Was darf ich glauben?

Die Corona-Mythen der „Querdenker” im Faktencheck

Über das Sars-CoVid-2-Virus kursieren viele Gerüchte.
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Am Wochenende wollen sogenannte "Querdenker" und Corona-Leugner wieder in Frankfurt am Main demonstrieren. Unter ihnen kursieren viele Behauptungen über das Coronavirus. Angeblich soll es nicht gefährlicher sein als ein Grippevirus, und das Maskentragen schütze nicht. Stimmt das? Stimmt nur ein Teil davon? Oder ist das alles Quatsch? Wir haben einige Mythen rund um das Corona-Virus für dich unter die Lupe genommen.

Behauptung: Covid-19 hat auf die Sterblichkeit kaum Einfluss

Corona kann einen tödlichen Ausgang haben
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Corona kann einen tödlichen Ausgang haben

Stimmt, ist aber irrelevant. Die rund 30.000 Corona-Toten des Jahres 2020 lassen natürlich die Zahl der Todesfälle, die in Deutschland bei etwa einer Million liegt, nicht ins Astronomische steigen. Die Sterblichkeit sagt aber nichts über die Gefährlichkeit einer Krankheit aus.

„Querdenker” argumentieren häufig mit der Sterblichkeit - verwechseln aber dabei Sterblichkeit (Mortalität) mit Tödlichkeit (Letalität). Mortalität bezeichnet die Anzahl der in einem bestimmten Zeitraum Verstorbenen, unabhängig von deren Todesursache. Letalität ist der Anteil von Menschen, die an einer bestimmten Krankheit leiden und daran versterben. Ein Beispiel: Die Amyiotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine Erkrankung, die fast immer tödlich endet. Weil sie aber so selten vorkommt, hat sie kaum Einfluss auf die Sterblichkeit.

Das Coronavirus hat die Mortalität in Deutschland zwar nicht enorm ansteigen lassen, der Anstieg ist aber durchaus nachweisbar, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen.

Behauptung: Covid-19 ist nicht gefährlicher als Grippe

Stimmt nicht. Die Letalität der Virusgrippe ist mit 0,2 Prozent sehr niedrig. Beim Coronavirus ist die Bestimmung der Letalität nicht ganz einfach. Das liegt daran, dass nicht klar ist, wie viele Infektionen ohne Symptome ablaufen, also unerkannt bleiben. In Studien lag dieser Anteil zwischen vier und 40 Prozent.

Es gibt durchaus Anhaltspunkte, die auf eine deutlich höhere Letalität von Corona im Vergleich zu Influenza schließen lassen. Zum Beispiel verstarben 21 Prozent der Covid-19-Patienten, die so schwer erkrankt waren, dass sie ins Krankenhaus aufgenommen werden mussten. Bei der Virusgrippe waren es nur zwölf Prozent, wie das Epidemiologische Bulletin des Robert-Koch-Instituts von Anfang Oktober belegt. Der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die Letalität von Covid-19 bei etwa einem Prozent liegt - und damit fünf Mal höher als die der Grippe. Immerhin ist die Corona-Tödlichkeit in jüngster Zeit etwas gesunken, was sich wahrscheinlich auf verbesserte Therapien zurückführen lässt. In der Altersgruppe jenseits der 80 verstirbt aber immer noch rund jeder Zehnte.

Insgesamt verläuft Covid-19 auch bei Fällen, in denen die Patienten überleben, viel schwerer als die Virusgrippe. Letztere befällt fast immer nur die Atemwege, sehr selten auch Herz oder Gehirn. Beim Coronavirus hingegen sind relativ häufig andere Organe wie Nieren oder Herz betroffen, außerdem das Gefäß-, Nerven- und Immunsystem.

Behauptung: Die steigende Zahl der Corona-Infektionen liegt nur daran, dass mehr getestet wird

Falsch. Die Zahl der Tests korreliert nicht mit der Zahl der Erkrankungen. Richtig ist: Seit Mai wird verstärkt getestet. Gleichzeitig sanken aber während des Sommers die Infektionszahlen. Seit Juli nahm die Zahl der Tests nur noch leicht zu. Trotzdem begannen im Oktober die Infektionszahlen exponentiell zu steigen.

Ct-Wert

Der Ct-Wert beschreibt die Zahl der Zyklen von Erhitzen und Abkühlen einer Probe, die es braucht, um Virusgene zu identifizieren. Ein niedriger Ct-Wert bedeutet, dass es nur wenige Zyklen braucht, um Virusmaterial in einer Probe zu finden. Und das heißt, dass viel davon vorhanden sein muss, der Patient also infektiös ist.

Wie hoch der Ct-Wert sein darf, um als negativ zu gelten, ist allerdings von vielen Faktoren abhängig: vom Stadium des Patienten zum Zeitpunkt des Abstrichs, vom Abstrich selbst, vom auswertenden Testgerät und so weiter. Der Ct-Grenzwert von 30 gilt daher nur für Tests des Robert-Koch-Instituts.

Behauptung: Die Corona-Tests sind unzuverlässig

Sind sie nicht. Jeder Test hat natürlich eine Fehlerquote, aber die Zuverlässigkeit der sogenannten PCR-Tests liegt bei nahe 100 Prozent. Bei unplausiblen Befunden werden die Tests in der Regel wiederholt.

In „Querdenker”-Kreisen kursiert die Aussage, dass jeder PCR-Test positiv werde, wenn man nur den sogenannten Ct-Wert hoch genug ansetze. Tatsächlich wird ein PCR-Test ab 60 Zyklen immer positiv. Aber genau deswegen wird ein Test des Robert-Koch-Instituts ab einem Ct-Wert von 30 als negativ gewertet.

Behauptung: Maskentragen bringt nichts

Neue Hygiene-Regeln seit Corona
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Doch. Zwar stimmt es, dass die Viren so klein sind, dass sie leicht das Gewebe der Mund-Nasen-Bedeckungen durchdringen können. Aber Masken halten einen Teil der Tröpfchen zurück, die wir ausatmen und an denen Viren kleben können. Aerosole – sehr kleine Tröpfchen – können das Gewebe zwar sehr viel besser passieren als Tröpfchen. Aber ein Teil bleibt eben doch hängen. Und so sinkt die Viruslast. Denn ein einzelnes Virus reicht in der Regel nicht, um das Immunsystem zu überwinden. Je weniger Viren eingeatmet werden, desto geringer das Infektionsrisiko.

Aber das Maskentragen verringert nur das Risiko einer Infektion. Ein abslouter Schutz ist es nicht.

Behauptung: Das Tragen von Masken führt zu Sauerstoffmangel

Falsch. Sauerstoffmoleküle sind so klein, dass die Maske für sie kein Hindernis darstellt. Das Atmen wird zwar etwas erschwert, aber das hat auf die Zusammensetzung der eingeatmeten Luft keine Auswirkung. Ein Mund-Nasen-Schutz hat zudem so gut wie keinen sogenannten Totraum – das meint das Volumen der verbrauchten Luft, die wieder eingeatmet wird. Man atmet daher also auch kaum mehr Kohlendioxid ein.