von Bettina Ditzen
„Ich wusste von einem Moment auf den anderen: Das ist jetzt eine lebensverändernde Situation“, erinnert sich Sarah Straub. Als ihre Großmutter die Treppe hinunterstürzt und eine schwere Hirnblutung erleidet, ist sie Anfang zwanzig.
Im Krankenhaus folgt der nächste Schock: Bei den Untersuchungen entdecken die Ärzte nicht nur einen Gehirnschwund, sondern stellen auch fest, dass ihre Oma längst an Demenz erkrankt ist.
Rückblickend sagt Sarah heute: „Meine Oma war vielleicht die wichtigste Person in meinem Leben.“ Bis zu dem Zeitpunkt hatte niemand die Krankheit erkannt. Erst im Nachhinein wurden die Warnsignale für die Demenz deutlich:
„Ich wollte es damals auch nicht sehen“, gibt Sarah Straub offen zu.
Demenz macht vielen Menschen Angst.
Betroffene würden sich schämen, weil sie befürchten, stigmatisiert zu werden. Gleichzeitig würden Angehörige wegschauen, weil sie Angst haben, was das für sie bedeuten könnte.
Diese Angst habe auch ihre eigene Familie geprägt. Erst nach dem Unfall wurde die Situation offensichtlich: Denn ihre Großmutter war plötzlich vollständig pflegebedürftig und konnte ihren Alltag nicht mehr selbständig bewältigen.
„Wir haben Schreckensbilder von Demenz im Kopf“, sagt die promovierte Psychologin. „Und gleichzeitig wissen die wenigsten, was die Krankheit wirklich bedeutet.“