Soziales

Weihnachten für Menschen, für die es kein Weihnachten gibt

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Braten, Knödel, Rotkraut und ein leckeres Dessert – ein weihnachtliches Festessen ist längst keine Selbstverständlichkeit. Bei „Tischlein deck‘ dich“ dürfen alle Weihnachten genießen.

„Ich habe einen Spezialauftrag“, schmunzelt Streetworkerin Eva Dettweiler. In der Hand hält sie einen Teller mit Braten und Kartoffelkloß und weist an: „Bitte mit viel Soße“. Die kleinen Extra-Wünsche versucht sie so gut es geht, umzusetzen. 

Eva hält zwei Teller mit dem Festessen in den Händen. Sie steht vor der Essensausgabe, wo ihr weitere Teile des Gerichts aufgetan werden.
Aaron Kniese

Denn ein extra Löffel Soße ist für manche Gäste eine echte Besonderheit, die sie sonst im Leben nicht haben. Eva Dettweiler bringt den Teller an den Tisch des Gastes, dessen Augen zu leuchten beginnen. 

Festessen und gemeinsame Zeit vor Weihnachten für alle

120 Menschen sitzen an diesem Montag im Saal im Haus der Kirche in Rüsselsheim, unterhalten sich über das, was sie gerade bewegt. Vor und nach dem Essen stimmen sie gemeinsam Weihnachtslieder an. Die ehrenamtlichen Helfenden und Mitarbeitenden der Diakonie servieren die Teller, nehmen sich Zeit für Gespräche. Es ist ein herzliches und offenes Miteinander in weihnachtlich-festlicher Atmosphäre. 

Aktion Tischlein deck‘ dich

Die Aktion gibt es seit 2020. Es ist eine Gemeinschaftsinitiative der Diakonie Rüsselsheim/Groß-Gerau, dem Lions Club Rüsselsheim, dem Lions Club Rüsselsheim Cosmopolitan, dem Rotary Club Rüsselsheim-Mainspitze und der evangelischen Martinsgemeinde in Rüsselsheim.

„Ist in dem Nachtisch Alkohol drin?“, möchte Georg Raitza wissen und erklärt: „Ich war früher alkoholkrank“. Dank der Diakonie sei er seit vielen Jahren nun trocken und das solle auch so bleiben. Nein, das Dessert enthält keinen Alkohol, bekommt er die Rückmeldung und darf genießen

Petra März, die ihm gegenübersitzt, kommt jedes Jahr zur Feier. Sie schätzt die weihnachtliche Atmosphäre und das Miteinander. „Es ist ein Weihnachtsfest für Menschen, die sonst kein Weihnachten haben“, beschreibt sie die Aktion. Das Essen sei toll, aber vor allem die Menschen, die das ermöglichen, sagt sie wertschätzend. 

Steigende Preise für Lebensmittel trifft arme Menschen härter

Für niemanden ist das hier selbstverständlich“, weiß Lucian Lazar. Er leitet die Diakonie Rüsselsheim/Groß-Gerau. Die Preise für Lebensmittel seien stark gestiegen. Viele der Gäste kämpfen daher täglich darum, sich überhaupt versorgen zu können. Ein Festessen für 25 bis 30 Euro pro Person sei für sie undenkbar. 

Wer ist wohnungslos?

Als wohnungslos gelten alle Menschen, die keinen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum oder Eigentum besitzen. Dazu zählen Menschen, die: 

  • in Wohnungsnothilfeeinrichtung wohnen
  • in Notunterkünften schlafen
  • bei Freunden auf der Couch schlafen
  • im Auto leben
  • auf der Straße leben

Mit der Weihnachtsfeier wolle man den Tag zu etwas Besonderen für sie machen. Lucian Lazar erklärt, „wir wollen 

  • sie bedienen
  • ihnen auf Augenhöhe begegnen und
  • sie in die Mitte holen. 

Gemeinsam feiern.“ Weil die Menschen das sonst nicht erleben dürfen.

Zu den helfenden Händen an diesem Mittag gehört Claudia Laudes. Sie kennt viele der Menschen persönlich und auch ihre Schicksale. Denn sie versorgt nicht nur an Weihnachten Menschen ehrenamtlich mit Essen

Warum Menschen helfen gut tut

„Es ist einfach schön, wenn es einem selbst gut geht, etwas zurückzugeben, an die, die weniger haben“, sagt sie. Einmal in der Woche kocht sie bei „Kochen für Rüsselsheim“ aus gespendeten Lebensmitteln für Menschen, die sonst nichts haben

Adventskranz mit zwei brennenden roten Kerzen im Vordergrund, im Hintergrund mehrere Tische, an denen Menschen essen.
Aaron Kniese

Dort hört sie viele Geschichten von Menschen. Daher weiß sie: „Es kann schneller gehen, dass es einem schlecht geht, als man denkt“. Das sei ihre Motivation auch hier zu helfen. Bei „Tischlein deck‘ dich“ ist Claudia Laudes daher ganz selbstverständlich dabei. 

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Heute bleibt ihr und ihren Mitstreitern*innen sogar etwas mehr Zeit mit den Gästen als gewöhnlich. Diese nutzt sie. Nimmt sich einen Stuhl, setzt sich an den Tisch und hört einfach zu. Sie hat ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte. 

Gegen 15 Uhr verabschieden sich die Gäste von den Helfenden, bedanken sich immer wieder. „Fröhliche Weihnachten“, wünschen sie sich gegenseitig. Dann geht es hinaus. Für die einen in die Unterkunft, für die anderen wieder raus auf die Straße