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Die Welt besser machen

Welt retten
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„Die Welt retten für Anfänger*innen“, kleiner wollte Redakteurin Renate Haller es nicht beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt. Hier ihr Bericht mit den Tipps der Referent*innen.

In Israel „sprechen“ derzeit Bomben und nicht Menschen am Verhandlungstisch. Der Konflikt ist auch mit Hilfe von feministischer Außenpolitik nicht schnell zu lösen, gestand die Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger (Grüne), Vertreterin einer feministischen Außenpolitik, beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt ein.

    Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger (Grüne)
    Derek Schuh
    Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger

    Es sei aber wichtig, die vielen kleinen Friedensprojekte stärker wahrzunehmen, die es auf Seiten von Israelis und Palästinensern gib. Viel zu oft werden sie als naiv belächelt, sagte sie beim Workshop „Welt retten für Anfänger*innen". Dabei könnten sie das Leben vieler Menschen verändern und erhärtete Fronten aufbrechen.

    • Also: Anstatt nur auf die Bombenwerfer achten, die kleinen Initiativen in den Blick nehmen.
    • Ein zweiter Tipp der Politikerin: Genau hinschauen, welches Engagement – ein ziviles oder ein militärisches – in welchem Konflikt erfolgreicher war.
    • Und schließlich: „Schreibt an eure Bundestagsabgeordneten und fragt sie, was das soll mit dem Zwei-Prozent-Ziel der Nato und den weltweiten Rüstungsexporten.“

    Unsinniges Ziel der Nato

    Die Vereinbarung der Nato-Partner, zwei Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben, bezeichnete Brugger als „unsinnig“. Es rette keine Menschenleben. Würde man das Geld etwa in Bildung stecken, wäre der Stabilisierungseffekt in vielen Staaten wahrscheinlich größer.

    Interessen von Frauen berücksichtigen

    Feministische Außenpolitik bedeute nicht, dass alle Macht bei den Frauen liegen müsse. Aber es sei höchste Zeit, dass die Interessen von Frauen,Mädchen und allen unterrepäsentierten Gruppenberücksichtigt werden. Dieser Politikansatz schaue auf die Bedürfnisse von Menschen und nicht auf die von Staaten und wolle die internationale Politik gerechter machen.

    Studien zeigen, so Brugger, dass die Chancen auf Frieden steigen, wenn Frauen mit am Verhandlungstisch sitzen. Eine Gesellschaft sei um so friedfertiger, je geschlechtergerechter sie ist.

    Welches Europa wünschen wir uns?

      Ulrike Guérot
      Donau Universität Krems
      Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot

      Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot aus Krems in Österreich forderte dazu auf, die digitale Plattform der Konferenz zur Zukunft Europas zu nutzen.

      Guérot hat Probleme mit dem Begriff „europäische Bürgerinnen und Bürger“, sagte sie. Denn leider seien wir nicht Bürger*innen Euopas, sondern der einzelnen Nationalstaaten.

      • Sie wünscht sich für Europa eine Überwindung der Nationalstaatlichkeit und einen europäischen Ausweis für die Bürger*innen - eine Republik Europa.

      Sozialmediziner will auf Kommunikation achten

        Gerhard Trabert
        Esther Stosch
        Sozialmediziner Gerhard Trabert

        Der Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert will die Menschenwürde armer Menschen und Geflüchteter retten.

        • Dazu sei es notwendig, auf die Kommunikation zu achten. Beispiel: Wer von „Wirtschaftsflüchtlingen“ spricht, deutet an, den Menschen geht es um Wohlstand. Der ältere Begriff „Armutsflüchtlinge“ zeige deutlicher, dass es oft ums Überleben geht. Auch der Ausdruck „sozial Schwache“ sei falsch. Die damit gemeinten Menschen seien „einkommensschwach“, aber nicht schwach als soziale Wesen.
        •  Hilfe muss sofort umgesetzt werden, betont Trabert. Dazu nennt er drei Beispiele: Arme Menschen müssen dort geimpft werden, wo sie leben. Man darf Menschen nicht ertrinken lassen. Flüchtlinge müssen aus menschenunwürdigen Lager geholt und hierher gebracht werden.
        •  "Wir brauchen strukturelle Veränderungen." Damit meint Trabert, dass Geld von oben nach unten umverteilt werden muss, etwa mit Hilfe einer Vermögenssteuer und einer Bürgerversicherung.