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Es gibt jedoch vielfältige Wege gegen die Lebensmittelverschwendung. Zum Beispiel der Verein Foodsharing oder auch die Tafeln in Deutschland holen beispielsweise Lebensmittel bei den Supermärkten nach Vereinbarung ab. 

Was hältst du von Containern gegen Lebensmittelverschwendung?

Jörg Alt provoziert ganz bewusst mit seinen Container-Aktionen. Er fordert ein Gesetz, dass Supermärkte verpflichtet werden essbare Lebensmittel an bedürftige Menschen abzugeben. Was hältst du von seiner Aktion? Schreib uns deine Meinung

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